CSD in Weißenfels : So geht Brandmauer
Ein Christopher Street Day in Sachsen-Anhalt fand statt trotz rechter Drohungen. Das ist der Zusammenarbeit von Linken und Konservativen zu verdanken.
D as hätte kaum besser laufen können: ein CSD in Weißenfels. Sowieso gut, ein queerer Umzug durch eine kleine Stadt, zumal am äußersten südlichen Zipfel Sachsen-Anhalts. Also in der Provinz der Bundesländer, die aktuell von der AfD und ihr nahestehenden rechtsmilitanten Kreisen mehr denn je versifft wird. Eine queere Parade, die zum Ausdruck bringen wollte, dass auch in der Provinz das neue deutsche Normal angekommen ist, eines, in dem Lesben und Schwule und Transmenschen nicht mehr unsagbar und diskret bleiben müssen. Diversität lebt – eben auch dort.
Doch es lebt dort auch: der Versuch einer rechtsextremistischen Gruppe, die diesen CSD ultramilitant anfeindete – weshalb der Umzug später als geplant begonnen wurde. Ein CDU-Landrat, der seine Solidarität mit den queeren Demonstrierenden ausdrückt. Und eine viel zu geringe Polizeipräsenz, weil die Behörden die Parade fahrlässig als besonders buntes Partyevent einstuften.
Aber: die Demonstration konnte allen rechtsradikalen Störungsversuchen zum Trotz stattfinden! Andernorts hätten die politisch Obersten die Sache abgeblasen, um, wie viel zu oft schon als Argument vorgeschoben, die öffentliche Ordnung nicht zu gefährden. Der Weißenfelser CSD aber zog umher – einen smarteren Triumph gegen die Rechtsextremistinnen* konnte es kaum geben. Voraussetzung für diesen Erfolg war, dass die CSD-Organisierenden eng mit den Behörden kooperierten. Und dass sie wussten: Die mediale Aufmerksamkeit ist auf ihrer Seite, „Tagesschau“-Bericht am Abend inklusive. Sie paradierten also durch ihre Stadt, die sie nicht von Rechten erobert wissen wollen – CDU und Linkspartei im Einvernehmen. Man könnte auch sagen: die konservative, gleichwohl in puncto Diversität selbstredend liberale Union – in Allianz mit den linkeren (nicht minder liberalen) Kräften. So geht Brandmauer.
Schwule und Lesben und Trans-Personen werden sich in und um Weißenfels nicht im Paradies fühlen – aber sie wissen nun, dass sie (höchstwahrscheinlich) offen mit ihnen Alliierende haben. Ermutigend, das!
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert