CSD in Berlin: Mehr Politik als Party

Nach einem Jahr Coronapause zieht die Pride-Parade wieder durch Berlin. Dieses Mal liegt der Fokus auf dem Protest gegen Gewalt gegen queere Menschen.

Klaus Lederer mit Mundschutz in Regenbogenfarben

Trägt Pride: Berlins Kultursenator Klaus Lederer Foto: Jörg Carstensen/dpa

BERLIN epd | Rund 35.000 Menschen sind am Samstag für die Rechte sexueller Minderheiten in Berlin auf die Straße gegangen. Die sogenannte Pride-Demonstration zum 43. Christopher Street Day stand unter der Überschrift „Save our community – save your pride“. Zu den 32 im Vorfeld formulierten Forderungen zählten der Abbau von Diskriminierung im Arbeitsleben, eine konsequentere Verfolgung von Straftaten gegen queere Menschen und die Berücksichtigung anderer Lebensweisen in Lehrmaterialien. Die Ver­an­stal­te­r*in­nen hatten rund 20.000 Teil­neh­me­r*in­nen angemeldet.

Im Gegensatz zur Vor-Corona-Zeit gab es keine Party-Trucks, sondern eine Kundgebung mit mehreren Red­ne­r*in­nen und eine Fußdemonstration durch die Innenstadt. Die Teil­neh­me­r*in­nen führten viele Regenbogenfahnen mit sich.

CSD-Anmelder Nasser El-Ahmad sagte dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), Homo- und Transphobie hätten auch in der Pandemiezeit keine Pause eingelegt. Die entsprechenden Anzeigen hätten sich in dieser Zeit sogar verdoppelt. „Und das passiert halt nicht nur virtuell, sondern auch auf der Straße“, betonte El-Ahmad. Er verteidigte zugleich die stärkere politische Ausrichtung der Veranstaltung: „Die Community ist schrill, bunt, laut, und das ist gut so. Aber das Politische muss einfach in den Vordergrund.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief anlässlich der Parade zur Bekämpfung homophober Denkmuster auf. Zwar gelte die deutsche Hauptstadt „als die Regenbogenhauptstadt Europas“, erklärte er. Aber auch hier sei homophobes Denken und Handeln ein Problem: „Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.“

Wegen der Coronavirus-Pandemie galten strenge Hygiene- und Abstandsregeln, Masken zur Bedeckung von Mund und Nase mussten dauerhaft getragen werden. Die Route führte ab Mittag von der Leipziger Straße über Potsdamer Platz und Brandenburger Tor bis zur Siegessäule und weiter zur Urania. Die Polizei sprach auf von rund 35.000 Teilnehmer*innen. Manche Menschen mussten nach Aussage eines Polizeisprechers an die Corona-Abstandsregeln erinnert werden.

Denkmal für homosexuelle Bewegung beschädigt

Vor der Pride-Demonstration war im Tiergarten am dortigen Denkmal der in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten homosexuellen Menschen gedacht worden. Deren Schicksal sei viel zu lange totgeschwiegen worden, schrieb Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), der später den CSD offiziell eröffnete, auf Twitter und appellierte: „Kein Vergessen!“

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An der Demonstration beteiligt war auch in diesem Jahr der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte am Freitagabend bei einem Gottesdienst um Vergebung für die Diskriminierung und Ausgrenzung queerer Menschen in den eigenen Reihen gebeten.

Am Vorabend des 43. Christopher Street Days war in Berlin eine Gedenktafel für die homosexuelle Emanzipationsbewegung in Deutschland beschädigt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden Teile der dort abgebildeten Gesichter ausgebrannt. Der Polizeiliche Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

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