Deutsche HBO-Serie „Banksters“: Banker als Bankräuber
Mit „Banksters“ präsentiert HBO seine erste deutsche Serie. Sie ist schauspielerisch und im Setting überzeugend, doch im Dialog etwas witzlos und lahm.
„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“, fragte einst Bert Brecht. Zwar zitiert die Serie „Banksters“ den deutschen Dichter nicht explizit, aber die berühmte Brecht’sche Frage könnte das heimliche Leitmotiv der Serienmacher sein.
„Bankster“ handelt von einer Gruppe junger Bank-Azubis in Berlin. Hauptfigur ist Yusuf Arslan, einer, der glänzt in der Ausbildung, auf dem Fußballplatz und zu Hause: seinem kleinen Bruder und seinen Eltern ist er ein liebevoller, vorbildlicher und sich kümmernder Bruder und Sohn.
Als seine Mutter Hanna entdeckt, dass ihr Mann Muhamed riesige Schulden bei der Bank hat, verlässt sie die Familie. Yusuf löst sein Konto mit seinem Ersparten auf, um zumindest einen Teil der Schulden zu begleichen. Doch es reicht bei Weitem nicht.
bei HBO Max
Und so geht er auf die Idee von Malte aus seiner Klasse ein: die Kreditkarten der Bankkunden auszuspionieren. Und siehe da, es klappt. Doch das Geld reicht immer noch nicht, denn es muss ja durch vier geteilt werden: Yusuf und Malte schließen sich Melanie und Steven aus der Klasse an. Die vier rauben in wenigen Monaten zig Banken und Schließfächer aus. Bis Yusuf verhaftet wird. Ihm drohen zehn Jahre Haft wegen mehrfachen Bankraubs.
Türkisch sprechende Kunden überreden
Schlagartig steht nun alles auf dem Spiel: die Zukunft von Yusufs Vater, Yusufs eigene, aber auch die Zukunft der anderen drei.
Die große Frage, die den roten Faden der Serie bildet, lautet: Wer hat Yusuf verraten? Seine Schwester macht sich auf die Suche nach der Bande, um ihren Bruder zu entlasten, wird fündig, doch die Antwort auf die Frage ist schwieriger als gedacht.
Die Serie erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern in Rückblicken. So erfahren wir, dass der Filialleiter Yusuf nur einstellt, weil er ihn dazu benutzen will, die türkisch sprechenden Kunden zu einem Bausparvertrag zu überreden.
Selten wurden die Übergänge zwischen Bankräuber und Banker fließender gestaltet wie in „Bansters“, der ersten deutschen Produktion für die neue Plattform HBO-Max. Doch leider bleibt die Welt der Banker ansonsten sehr blass.
Die Serie inszeniert die Geschichte dieser smarten Bankräuber vor allem als soziale Problemstory. Und so erfahren wir mehr über die familiären Hintergründe der Azubi-Räuber: Während Yusufs Vater in Schulden versinkt, weil er in seinem Job als Koch nicht wirklich weiterkommt, ist Stevens Mutter schwer depressiv, seit sich ihr Mann umgebracht hat. Melanie wiederum ist von ihrem spießigen Leben mit ihrem spießigen Ehemann angeödet und Malte von seinem reichen Vater, der ihn für einen Nichtsnutz hält, weswegen er sich an ihm rächen will.
So richtig überzeugen kann „Banksters“ aber nicht. Zwar sind die Schauspieler alle durch die Bank weg großartig, aber offenbar hat man ihnen eingehämmert, so langsam wie möglich zu reden.
Warum nur? Auch wird zu sehr auf rührendes Sozialdrama gesetzt, zu wenig in gewitzte Dialoge investiert (wie beispielsweise die mit dem zuständigen Ermittler), die Figuren sind am Ende alle zu glatt, zu wenig ambivalent.
Trotzdem gibt es etliche unerwartete Wendungen, die Lust auf mehr machen. Das Ende jedenfalls ist auf eine weitere Staffel angelegt.
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