Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Enttäuschung über die taz
Gianni Infantino feiert noch einmal den starken Auftritt der DFB-Elf bei der WM. Dass seine Worte in Deutschland Widerhall gefunden haben, freut ihn.
5. Juli 2026
I n diesen Tagen frage ich mich, ob es nicht doch ein Fehler war, meine Tagebuchaufzeichnungen dieser kleinen Zeitung aus Berlin zum Abdruck zur Verfügung zu stellen, die meine Texte bis zu diesem Tag so gut betreut hat. Vielen Dank an dieser Stelle allen betreuenden Redakteuren!
Nun musste ich erfahren, dass sich die Zeitung bei einem Social-Media-Post des Bundeskanzlers bedient hat, um die Erfolge seiner Regierungsmannschaft zu feiern. „Was für ein Reformpaket! Mit eurem Einsatz und Teamgeist habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch!“
Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.
Mit ähnlichen Worten hatte der deutsche Kanzler, der so gerne genauso gut mit Donald Trump befreundet wäre, wie ich es schon immer bin, das Spiel der Deutschen bei der Niederlage gegen Paraguay gefeiert. Ich finde es traurig, wie diese Zeitung, die mir in den vergangenen Wochen so sehr ans Herz gewachsen ist, plötzlich die Politik einwechselt, wo es doch eigentlich um Fußball geht.
Jetzt muss ich mich fragen, ob bei der taz etwa andere Regeln gelten als bei der Fifa, wo wir Tag und Nacht alles dafür unternehmen, um dafür zu sorgen, dass Fußball und Politik nicht miteinander zu sehr vermengt werden. Mein Freund Donald Trump wird unsere Bemühungen in dieser Hinsicht sicher ebenso gerne bestätigen wie Wladimir Putin, der mir sogar einmal einen Orden dafür verliehen hat, dass ich immer alles dafür unternehme, um die Politik aus dem Sport heraushalten.
Aus Deutschland wird mir zudem berichtet, dass sich viele Menschen darüber gewundert haben, wie der Mitarbeiter des Bundeskanzlers, der die Posts in dessen Namen abgesetzt hat, nur auf die Idee gekommen ist, das Spiel, das für meine deutschen Freunde das Turnieraus bedeutet hat, mit derart warmen Worten zu bedenken. Da muss ich in aller Bescheidenheit anmerken, dass sich dieser engagierte Mensch wohl daran orientiert hat, was ich zu dem Auftritt der DFB-Elf auf meinem Instagram-Kanal geschrieben habe.
Dort heißt es: „Der viermalige Weltmeister setzte sich in einer stark besetzten Gruppe durch und sorgte mit unvergesslichen Leistungen und dramatischen Momenten dafür, dass diese WM noch besonderer wurde. Eure Reise endete zwar in einem packenden Elfmeterschießen, doch es war uns eine Ehre, euch als Teil dieser Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft dabei zu haben.“
Mit ein wenig Stolz habe ich danach zur Kenntnis genommen, dass meine Worte die Inspirationsquelle für einen offiziellen Regierungsaccount geworden sind. Umso trauriger macht es mich, wie die taz, die ein wenig auch meine Zeitung geworden ist, mit ihrer plagiierten Headline gegen fundamentale Prinzipien der Fifa verstößt. Sie müsste sich nicht wurden, wenn eine unabhängige Ethikkommission in diesem Fall Ermittlungen aufnehmen würde, und kann sich glücklich schätzen, dass es eine solche nicht mehr gibt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!