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Der neue Schwarzwald-„Tatort“Sehnsucht nach einer besseren Welt, die es hier nicht gibt

Ein „Tatort“, der überzeugt: „Der Reini“ erzählt eine klassische Tragödie ohne überflüssige Gesten – getragen von einem großartigen Ensemble.

Ein starker Fernsehfilm mit ein paar Schwächen, die einen aber nie ganz aus der Geschichte rauswerfen: Also in anderen Worten ein Spitzen-„Tatort“, obwohl die Crew aus dem Südwesten wohl nicht mal zu den Spitzenverdienern der Reihe zählt.

Was ist so gelungen bei „Der Reini“? Zunächst mal schlicht, dass Drehbuch (Bernd Lange), Regie (Robert Thalheim) und Darstellung fast ganz auf Mätzchen verzichten. Das Setting stimmt, und die Schauspieler sind so gut, dass sie auch eine weniger glaubwürdige Geschichte glaubhaft verkörpern würden.

In der Reihenfolge herausragend: Eva Löbau als Kommissarin Franziska Tobler, Felician Hohnloser als titelgebender kleiner Bruder Reinhard „Reini“ Berg und Psychatrieflüchtling, Hans-Jochen Wagner als großer Bruder und Kommissar Friedemann Berg. Karsten Antonio Mielke als krimineller Soziopath Luke Badrow kann man jedenfalls nicht den Vorwurf machen, dass er seine Rolle verkaspert.

Ein bisschen mehr tiefböses „Cape Fear“-Feeling à la Robert Mitchum oder Robert de Niro hätte die Regie ihm durchgehen lassen können, dann müsste er weniger mit der Pistole rumfuchteln – aber besser, viel besser so als das ewige chargieren der Kollegen etwa aus Münster.

Der Krimi

Schwarzwald-„Tatort“: „Der Reini“, So., 20.15 Uhr, ARD

Grundlage des Films ist – Mythos: Vatermord und Bruderzwist, klassischer geht es nicht. „Reini“ haut aus der Geschlossenen ab und will vom Bruder Friedemann das, was ihm zusteht, den Anteil am Erbe, ein Leben, kein Rumvegetieren, nicht mehr Deutschland, sondern Marokko, nicht mehr allein, sondern mit Partnerin und Mitpatientin Mika (Mareike Beykirch).

Tragisches Ende

Damit er das durchsetzten kann, braucht er einen Katalysator, den schwerkriminellen Luke Badrow, dessen Plan aber nicht aufgeht, weswegen er zunehmend unter Druck gerät und improvisieren muss. Am Anfang steht dann auch ein Mord, der niemandem hilft, aber die Polizei erst auf die Spur der Abgehauenen bringt.

Am Ende treffen sich im Showdown alle Beteiligten am verlotterten Schwarzwaldhaus der Bergs, mit tragischem, aber auch dramaturgisch schlüssigem Ende: Altlasten werden abgeräumt, einer Fortsetzung steht nichts im Wege.

Ist es sonst immer die Jugend, die in der „Tatort“-Reihe glänzt, hat „Der Reini“ etwas boomeriges, das nölende Wort vom alten weißen Mann, der die Welt erklärt, fällt gleich zu Beginn aus Friedemann Bergs Mund. In diesem Setting haben es die Jungen schwer, an Luise Aschenbrenner als Ella Pauls hängt das Label „überforderte polizeiliche Nachwuchskraft“ so belastend, dass sie als Künstlerin nicht nur unterfordert ist, sondern man zu schnell ahnt, wie entschlossen sie es am Ende konterkarieren wird.

Das ist der einzige wirkliche Fehler eines Films, der mit anhaltendem Vogelgezwitscher Lust macht auf Frühling, auf eine bessere Welt, die „der Reini“ für sich und seine Mika so gern auch bekommen hätte.

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