Corona in Deutschland: Mehr Betten,mehr Personal!

In China stieg die Sterblichkeitsrate deutlich, als die Fälle in die Zehntausenden gingen. Deshalb sollten Krankenhäuser jetzt aufgerüstet werden.

Ein Pfleger schiebt ein Krankenbett in einen Raum

Je mehr Betten in Krankenhäusern, desto niedriger die Sterberate Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Corona-Virus ist in Deutschland angekommen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Infizierte im ganzen Land registriert sind. Trotzdem gibt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gelassen und scheint es nicht für nötig zu halten, die Maßnahmen drastisch zu verschärfen. Er belässt es bei einem neu eingerichteten Krisenstab, der jeden Tag aufs Neue die Lage beurteilt.

Auch das Robert-Koch-Institut sieht derzeit keinen Anlass für Massenquarantäne oder gar die Abriegelung ganzer Städte. Das Institut, an dessen Richtlinien sich Bund, Länder und Gesundheitsbehörden orientieren, geht davon aus, dass die Isolation der bislang rund ein Dutzend registrierten Infizierten hierzulande und die häusliche Isolation des Personenumfelds vorerst ausreicht. Von Alarmstimmung also keine Spur. Und das ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt auch gut so.

Denn auch wenn die Zahl der Infizierten in den nächsten Tagen deutlich steigen wird – solange sie nicht in die Zehntausenden geht, kann von einem Notstand keine Rede sein. So erschreckend es ist, wie ansteckend dieses Virus ist – nach bisherigem Kenntnisstand weisen mehr als 80 Prozent der registrierten Infizierten nur milde, zum Teil auch gar keine Symptome auf. Rund 15 Prozent erkranken heftiger, ein bis zwei Prozent sterben. Das ist immer noch zu viel. Das deutsche Gesundheitssystem müsste aber imstande sein, diese Rate zumindest im eigenen Land deutlich zu senken.

Die Auswertung jüngster Daten aus China haben gezeigt, dass die Sterblichkeit offenbar stark korreliert mit dem Zustand des jeweiligen Gesundheitssystems. In der besonders stark betroffenen Region Hunan ist die Sterblichkeitsrate dann deutlich gestiegen, als die Erkrankungsfälle in die Zehntausenden gingen. Ergo: Die Patienten sterben offenbar dann, wenn nicht mehr ausreichend Klinikbetten zur Verfügung stehen. Von solchen Verhältnissen ist das deutsche Gesundheitssystem mit den derzeit Dutzend Infizierten weit entfernt.

Umso dringender ist es jetzt Aufgabe der Politik, möglichst rasch die Kapazitäten in den Kliniken aufzustocken. Vor allem im ländlichen Raum sind Gesundheitsämter auch ohne gefährlichen Virus oft unzureichend ausgestattet. Für alle anderen gilt: Ruhe bewahren und bloß nicht mit Hamsterkäufen von Medikamenten und Atemschutzmasken tatsächlich zu einer Notlage beitragen.

Das Robert-Koch-Institut appelliert, sich an die gleichen Verhaltensweisen zu halten, die bei Grippe auch gelten: Nies- und Husetikette einhalten, gründlich Hände waschen und Abstand zu Erkrankten halten. Es bei solchen Appellen zu belassen scheint der derzeitigen Lage angemessen.

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war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun ist er in der taz-Zentrale für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.

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