Das Wechselgeld von neulich: Immer nur zum Ehrenspäti
Es gibt sie noch, die guten Menschen. Zu finden sind sie zum Beispiel im Spätkauf in der Berliner Chausseestraße.
G rundsätzlich ist das ja so eine Sache mit den Menschen. Die meisten von ihnen sind mindestens schwierig im täglichen Umgang – und in der Masse sowieso noch mehr. Irgendwo muss es ja herkommen, dass wir geneigt sind, gern zu generalisieren, einzutüten – in Schubladen zu stecken.
Und manchmal gibt es doch tatsächlich Situationen, die mich hin und wieder an das Gute im Menschen glauben lassen. So geschehen vor einiger Zeit bei meinem Späti um die Ecke auf der Chausseestraße.
Ich war irgendwann sonntags schnell noch frische Brötchen holen, noch komplett verschlafen. Später am Tag dann, beim Bezahlen irgendwo anders war ich etwas verwundert, dass ich überraschend wenig Bargeld im Portemonnaie hatte. Okay, ich hatte wohl vergessen, am Automaten Bares zu ziehen dachte ich. Kurz darauf war ich ein, zwei Wochen nicht in Berlin, jobbedingt und hatte das alles vollkommen vergessen. War ja nichts Wichtiges.
Und klar, irgendwann kam dann wieder so ein Sonntag. Ich bin direkt aus dem Bett schnell los, um frische Brötchen zu holen, ungeduscht, in Wochenendklamotte, vor meinem ersten Kaffee – das volle Vor-Frühstücks-Programm. Nach dem Bezahlen meiner Brötchen und zweier Croissants, die wirklich viel zu lecker aussahen, um sie liegenzulassen und einer – vorsichtshalber – Mate und noch etwas Knabberkram, fragt mich mein Späti-Mann noch: „Sag’ mal, haste nicht was vergessen?“. Ich so, in einer Mischung aus verdutzt und verschlafen: „Nee, was’n?“
Er so: „Dein Wechselgeld – haste hier vor ein paar Wochen mal liegen lassen!“ Und legt mir mit freundlichem Lächeln nochmal 35 Euro auf den Tresen. Berlin, ich lieb dich und mein Späti-Ehrenmann ist mein Tagesheld. Seitdem geh’ ich gern jedes Mal ein paar hundert Meter weiter bis zu ihm, obwohl es auf dem Weg jetzt noch einen anderen, neuen Späti gibt.
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