Foto: Francois Mori/ap

Coronamaßnahmen in Westeuropa:Die Schotten dicht

In Europa steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen rasant. Mit immer härteren Einzelmaßnahmen versuchen die Regierungen das Virus auszubremsen.

14.10.2020, 08:14 UHR

Mehrere Male dankte der britische Premierminister Boris Johnson dem Liverpooler Bürgermeister Steve Rotheram für „dessen Führung und Kooperation“. Für Liverpool wurde am Montagabend die höchste Stufe eines neuen Systems zur Covid-19-Bekämpfung ausgerufen. Die Infektionsrate ist in der nordwestenglischen Hafenstadt inzwischen die dritthöchste im Land – die Siebentagesrate liegt bei 609 von 100.000 Personen.

Das neue System hat drei Stufen. Bei Stufe eins, sie gilt in den meisten Regionen Englands, unter anderem in London, wird die im September verfüge Höchstgrenze von sechs Personen für private Treffen beibehalten, Kneipen und Bars müssen weiterhin spätestens um 22 Uhr dichtmachen. Bei der mittleren Stufe zwei, die die dichtbesiedelten Industrieregionen Mittel- und Nordenglands betrifft, werden zusätzlich Besuche in Innenräumen verboten.

Stufe drei, welche nun in Liverpool gilt, verbietet komplett den Alkoholausschank und auch Kontakte zwischen verschiedenen Haushalten, egal ob drinnen oder draußen. Von Reisen in oder aus Gegenden mit Stufe drei wird abgeraten.

Mit diesem System reagiert die britische Regierung darauf, dass die Corona-Neuinfektionen in Großbritannien inzwischen wieder auf die Ausmaße zum Höhepunkt des Lockdowns im März angestiegen sind. Über die Maßnahmen und die jeweilige Einstufung der Regionen entscheidet die Zentralregierung.

Ein Arbeiter desinfiziert die Statue der Beatles.

Auch die Beatles in Liverpool müssen desinfiziert werden Foto: Carl Recine/reuters

Der Regierung Johnson wurde in den letzten Wochen sowohl von der Opposition als auch aus den eigenen Reihen vorgeworfen, Vorkehrungen ohne demokratisches und kommunales Mitspracherecht zu treffen. Am Dienstag setzte sie deshalb eine parlamentarische Dringlichkeitsdebatte und Abstimmung an, deren Ergebnis aufgrund der absoluten Mehrheit der Konservativen allerdings wenig überraschend ausfallen dürfte.

Zudem rief Johnson die Lokalbehörden auf, von sich aus weitere Einschränkungen zu beschließen, da das gesamte Dreistufensystem nur als Mindestmaß zu verstehen sei, welches allein die Virusverbreitung nicht bremsen könne.

Steve Rotheram, der Labour-Regio­nalbürgermeister des Großraums Liverpool, beschloss deshalb zusätzlich die Schließung von Wettbüros und Sportzentren und erhielt angeblich deswegen von Finanzminister Rishi Sunak umgerechnet 15,5 Millionen Euro extra zur Verbesserung der Testkapazität der Stadt – neben den im ganzen Land geltenden neuen Garantien für betroffene Geschäftsleute und Arbeitnehmer*innen.

Johnson behauptete, er sei mit betroffenen Lokalbehörden beständig im Gespräch. Rotheram bestätigte in einer eigenen Presseerklärung solche Gespräche. Es sei jedoch von Anfang an klar gewesen, dass die Regierung ihre Entscheidungen mit oder ohne Zustimmung Liverpools durchziehen würde.

Bemerkenswert ist dabei, dass über die ostenglische Stadt Nottingham nur die Stufe zwei verhängt worden ist, obwohl sie die allerhöchste Siebentagesinfektionsrate aufweist: 834 pro 100.000 Menschen.

Labour kritisierte vor allem, dass Johnson Empfehlungen des wissenschaftlichen Krisenstabes SAGE ignoriert habe. In den Empfehlungen dieses Expertengremiums, das die Regierung bei der Coronabekämpfung berät, wurde schon am 21. September aufgrund der rasch steigenden Infektionsraten ein sofortiger, zeitlich befristeter kompletter Lockdown gefordert. Stattdessen führte Johnson in England nur die Sechspersonenregel und die Sperrstunde ein. Veröffentlicht wurde die SAGE-Empfehlung erst im Anschluss an Johnsons Pressekonferenz. (Daniel Zylbersztajn, London)

Grenzverkehr mit Hindernissen in Irland

Die Wahl des Ortes war symbolisch: Irlands Haushaltsplan wurde am Dienstag im Nationalen Kongresszentrum vorgestellt, nicht im Parlament, weil sich die Abgeordneten dort zu nahe kämen. Die Staatsausgaben steigen stark: Aufgrund der Coronakrise haben sich in diesem Jahr 300.000 Menschen arbeitslos gemeldet – bei knapp fünf Millionen Einwohnern.

