Denkmalschutz versus Investoreninteresse: Frist für die Schilleroper läuft ab

Bis Monatsende müsste die Eigentümerin den Bauantrag für die Sicherung des ehemaligen Zirkusbaus einreichen. Doch danach sieht es nicht aus.

Rundes Gebäude mit Türmchen unter leicht bewölktem Himmel

Bröckelt vor sich hin: Als die letzte Frist für die Schilleroper vereinbart wurde, war noch Sommer Foto: Andrea Maestro

HAMBURG taz | Ende Dezember läuft eine letzte Frist für die Sicherung der Schilleroper ab. Weil die Eigentümerin mauert und trotz eines Vergleichs mit der Stadt noch keinen Bauantrag dafür eingereicht hat, steht dem ohnehin schon stark angegriffenen ehemaligen Zirkusbau ein weiterer herausfordernder Winter bevor. Zwar hat die Stadt inzwischen selbst entsprechende Vorbereitungen getroffen, vor dem Frühjahr wird die Arbeit aber wohl kaum beginnen können.

Die Geschichte der Schiller­oper ist die Geschichte einer Obstruktion. 2013 entschied das Hamburgische Oberverwaltungsgericht, dass der deutschlandweit einzigartige Stahlskelettbau nicht abgerissen werden darf. Es handelt sich um den wahrscheinlich letzten noch erhaltenen festen Zirkusbau aus dem 19. Jahrhundert.

Spätestens seit der Gerichtsentscheidung sind die Eigentümer aufgefordert, das Gebäude zu sanieren. Stattdessen deckten sie es notdürftig mit Planen ab und schmiedeten Pläne für Neubauten an diesem attraktiven Standort gleich beim Neuen Pferdemarkt. 2017 versuchte die Schilleroper Objekt GmbH als Eigentümerin den Denkmalschutz zu kippen, kam damit aber nicht durch – nicht zuletzt, weil sich eine Bürgerini­tiative gegen die Pläne wehrte.

Mehrfach hatten der Senat und der Bezirk Mitte versucht, die Eigentümerin dazu zu bringen, das Gebäude wenigstens gegen einen weiteren Verfall zu sichern. Das Gezerre endete im Juni mit einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht. Demnach ist „die Sicherung der Konstruktion der Schilleroper durch die Eigentümerin bis zum 31. Dezember 2020 auszuführen“.

Denkmalschutzamt handelt vorsorglich

Doch wie eine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann (Die Linke) ergab, hat die Eigentümerin bis dato keinen Bauantrag gestellt. Weil der Vergleich eine Verlängerungsklausel enthält, hätte sie sogar noch bis zum 31. Dezember Zeit, auch nur den Antrag einzureichen und selbst im Frühjahr zu sanieren.

Liest man die Senatsantwort an Sudmann, sieht es jedoch nicht danach aus: Das Denkmalschutzamt habe ebenso wie das Bezirksamt im Sommer und Herbst mehrfach mit der Eigentümerin oder deren Bevollmächtigten gesprochen. „Es gab jeweils keine Vereinbarungen oder konkreten Ergebnisse“, stellt der Senat fest. Dafür sei das Denkmalschutzamt am Rande eines Gesprächs Mitte November darüber informiert worden, dass es nicht näher spezifizierte „neue Pläne“ gebe.

Das Denkmalschutzamt will sich nicht auf den Investor verlassen und hat im Oktober beim Bezirksamt eine Bauantragsplanung eingereicht. Die Ausführungsplanung sei in Auftrag gegeben worden. Die Bauvorlagen werden von einem Ingenieurbüro geprüft. „Derzeit ist noch offen, bis wann die Genehmigung erteilt werden kann“, teilt der Senat mit.

Sollte die Stadt selbst die Schilleroper vor dem Verfall bewahren, würde sie der Eigentümerin die Rechnung dafür schicken, sagt Enno Isermann, der Sprecher der Kulturbehörde. Dazu kämen 50.000 Euro Strafe für die versäumte Frist.

Drei neue Häuser geplant

Nachdem schon so viel Zeit ins Land gegangen ist und deren Zahn an der Schilleroper nagen konnte, will auch die Schilleroper-Initiative lieber nochmal Druck machen. Seit dem 3. Dezember hält sie jeden Donnerstag ab 18 Uhr eine Mahnwache vor dem Gebäude ab. Sie befürchte, dass die Eigentümerin eine weitere juristische Karte aus der Tasche ziehen könnte, sagt Christine Arisoy-Freitas, die Sprecherin der Initiative.

Das Denkmalschutzamt will sich nicht auf den Investor verlassen und hat im Oktober beim Bezirksamt eine Bauantragsplanung eingereicht

Bis jetzt sei das Wetter ja mild gewesen, sagt sie. „Aber es ist ja auch noch gar nicht richtig Winter.“ Wegen des löchrigen Gebäudedachs sei Handeln dringend geboten. „Es ist ein Trauerspiel.“

Dem Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) wirft sie vor, nicht wie versprochen zu informieren. „Wir müssen immer wieder Fragen stellen“, klagt Arisoy-Freitas, die aber auch einräumt, dass Corona öffentliche Informationsabende unmöglich mache.

Die Pläne, mit denen die Schilleroper-Objektgesellschaft an die Öffentlichkeit getreten ist, sehen drei neue Häuser vor: eine an die Gestalt des Zirkusbaus angelehnte Rotunde mit Arbeitsstätten und einem Hof als Treffpunkt sowie zwei sieben- und zehngeschossige Wohnhäuser. Sie beruft sich dabei auf ein Gutachten der Stadtentwicklungsbehörde, nach dem der Zirkusrundbau so marode ist, dass viele Teile ersetzt werden müssten. Damit sei der Denkmalschutz witzlos, findet die Eigentümerin.

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