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Die Sport-Strategie von Donald TrumpHauptsache, alles erst mal kaputt machen

Warum US-Präsident Donald Trump sich vom Boxen und American Football abgewendet hat. Und warum er so sehr auf MMA und Fußball setzt.

B eides ist bemerkenswert. Erstens: Donald Trump hat sich noch in den 1980er- und 1990er Jahren im Profiboxen engagiert, seit einem Vierteljahrhundert ist er stärker mit MMA verbunden. Zweitens: Trump investierte früher in American Football, heute greift er dessen größte Liga NFL an, sie müsse ihren Namen ändern, denn der europäische Fußball solle in Amerika nicht länger Soccer heißen.

Es gibt da Gemeinsamkeiten, unter anderem die, dass Boxen und American Football für Trump unternehmerische Projekte waren. Nicht zuletzt finanzierte der damalige Casino-Betreiber Trump 1988 den bedeutenden Schwergewichts-WM-Kampf von Mike Tyson gegen Michael Spinks, beide bis dahin ungeschlagen, den Tyson durch K. o. nach 91 Sekunden gewann. In einer vergleichsweise kurzen Phase war Donald Trump also ein erfolgreicher Boxunternehmer, doch mit der Pleite seiner Casinos konnte er sich dort nicht mehr halten. Das alles ähnelt dem Football-Engagement Trumps: Besitzer eines NFL-Clubs wurde er nicht, und das Projekt einer Konkurrenzliga, United States Football League, fuhr er gegen die Wand.

Nach dem Boxen wandte sich Trump dem MMA zu, nämlich der Organisation UFC. Man kann es auch umgekehrt formulieren: Die UFC und ihr Chef Dana White näherten sich Trump an. Der bot dem Sport, der mit seinen Käfigkämpfen das traditionelle Boxen herausfordern wollte, die Bühne, die er benötigt. „Als wir das Unternehmen gerade erst gekauft hatten, wollte uns kein Veranstaltungsort aufnehmen“, sagte Dana White. „Donald Trump war der Erste, der sagte: ‚Wir veranstalten die Kämpfe hier.‘“

Der Aufschwung, den das von der UFC organisierte MMA nahm, war von Beginn an mit dem Namen und dem Gesicht Trump verbunden. Der amerikanische Sportjournalist Karim Zidan analysiert: „Während Ligen wie die NBA und NFL zu Arenen für Bewegungen wurden, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten – sei es durch Spieler, die während der Nationalhymne knieten, oder durch Teams, die sich für fortschrittliche Anliegen einsetzten –, positionierte sich die UFC als trotzige Alternative.“

Mit rechts nach rechts gekämpft

Man kann auch sagen: Der Kampfsport unterstützte den windigen Geschäftsmann Trump darin, politischer Kopf einer rechtspopulistischen Bewegung zu werden. Und der bemerkte, wie Zidan schreibt, dass die UFC und ihr Publikum einerseits rassistisch ausgrenzen kann, andererseits „gezielt um wichtige Minderheitengruppen – darunter arabischstämmige Amerikaner und Latinos“ werben kann.

Trump hatte verstanden, dass das Boxen ihm so etwas nicht bieten konnte. Das Profiboxen in den USA gehört nämlich zur amerikanischen Sportkultur, und die hat immer eine demokratische Tradition. Das US-Boxen hat immerhin Muhammad Ali hervorgebracht. Mit den großen Kämpfen, die Boxer wie Joe Louis und Max Baer gegen den Deutschen Max Schmeling austrugen, war die Symbolik des amerikanischen Boxens, Teil der Kultur dieses Landes zu sein, gefestigt worden. Schon der Titel von Jack Johnson, erster schwarzer Schwergewichtsweltmeister der Geschichte, war Ausdruck des Kampfes für Emanzipation und Bürgerrechte.

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Was Trump mit seiner Abwendung vom Boxen – und vom Football und vom Basketball – versucht, ist Teil seines Kulturkampfs, den er schon gegen Hollywood und die Musikszene des Landes austrägt. Erst mal Disruption. Zunächst will er solche Institutionen, auch die des Sports, die für ihn zu sehr den Geist einer liberalen Gesellschaft in sich tragen, zerschlagen. Das dürfte das ganze Programm sein.

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Martin Krauss

Martin Krauss

Jahrgang 1964, freier Mitarbeiter des taz-Sports seit 1989
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