Die Coronapandemie droht in Irland außer Kontrolle zu geraten. Täglich kommen fast tausend Infizierte hinzu. Dublin und die Grafschaften an der Grenze zu Nordirland sind besonders betroffen. Dort liegt die Siebentagesrate bei durchschnittlich 350 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Ein Mann läuft an einem geschlossenen Pub vorbei.

Ein geschlossener Pub in Dublin Foto: Clodagh Kilcoyne/reuters

In Nordirland liegt diese Zahl sogar bei 834. Der kleine Grenzverkehr an der offenen inneririschen Grenze treibt die Zahlen in den Grenzgrafschaften der Republik in die Höhe. Irlands Premierminister Micheál Martin hat deshalb seinen britischen Amtskollegen Boris Johnson gebeten, den Haushalt für Nordirland zu erhöhen, damit dort ähnlich scharfe Maßnahmen wie in der Republik ergriffen werden können.

Irland hat einen Fünfstufenplan zur Coronabekämpfung aufgestellt. Anfang voriger Woche empfahl das Nationale Notfallteam für öffentliche Gesundheit, über das gesamte Land die höchste Stufe 5 zu verhängen. Dadurch wäre das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen.

Vizepremierminister Leo Varadkar kritisierte die Wissenschaftler scharf – und verhängte lediglich Stufe 3. Johnson hatte ihn beschworen, auf Stufe 5 zu verzichten, weil Nordirlands Coronapolitik andernfalls noch schlechter dastünde.

Auch bei Stufe 3 sind Familienfeiern verboten, man darf nur Besuch von Personen aus einem Haushalt empfangen, die eigene Grafschaft darf nicht verlassen werden: aus Irland darf man also nicht mehr nach Nordirland, nur umgekehrt.

Polizeikontrollen am nächsten Tag richteten ein Verkehrschaos an. Tausende saßen in ihren Autos fest, Lastwagen verpassten die Fähren nach Großbritannien und Europa, Krankenhauspersonal kam zu spät zur Arbeit, Operationen mussten verschoben werden. Daraufhin fuhr man die Kontrollen wieder zurück.

Am Donnerstag will die Regierung entscheiden, ob die Restriktionen verschärft werden. Bei Stufe 4 darf man Besuch nur noch im Freien empfangen, alle Sportstätten, Kultureinrichtungen, Kneipen und Restaurants werden geschlossen. (Ralf Sotscheck, Dublin)

„Intelligenter Lockdown“ in den Niederlanden

Harte Zeiten für die niederländische Gastronomie: Um die rapide steigenden Corona-Infektionen einzuschränken, müssen Gaststätten zwei Wochen lang schließen. Auch der Mannschaftsbreitensport für Erwachsene liegt vorläufig flach, Alkoholverkauf nach 20 Uhr wird verboten, ebenso Gruppen von mehr als vier Personen. Auch in den eigenen vier Wänden darf man nicht mehr als drei Personen pro Tag empfangen.

Diese Maßnahmen, die ab Mittwochabend gelten, verkündete Premier Mark Rutte offiziell in einer TV-Ansprache am Dienstagabend, doch sie waren zuvor geleakt. Gesundheitsminister Hugo de Jonge hatte die Niederländer zuvor aufgerufen, sich auf neue Restriktionen einzustellen. Erwartet wurde im Vorfeld auch, dass die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs auf notwendige Situationen beschränkt werden soll.

Damit sind die Niederlande beinahe wieder auf dem Niveau des „intelligenten Lockdown“ von März bis Mai – mit dem Unterschied, dass Schulen und Geschäfte vorläufig nicht betroffen sind. Die bisherigen, erst Ende September beschlossenen Maßnahmen – Beschränkung von Gruppengrößen sowie eine Sperrstunde von 22 Uhr, so wie in Großbritannien – hatten bislang keinen Effekt.

Ein geschlossenes Restaurant.

Zugeklappte Bänke und Schirme, die Restaurants und Bars in Amsterdam sind zu Foto: Paulo Amorim/VW/imago

Im Gegenteil: Der Anstieg der Neuinfektio­nen erreichte beinahe täglich neue Rekordwerte und stieg, Stand Dienstag, auf mehr als 7.300 – mehr als in Deutschland. Vor allem Amsterdam und Rotterdam sind betroffen. 1.410 Covidpatienten liegen im Krankenhaus, 112 mehr als zu Wochenbeginn. Die Föderation Medizinischer Spezialisten (FMS) erwartet ohne Eingreifen der Regierung bis zu 5.000, wodurch bis zu 70 Prozent der regulären Kapazitäten heruntergefahren werden müssten.

Mit den neuen Maßnahmen hofft die Regierung einen neuen kompletten Lockdown zu verhindern. Sie fürchtet dessen wirtschaftliche Folgen, nicht zuletzt weil im März ein neues Parlament gewählt wird.

