Die Streitfrage

„Wollust ist eine Todsünde“

Das Sexproblem der Kirche ist gewollt, glaubt Rosa von Praunheim. Der Papst hingegen findet Sex gar nicht so erschreckend, entgegnet Paula Lambert.

Papst Franziskus auf dem Weg zur Sondersynode. Bild: dpa

Vor einiger Zeit verschickte Papst Franziskus einen Fragebogen an seine Schäfchen in aller Welt. Er wollte Dinge wissen wie „Haben junge Menschen Geschlechtsverkehr vor der Ehe?“ oder „Sollten Menschen, die nicht heterosexuell veranlagt sind, in der Kirche eine Heimat haben?“

Viele Gläubige in Europa würden diese Fragen mit „Ja, natürlich!“ beantworten. Das weiß der Papst. Aber so einfach ist das ja nicht in der katholischen Kirche. Denn wenn sie sich der Lebenswirklichkeit ihrer Anhänger anpasst, wirft sie Grundprinzipien über Bord, für die sie seit Jahrhunderten steht. Und vergrault die Erzkonservativen. Deshalb diskutieren die Bischöfe diese Woche in einer Sondersynode in Rom über die Ergebnisse der Umfrage.

Sie sind zwei der besten deutschen Schriftsteller: Jochen Schmidt stammt aus Ostdeutschland, David Wagner aus der alten Bundesrepublik. In der neuen taz.am wochenende vom 11./12. Oktober 2014 erzählen sie über Kindheit und Jugend im geteilten Deutschland, 25 Jahre nach dem Mauerfall. Außerdem: Boris Palmer ist grüner Oberbürgermeister von Tübingen. Ehrgeizig, nicht nur beliebt - jetzt möchte er wiedergewählt werden. Was hat er erreicht? Und: Ab Samstag talkt Ina Müller wieder im Ersten. Ihr Studio ist eine Kneipe im Hamburger Hafen. „Sabbeln und Saufen läuft“, sagt sie. Ein Gespräch. Am Kiosk, eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo.

„Mein Eindruck ist, dass der Papst Sex an sich gar nicht so erschreckend findet. Aber Lust als etwas Natürliches anzuerkennen, wird er natürlich nicht schaffen. Schließlich ist die Wollust eine der sieben Todsünden“, schreibt die Sex-Kolumnistin der GQ, Paula Lambert in der taz.am wochenende vom 11./12. Oktober 2014.

Der Regisseur Rosa von Praunheim glaubt, dass das Sexproblem des Papstes gewollt ist. „Er gewinnt an Macht, weil Priester ihre Bedürfnisse im Verborgenen ausleben müssen, etwa mit einer Affäre zur Haushälterin. Das Zölibat beachtet kaum jemand. Durch diese Bigotterie sind Menschen erpressbar.“ Praunheim ist durch Filme wie „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ zur Ikone der Schwulenbewegung geworden.

Hans-Gerald Hödl lehrt Religionswissenschaft an der Universität Wien und findet, dass das Problem des Papstes nicht der Sex an sich ist. „Es sind die Hirten und Schäfchen, die das Ideal über die konkreten Menschen stellen.“

Die Streitfrage beantworten außerdem der Journalist Matthias Matussek und die taz-Leserin Anna Schrey – in der taz.am wochenende vom 11./12. Oktober 2014.

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