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DFB-Frauen beginnen LänderspieljahrNeue Gesichter nach langem Anlauf

Für die WM-Qualifikation genießen die deutschen Fußballerinnen eine ausgedehnte Vorbereitung. Larissa Mühlhaus und Jella Veit sind neu dabei.

Umklammert: Larissa Mühlhaus im Werder-Trikot

Aus Frankfurt Am Main

Frank Hellmann

Den Ball vorgelegt, kurzer Anlauf – und ein strammer Schuss, der zum zweiten Mal nacheinander passgenau in den Winkel flog. Als Larissa Mühlhaus auf dem DFB-Campus in der Abenddämmerung vor der Frankfurter Skyline ihre Fertigkeiten beim Torschuss demonstrierte, staunte Bundestrainer Christian Wück nicht schlecht. Nur eines wollte der 52-Jährige angemerkt haben: Beim nächsten Mal müsse auch ein Kontakt für die Ballmitnahme reichen. Gleichwohl: Die beste Torjägerin des SV Werder könnte auch das Frauen-Nationalteam in Zukunft bereichern.

Ihre Beförderung in den Kader für die WM-Qualifikationsspiele gegen Slowenien in Dresden (Dienstag 17.45 Uhr/ARD) und vier Tage später gegen Norwegen in Stavanger (18 Uhr/ZDF-Livestream) hatte die 23-Jährige zwar dem Ausfall von Selina Cerci (TSG Hoffenheim) zu verdanken, doch ihren Werdegang verfolgt Wück schon länger. Endlich mal eine, die im Abschluss nicht lange fackelt. Und das erwies sich als Kardinalproblem der DFB-Frauen, die im Nations-League-Finale gegen Spanien (0:0, 0:3) trotz bester Chancen in Hin- und Rückspiel nicht einmal das Tor trafen.

Endlich mal eine, die im Abschluss nicht lange fackelt

Die erste Bremer Nationalspielerin soll zudem demonstrieren, dass die Grenzen zwischen den Frauen-Auswahlteams fließend sind. Belegt durch ein Gruppenbild auf der Terrasse, bei dem die A-Nationalspielerinnen noch mehr herumblödelten als die Talente der U23. Wenigstens hier wird noch die Gemeinschaft betont, wenn schon Verband und Vereine bei der Zukunft der Frauen-Bundesliga nicht zusammenkommen. Die von ihrer Klubtrainerin und TV-Expertin Fritzy Kromp vehement geforderte Mühlhaus erhielt überdies ein Lob von Wücks Co-Trainerin Saskia Bartusiak: „Sie konnte in den letzten Monaten auf sich aufmerksam machen. Sie hat verdient, dabei zu sein.“

Dasselbe gelte für die anstelle der verletzten Sophia Kleinherne nachgerückten Jella Veit von Eintracht Frankfurt, wobei die frühere Weltklasseabwehrspielerin Bartusiak nicht findet, dass die 20-jährige Innenverteidigerin gravierende Temponachteile mitbringt. „Die Daten sagen etwas anderes. Sie ist eine junge Spielerin, die in allen U-Nationalmannschaft schon viele Spiele gemacht hat. Sie ist gut dabei, sich weiterzuentwickeln.“

Gebürtige Hamburgerinnen

Die beiden gebürtigen Hamburgerinnen Mühlhaus und Veit sind die einzig neuen Gesichter im Kader, der sich erst an den neuen Rahmen für Länderspiele im Frühjahr gewöhnen muss. Die Fifa hat recht rücksichtslos die Abstellungsperioden im März und April auf jeweils zweieinhalb Wochen ausgedehnt, um kontinentale Vergleiche zu ermöglichen. Während so manch Vereinscoach schmollt, freut sich das DFB-Trainerteam über die gewonnene Zeit.

Wenn man die DFB-Brille aufgesetzt habe, erklärte Bartusiak, sei es „früher für die Spielerinnen immer sehr eng und gedrückt“ gewesen, „jetzt können wir länger auf dem Platz arbeiten“. Auch der Bundestrainer ist froh, „dass wir mehr in die Inhalte gehen können“.

Der zweifache Weltmeister muss sich zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2027 in Brasilien auf zwei völlig unterschiedliche Gegner einstellen. Erst Slowenien mit der Ex-Frankfurter Lara Prašnikar als kompakte Mannschaft, die tief stehen wird. Dann Norwegen mit seiner Ikone Ada Hegerberg als ambitioniertes Team, das auf Kunstrasen sicher die Flucht nach vorn antritt.

Topstürmerin Klara Bühl freut sich auf „zwei coole Spiele“. Ihr gefalle generell der Tapetenwechsel vom FC Bayern zum Nationalteam, wo viel gelacht werde. „Aber wir wissen auch, worum es geht: Es ist entscheidend, dass man das große Ziel vor Augen hat – wir gehen die kleinen Schritte zuerst.“ Sprich, den Pflichtsieg gegen Slowenien holen.

Deutschlands aktuell beste Fußballerin, die erneut heftig aus dem Ausland umworben wird, hat sehr konkrete Ziele mit der Nationalmannschaft, die in den anderthalb Jahren unter Wück deutlich vorangekommen ist, wie die 25-Jährige nach dem ersten Training betonte: Die EM in der Schweiz und die Nations League hätten gezeigt, „welche Qualität in der Mannschaft steckt. Es gilt, die richtigen Schlüsse zu ziehen, damit wir am Ende im Optimalfall einen Titel holen.“ Der letzte war der Olympiasieg 2016 in Brasilien.

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