Einmaliges Zirkusgebäude verrottet: Schilleroper droht der Einsturz

Die Eigentümerin will das Gebäude in St. Pauli noch immer nicht sichern. Stattdessen will sie stabilisierende Anbauten abreißen.

Rundbau mit Spitze vor Hamburg-Panorama mit rotem Himmel

Dieser Anblick droht zu verschwinden: Schiller-Oper als Teil des Hamburg-Panoramas Foto: Regina Wagner/Schiller-Oper-Initiative

HAMBURG taz | Die Schilleroper-Initiative hat davor gewarnt, dass dem ehemaligen Zirkusgebäude in St. Pauli der Einsturz drohen könnte. Grund dafür sind Pläne der Eigentümerin, die nicht denkmalgeschützten Anbauten an der Stahlkonstruktion abzureißen. Einen Bauantrag für die Sicherung des denkmalgeschützten Teils hat die Eigentümerin dagegen immer noch nicht beantragt. Das bereitet die Stadt jetzt selbst vor.

Die Schilleroper wurde im 19. Jahrhundert für einen ortsfesten Zirkus errichtet und gilt als der einzige erhaltene Bau dieser Art in Deutschland. 2013 hat das Oberverwaltungsgericht entschieden, dass das Gebäude nicht abgerissen werden darf. Spätestens seit dieser Entscheidung ist die Eigentümerin aufgefordert, den Rundbau zu sanieren, was sie jedoch beharrlich ignoriert. Eine letzte Frist dafür ist am 31. Dezember verstrichen.

Wie eine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann (Die Linke) ergab, hat die Schilleroper-Objektgesellschaft im Januar beim Denkmalschutzamt beantragt, die Anbauten an die Rotunde abreißen zu dürfen. Der Antrag gilt auch für die Dacheindeckung.

Die Bürgerinitiative befürchtet, dass ein Abriss der Anbauten für die denkmalgeschützte Rotunde fatal wäre. „Teile der Stahlkonstruktion sind durch den jahrelangen, bewusst in Kauf genommenen Verfall sowie zahlreiche Umbauten in der Geschichte der Schilleroper auf das umgebende Mauerwerk als Stütze angewiesen“, warnt die Initiative.

Die umgebenden Gebäudeteile schützten die Konstruktion auch vor dem Wind

Sie beruft sich auf ein Gutachten, nach dem zwei der Hauptstützen wesentlich von der Wand des Anbaus gehalten werden. Die umgebenden Gebäudeteile schützten die Konstruktion auch vor dem Wind. Zudem stellten die beim Abriss zu erwartenden Erschütterungen eine Gefahr dar. Nach Auskunft der Kulturbehörde hat die Prüfung durch einen Statiker ergeben, dass die Schäden „eine weitergehende Sicherung der Anlage notwendig machen“. Deswegen hat der Bezirk die Eigentümerin aufgefordert, die Anlage abzusperren, was diese am 1. März tat.

Weiter forderte der Bezirk die Eigentümerin auf, die Stahlkonstruktion bis zum 22. März zu stützen. Die vom Prüfingenieur vorgeschlagene Vorgehensweise zur Sicherung der Stahlkonstruktion weicht vom bisherigen Sicherungskonzept der Stadt ab. Das Denkmalschutzamt hält die vorgeschlagene Verfahrensweise für denkmalverträglich und prüft weitere Maßnahmen, um das Denkmal zu sichern.

Die Schilleroper-Objektgesellschaft möchte sich nicht äußern. Die Schilleroper-Initiative hält jeden Donnerstag um 18 Uhr eine Mahnwache vor dem Gebäude ab.

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