CSD Rathenow wird nicht mehr gefördert : Spenden für die Vielfalt gesucht
Am 12. September soll der CSD Rathenow stattfinden. Doch nun wurde die Förderung aus dem Programm „Demokratie leben!“ gestrichen. Es geht um 1.000 Euro.
I m Grunde genommen geht es um eine läppische Summe aus dem Bundeshaushalt. Um rund 1.000 Euro. Für ein kleines, dennoch so wichtiges Event sind das aber entscheidende Fördermittel: Den Organisator:innen des Christopher Street Days (CSD) in Rathenow wurde kurzfristig die Förderung für die diesjährige Demonstration am 12. September entzogen, also wenige Wochen vor dem Termin. Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hatte als Erstes berichtet.
Bisher wurde der CSD in Rathenow über das lokale Bündnis „Partnerschaft für Demokratie“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ unterstützt. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hatte bereits im März einen Umbau des Förderprogramms angekündigt, das seit 2014 Projekte gegen Rassismus, Queerfeindlichkeit und Antisemitismus sowie zur Abwehr von Extremismus fördert. Für 2026 stehen etwa 190 Millionen Euro zur Verfügung.
Dem CSD Rathenow die Fördergelder nur zwei Wochen nach dem Attentat auf den Berliner CSD zu streichen, ist ein fatales, falsches, ja sarkastisches Signal. Laut Dennis Driebusch gilt der CSD offenbar nicht mehr als förderfähig. Driebusch organisiert die Demonstration bereits zum dritten Mal gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendparlament von Rathenow.
In einem Statement für „Havel der Vielfalt“, einer queeren Initiative in Brandenburg an der Havel, macht Dennis Driebusch darauf aufmerksam, wie wichtig Pride Paraden insbesondere im ländlichen Raum sind: „Aus meiner Sicht sind CSDs Fest und Demonstration zugleich. Zum einen zeigen sie queeren Personen: Ihr seid willkommen, wir unterstützen euch, bei uns seid ihr sicher. Zum anderen senden sie ein klares Signal an die Politik und Gesellschaft. Sie fordern gleiche Rechte und Chancen für alle Menschen. Sie machen auf Hass, Hetze und Diskriminierung aufmerksam. Sie geben queeren Menschen eine Stimme.“
Statt Demonstration ein Fest für die Vielfalt?
Die Organisator*innen stünden jetzt vor der Wahl, neue Fördermittel zu finden, berichtet die MAZ weiter – oder anstelle einer Demonstration ein Fest zu veranstalten. Doch das wäre wegen der Kürze der Zeit schwierig, allein schon wegen nötiger Sicherheitsvorkehrungen, an denen aber bereits gearbeitet werde. Denn das Team habe sich entschieden, die Veranstaltung gemeinsam durchzuziehen, heißt es im MAZ-Bericht weiter. „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung in der Region“, sagte Driebusch.
Die haben auch andere: Die Stadt Rathenow – dort leben etwa 25.000 Einwohner:innen – ist gefragt, die Zivilgesellschaft, die queere Community, Firmen und Stiftungen: Es sollten sich doch 1.000 Euro besorgen lassen, ganz schnell und ohne viel Bürokratie. „Wir hoffen darauf, dass sich etwas auftreiben lässt“, sagte Driebusch der Zeitung, „aber wenn es keine Förderung gibt, dann gibt es keine gute Zukunft für den CSD Rathenow“. Das klingt nicht eben optimistisch.
Also sollten wir allen Queers in Rathenow Mut machen. Spenden wir für den CSD und besser noch: fahren am 12. September zur Unterstützung hin. Rathenow liegt etwa 70 Kilometer westlich von Berlin, der RE4 ab Berliner Hauptbahnhof braucht nur 50 Minuten.
Und wenn wir schon bei Reiseplanungen ins Nachbarland Brandenburg sind: Am 19. September finden gleich drei Pride Paraden statt: der CSD Oberhavel in Hennigsdorf – hier zum ersten Mal! –, der CSD Bad Belzig und der CSD Teltow-Fläming in Jüterbog.
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