Gegner der Coronamaßnahmen protestieren auch in den Niederlanden seit Monaten. In den letzten Tagen fanden die Kundgebungen in der Nähe des Parlaments statt. Auch seitens der Gastronomen gibt es starke Kritik an der neuen Verschärfung. Im Parlament genießt diese, zumal in Zeiten akuter Infektionskrise, breite Unterstützung – mit Ausnahme der rechtspopulistischen Parteien, Sprachrohr der „Coronakritiker“. (Tobias Müller, Amsterdam)

Ratlosigkeit in Frankreich

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wollte ursprünglich die Verantwortung für den Kampf gegen die Coronapandemie der Regierung überlassen und sich selber vermehrt auf die Außenpolitik konzentrieren. Nun aber muss er selber ans Ruder, weil weder der neue Premierminister Jean Castex noch sein Gesundheitsminister Olivier Véran überzeugen.

Die Information, die Maßnahmen zur Prävention und Eindämmung der Epidemie und das ganze Krisenmanagement der Staatsführung stoßen mehr noch als in den Nachbarländern auf Kritik und Misstrauen. In diesem ungünstigen Kontext wird Macron am Mittwochabend als Fernsehgast erwartet. Was kann er an neuen Restriktionen anordnen? Vielleicht ein Ausgehverbot ab 23 Uhr wie in Berlin oder gar einen weitgehenden Lockdown in den Großstädten Paris, Marseille, Lille, Lyon oder Toulouse, wo das Coronavirus derzeit besonders rasch zirkuliert?

Die zweite Welle der Corona-Infektionen hat Frankreich erreicht. Die zunehmende Zahl von positiv Getesteten (bis zu 26.000 pro Tag) bestärkt die Befürchtung, dass in zwei, drei Wochen das französische Gesundheitssystem überfordert sein könnte, wenn wegen des Zustroms von CovidpatientInnen in den Intensivstationen der Krankenhäuser die Plätze für Operationen und andere Notfälle fehlen.

Denn seit März 2020 wurde das sichtlich ungenügende Angebot an Betten in den Intensivstationen für schwere Covidfälle nicht ausgebaut. Frankreich verfügt dazu weiterhin nur über insgesamt 5.000 Betten, während es in Deutschland viermal so viele gibt. Auf Kosten der Versorgung der Bevölkerung und der Attraktivität der Pflegeberufe war massiv gespart worden.

Eine Frau mit Mundschutz an einem Fluss.

Auch in Paris werden die Straßen leerer, droht ein neuer Lockdown? Foto: Thibault Camus/ap

Die Geschichte wiederholt sich: Zuerst gab es keine Schutzmasken, dann zu wenig PCR-Tests, jetzt nicht ausreichend Krankenhausbetten. Außerdem wurde die französische Contact-Tracing-App „StopCovid“ ein Flop: Sie wurde bisher nur 2,6 Millionen Mal runtergeladen (und von rund 1 Millionen Nutzern wieder deinstalliert), doch aufgrund der nur 8.000 gemeldeten Covidfälle konnten nur 472 Kontaktpersonen gewarnt werden. Premier Castex, der zugab, dass er selber die App nicht installiert hatte, verspricht eine verbesserte Version.

Das Coronavirus hat in allen Bereichen die Schwachstellen eines allzu selbstsicheren Systems aufgedeckt. Das Organisationsproblem hat auch eine politische Dimension. In einer ersten Phase wurde alles von der Zen­tralmacht in Paris entschieden.

Die undifferenzierte Gleichbehandlung von ländlichen und städtischen Regionen mit vielen oder fast gar keinen Covidfällen erregte den Zorn von BürgerInnen, die sich diskriminiert fühlten. Ein typisches Beispiel dafür ist Marseille, wo bei vergleichbaren Zahlen der Epidemie viel einschneidendere Maßnahmen angeordnet wurden als in der Hauptstadt.

In einer zweiten Phase versucht die Staatsführung die Entscheidungen vermehrt zu dezentralisieren und den lokalen Situationen anzupassen. Verantwortlich für die jeweiligen Entscheidungen sind deshalb die Präfekten, eine Art Regierungsstatthalter. Da diese sich aber in vielen Fällen nicht mit den BürgermeisterInnen der betroffenen Städte abgesprochen haben, wird ihre Autorität angezweifelt.

Da auch die Legitimität der „Experten“, die in den wichtigsten Fragen gegensätzliche Meinungen vertreten und entsprechend widersprüchliche Vorschläge machen, infrage gestellt wird, steht Macron jetzt allein und voll verantwortlich in der vordersten Linie. Castex warnte ihn am Dienstag: „Wir werden keine zweite Chance bekommen.“ (Rudolf Balmer, Paris)

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. In den vergangenen Monaten beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Ab wann Spiele wieder vor Publikum stattfinden, ist noch nicht klar.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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