Deutsche Übernahme britischer Zeitung: Springer kauft Telegraph
In letzter Minute soll der deutsche Axel-Springer-Konzern die britische Traditionszeitung „Telegraph“ gekauft haben. Für 575 Millionen Pfund.
rtr/taz - Axel Springer kauft die traditionsreiche britische Zeitung Telegraph. Der Kaufpreis für die Telegraph Media Group belaufe sich auf 575 Millionen Pfund, wie Springer am Freitag mitteilte. Man habe mit dem Eigentümer RedBird IMI eine Vereinbarung dazu geschlossen. Springer-Chef Mathias Döpfner ließ wissen, der Berliner Konzern habe vor mehr als 20 Jahren vergeblich versucht, das Unternehmen zu erwerben. „Nun wird unser Traum wahr.“
Mit dem Geschäft geht eine der ältesten Zeitungen Großbritanniens, die enge Verbindungen zum britischen Establishment und zur Konservativen Partei unterhält, in deutschen Besitz über. „Axel Springer wird die Telegraph-Gruppe weiter ausbauen und international stärken – mit dem Ziel, das führende bürgerlich-konservative Medium der englischsprachigen Welt zu werden“, erklärte der Berliner Herausgeber von Bild und Welt.
Nach einem Bericht der Financial Times vom Freitagmorgen ist damit die britische Zeitungsgruppe Daily Mail and General Trust (DMGT), ein direkter Konkurrent, aus dem Geschäft gedrängt worden. Diese hatte zuvor kurz vor einer Einigung zur Übernahme des Telegraph gestanden.
Springer kommt in letzter Minute
In den vergangenen Wochen habe dem Bericht zufolge die RedBird IMI, die US-emiratische Gruppe, die den Telegraph derzeit kontrolliert, Gespräche mit Axel Springer aufgenommen, nachdem der deutsche Verlag in letzter Minute Interesse an der konservativen Zeitungsgruppe bekundet hatte.
Springer hatte bislang ein von dem britisch-amerikanischen Investor Dovid Efune geführtes Konsortium unterstützt, das ein Gegenangebot zur Offerte der DMGT vorgelegt hat. Beide Bieter hatten für die Telegraph Media Group rund 500 Millionen Pfund zahlen wollen. Jetzt habe Springer den Alleingang gewagt.
Die DMGT habe sich mit dem US-Investor Redbird IMI im vergangenen November bereits auf die Übernahme der Telegraph-Gruppe geeinigt. Die britische Wettbewerbsbehörde habe jedoch prüfen wollen, ob ein Zusammenschluss von Telegraph und Daily Mail die Medienvielfalt in Großbritannien gefährden könnte.
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