Daten aus Hamburger Testzentren: Lückenhafte Weitergabe

Von den Testzentren geben weniger als die Hälfte ihre Daten an die Behörden weiter. Der Hamburger Senat weiß also nicht, wo wie oft getestet wird.

Kommt da noch jemand? In welchem Stadtteil welche Nachfrage ist, weiß keiner so genau Foto: Stefan Sauer/dpa

HAMBURG taz | Testzentren gibt es inzwischen an fast jeder Ecke der Stadt. Mit Mund- oder Rachenabstrich, in Containern, Apotheken oder umfunktionierten Büroräumen – fast je­de:r hat momentan die Möglichkeit, sich kostenfrei in einem der mehr als 250 existierenden Testzentren testen zu lassen.

Diese Entwicklung der Infrastruktur wirkt im jetzigen Pandemiestadium eigentlich fortschrittlich und bequem. Problematisch ist jedoch, dass die – anonymisierten – Daten, die in den diversen Schnelltestzentren entstehen, kaum publik gemacht werden. Dem Senat lagen Ende April nur Daten von 120 Testzentren vor. Von den weiteren gut 130 Zentren ist unbekannt, wie viele Tests in Anspruch genommen oder durchgeführt werden.

Dabei steigt die Anzahl der Schnelltestzentren kontinuierlich. Der Senat berichtet, dass sich aktuell weitere 86 Zentren im Aufbau befinden. Fällt ein Schnelltest in einem Testzentrum positiv aus, wird im Anschluss ein PCR-Test gemacht, dessen Ergebnis, falls positiv, dem Gesundheitsamt gemeldet wird. Wie viele Schnelltests jedoch durchgeführt werden und wie viele davon negativ ausfallen, wird von der Mehrheit der Zentren nicht bekannt gegeben.

Momentan ist also nicht nachvollziehbar, in welchen Stadtteilen wie viel getestet wird. Dies geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage des sozialpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Andreas Grutzeck, hervor.

Andreas Grutzeck, sozialpolitischer CDU-Sprecher

„In den Zentren wird auf Teufel komm raus getestet, aber es fehlt ein Konzept, um die Daten zu sammeln“

Grutzeck hatte die Anfrage gestellt, da er sich über die nicht veröffentlichten Resultate der immer mehr werdenden Schnelltestzentren gewundert hatte. Der Senat hatte zwar schon vor mehreren Wochen angekündigt, ein offizielles „Schnelltest-Monitoring“ einzuführen, dies aber bislang nicht umfangreich umgesetzt. „Das zeigt, dass der Senat keinen Überblick über die Testzentren hat. In den Zentren wird auf Teufel komm raus getestet, aber es fehlt ein Konzept, eine Struktur, um die Daten der Schnelltests darzustellen und zu sammeln“, sagt Grutzeck.

Der Senat schreibt in seiner Antwort auf die CDU-Anfrage, dass keine detaillierte Auswertung zum Nutzungsverhalten stattfinde, und berichtet lediglich von einem zahlenmäßigen Anstieg der erfolgten Tests. Ob oder wann zukünftig mehr Schnelltestzentren ihre Daten an die Behörden übermitteln, wie es ein „Monitoring“ vorsehen würde, ist unklar. Und damit auch, wie viel in den verschiedenen Stadtteilen Hamburgs aktuell und zukünftig getestet wird.

Eine weitere auffällige Aussage des Senats betrifft die Subventionierung des Angebots von Schnelltests in Hamburg. Dazu heißt es, dass die zuständige Behörde die Beauftragung der Teststellen durch ein Open-House-Verfahren vergibt, also ein offenes Zulassungsverfahren.

Dadurch komme keinem Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil zu, so die Idee. Eine Subventionierung einzelner Betreiber, etwa in strukturschwachen Stadtteilen, ist so allerdings auch nicht möglich. Die Sozialbehörde geht davon aus, dass sich der Anbietermarkt auf diese Weise selbst reguliere. Bisher wenig versorgte Standorte seien für neue Anbieter von sich aus attraktiv.

Gegen diese Annahme spricht allerdings die aktuell schwach ausgeprägte Testin­frastruktur im Stadtteil Veddel. Dort betreibt das Kupfer-Unternehmen Aurubis ein mobiles Testzentrum in einem alten Reisebus und testet nicht nur im Werk, sondern inzwischen auch im Stadtteil. Soziale Einrichtungen hatten das Unternehmen mehrfach in dem Vorhaben bestärkt, da der Bedarf an Tests sehr hoch, aber die Infrastruktur noch kaum vorhanden ist.

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