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Die Linke in Rheinland-PfalzHaustürgespräche alleine reichen nicht

Bei jungen Wäh­le­r:in­nen war die Linke im Südwesten erfolgreich. Doch es fehlt ihr an Ressourcen, klaren Schwerpunkten und an erfahrenem Personal.

Verhaltener Applaus: Auf der Wahlparty der Linken nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse Foto: Helmut Fricke/dpa

Eigentlich standen die Chancen für die Linke in Rheinland-Pfalz gar nicht schlecht. In Umfragen lag sie zeitweise bei rund 6 Prozent. Erstmals schien ein Einzug in den Landtag in Mainz möglich. Doch diese historische Gelegenheit wurde verpasst: Am Ende kam die Partei nur auf 4,4 Prozent. Noch am Wahlabend wurde Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert gefragt, ob die Antisemitismusdebatte der Partei auf den letzten Metern geschadet habe. „Also hilfreich war’s sicher nicht“, antwortete sie.

Das Scheitern der Linken in Rheinland-Pfalz lässt sich jedoch weniger mit der Debatte über einen Antizionismusbeschluss des niedersächsischen Landesverbands erklären als vielmehr mit dem Wahlkampf selbst. Ein eigener inhaltlicher Akzent war kaum erkennbar. Dabei hätte es in Rheinland-Pfalz zahlreiche Themen gegeben, die die Linke hätte besetzen können: soziale Ungleichheit, Armut oder rechtsextreme Strukturen im ländlichen Raum. Oder die Debatte über den Nato-Stützpunkt in Ramstein, von wo aus die USA ihren Krieg gegen Iran führen sollen. Ruppert forderte zwar noch am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“ den Abzug aller US-Truppen aus dem Bundesland, auch Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte das zuvor im Bundestag verlangt – aber die Forderung verpuffte weitgehend ungehört.

Statt klare Schwerpunkte zu setzen, wirkte der Wahlkampf wie aus anderen Bundesländern übernommen – in der Hoffnung, dass dieser Ansatz auch in Rheinland-Pfalz funktioniert. Am Ende setzte man stark auf das Thema Miete und einen bundesweiten Trend: Haustürgespräche. Ziel war es, bis zum Ende des Wahlkampfs an 40.000 Türen zu klingeln. Laut eigenen Angaben wurden jedoch nur etwa 20.000 Gespräche bis Ende Februar erreicht – deutlich zu wenig. Zum Vergleich: Die SPD klopfte in Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben an 160.000 Haustüren, auch SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer übte sich im Klinkenputzen. Genützt hat es allerdings auch ihm nicht viel.

Bei der Linkspartei kam dazu, dass unklar blieb, was die Partei abseits der Haustürgespräche konkret unternahm. Zwar gab es einzelne Veranstaltungen, etwa mit Parteichef Jan van Aken oder Mietenexpertin Caren Lay, oder etwa Redebeiträge auf Demonstrationen. Doch während andere Kandidaten täglich mehrere Termine hatten, blieb für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wie aktiv die Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert tatsächlich war. Erschwerend kam hinzu, dass die Partei durch die Gründung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in Rheinland-Pfalz teilweise erfahrene Kräfte verloren hatte und sich organisatorisch neu aufstellen musste. Dies zeigte sich auch in der Pressearbeit: Selbst auf Anfrage konnte die Pressestelle ab Ende Februar kaum noch Termine mit Ruppert anbieten. Anfang März hieß es, sie konzentriere sich auf größere Pressetermine, Interviews und Veranstaltungen. Nur: Welche das konkret waren, blieb unklar.

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Ohne Rückenwind

Bei der Landtagswahl im März 2026 in Baden-Württemberg hatte die Linke mehr Ressourcen in den Wahlkampf gesteckt und ihre 5.000 Neumitglieder stärker mobilisiert. Trotzdem verpasste die Linke erneut den Einzug in das Stuttgarter Parlament, und damit fehlte auch der Rückenwind für die Wahl in Rheinland-Pfalz.

Dabei trat man im Ländle gleich mit einem Spitzentrio an, bestehend aus Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei, alle drei unter 30 Jahre alt. Die älteren und erfahreneren Linke-Politiker aus Baden-Württemberg – der Stuttgarter Architekt Luigi Pantisano und Landeschefin Sahra Mirow – sitzen seit Februar 2025 im Bundestag, Ex-Parteichef Bernd Riexinger leitet nun die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Damit fehlten der Linken das Personal, um in Baden-Württemberg einen Mehrgenerationenwahlkampf zu führen wie jenen, mit dem sie bei der Bundestagswahl so erfolgreich war.

Rebecca Ruppert ist 36 und führt den Landesverband alleine, seit ihr Co-Chef Dave Koch aus Kaiserslautern im Mai 2025 aus persönlichen Gründen zurücktrat. Trotz der Niederlage bewertet sie den Wahlkampf insgesamt positiv. Sie zeigt sich zwar enttäuscht, den Einzug in den Landtag verpasst zu haben, betont jedoch zugleich die Fortschritte der Partei: Man habe das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erzielt und könne darauf stolz sein. Zudem sei die Zahl der Mitglieder stark gewachsen. Entscheidend sei nun, eine starke außerparlamentarische Opposition aufzubauen und sich gegen geplante Kürzungen, insbesondere zulasten ärmerer Bevölkerungsgruppen, zu stellen – „ob mit Demos oder anderen Aktionen“.

Erfolg bei den Jungen

Erfolgreich war die Linke im Südwesten vor allem bei Jung- und Erst­wäh­le­r:in­nen und da hauptsächlich bei jungen Frauen. In Baden-Württemberg kam sie in dieser Altersgruppe auf 14 Prozent, in Rheinland-Pfalz auf 16 Prozent – bei ‌der Bundestagswahl 2025 waren es im Schnitt sogar 25 ‌Prozent gewesen. Insbesondere in Universitätsstädten wie Freiburg und Heidelberg, Trier und Mainz kam sie deshalb insgesamt auf zweistellige Ergebnisse.

Probleme hat die Linke dagegen, ältere Wählerinnen und Wähler ab 45 anzusprechen. Im Südwesten stimmten nur 2 Prozent (Rheinland-Pfalz) bis maximal 3 Prozent (Baden-Württemberg) für die Partei, und gerade ältere Männer fremdeln mit der Partei. Für diese Altersgruppe fehlt es aber auch an Identifikationsfiguren: ein schwäbelnder Jan van Aken, ein rheinischer Gregor Gysi oder ein Bodo Ramelow aus der Pfalz, das wär’s. Denn eine lokale Verankerung muss man schon haben, um in diesen Regionen zu punkten.

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