Coronaleugner-Proteste in Berlin: Getrübte Feststimmung zu Pfingsten

Der fürs Wochenende angekündigte Protestmarathon gegen Coronamaßnahmen stößt auf überschaubares Interesse. Zentrale Demos sind verboten.

Dmeonstrant*innen laufen tragen ein Transparent mit der Aufschrift "Wir müssen reden"

Der Schweigemarsch will reden Foto: dpa

BERLIN taz | Für die verschwörungsideologische Szene der Co­ro­na­pro­test­ler*in­nen sollten es Pfingsfestspiele in Berlin werden. Schon seit Monaten wird bundesweit zu einem Demonstrationsmarathon am langen Wochenende mobilisiert: Autokorsos am Freitag, schweigende Sternmärsche am Samstag, Großdemo am Sonntag sowie Kundgebungen in allen Bezirken, Menschenketten und Fahrradkorsos am Montag. Fünf große Bühnen allein auf der Straße des 17. Juni, eine Website, Telegram-Kanäle für Orga und Anreise aus allen Bundesländern – der Aufwand, der betrieben wurde, ist groß.

Doch all das nutzt nicht so richtig. Der Hauptkanal auf Telegram reicht mit 4.500 Abon­nen­t*in­nen nicht ansatzweise an vergleichbare Kanäle heran. Zwar träumt der Erfinder der Hygienedemos, Anselm Lenz, wieder mal von Hunderttausenden und einer „Verfassungsgebenden Versammlung“, doch reichweitenstarke Szenepromis – von Querdenken-Gründer Michael Ballweg bis zum Verschwörungserzähler Ken Jebsen – bewerben das Wochenende eher pflichtschuldig denn enthusiastisch. Die extreme Rechte, ob AfD oder das Compact-Magazin, hält sich gleich ganz zurück.

Am Mittwoch folgte dann der vorläufige Tiefpunkt für die Hoffnung auf ein Groß­event: das Verbot der zentralen Demonstrationen. Während die Autosternfahrten am Freitag noch stattfinden dürfen, hat die Polizei die Schweigemärsche aus vier Himmelrichtungen bis zur Siegessäule am Samstag ebenso verboten wie die Demo am Sonntag und einzelne Bezirksversammlungen am Montag.

In einer 20-seitigen Verbotsverfügung werden laut einem der Organisatoren Verletzungen von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen unterstellt. Gegen die Verbote haben die Or­ga­ni­sa­to­r*in­nen Klagen angekündigt.

Schwindende Anziehungskraft

Ihre Mobilisierung läuft weiter, einige tausend Menschen werden sich wohl an Protesten beteiligen, aber sie wird kaum an Fahrt gewinnen; auch insgesamt sinkt derzeit die Anziehungskraft der Coronaproteste. Schon am vergangenen Wochenende kamen zu einer zentralen Querdenkendemo in Nürnberg nur ein Drittel der angemeldeten 3.000 Teilnehmer. Das Spektrum hat offensichtlich damit zu kämpfen, dass in diesen Tagen Coronabeschränkungen fallen, die beschworene Diktatur also nicht ihre fieseste Fratze zeigt und auch die verheerenden Auswirkungen der Massenimpfungen ausbleiben.

Gewaltexzesse wie zuletzt beim Protest gegen den Beschluss der Bundesnotbremse sind an diesem Wochenende eher nicht zu erwarten. Die Or­ga­ni­sa­to­r*in­nen der Pfingstproteste verfolgen eine andere Taktik. Der Großteil der Gruppe kennt sich bereits von den Montagsmahnwachen 2015, bezeichnet sich als Frie­dens­ak­ti­vis­t*in­nen – oder kommt aus dem Spektrum der Imfgeg­ne­r*in­nen – und hat in den vergangenen Monaten die Coronaschweigemärsche organisiert, also die in ihrem Auftreten womöglich harmlosesten Proteste des Spektrums, wenn auch stets unter Beteiligung von bekannten Rechten.

Gegenproteste wird es vor allem am Montag in den Bezirken geben. Schon am Freitag zieht eine antifaschistische Vorabenddemo durch den Wedding.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de