Bundesweiter Ehrentag: Es sind noch Schichten frei
Über eine Million Menschen engagieren sich in Berlin ehrenamtlich. Unabhängig von dem Mitmachtag, zu dem der Bundespräsident am 23. Mai aufruft.
Der Aufruf zum Engagement ist zu begrüßen. Aber Ehrentag? Weniger pathetisch hätte es auch getan. Aber zu Frank-Walter Steinmeier passt’s.
Auch in Berlin finden am 23. Mai, dem vom Bundespräsidenten initiierten Ehrentag, zahlreiche Mitmachaktionen statt: Gärtnern in einer Flüchtlingsunterkunft, Clean-ups und Aufräumaktionen im Kiez, ein inklusives Fußballturnier, Straßenfeste, ein Spieleabend im Seniorenheim. Auf der Website https://www.ehrentag.de/ehrentag-unterstuetzen/ sind alle Aktivitäten gelistet.
Den deutschlandweiten Ehrentag hat der Bundespräsident am 23. Mai anlässlich des 77. Geburtstags des Grundgesetzes ins Leben gerufen. Ehrenamtliches Engagement soll sichtbar gemacht und Menschen sollen angeregt werden, sich einzubringen. Die Idee dahinter: Demokratie lebt von der Beteiligung. Umgesetzt wird die Initiative in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Aktionszeitraum ist der 16. bis 31. Mai 2026.
Wenn es um ehrenamtliches Engagement geht, muss sich Berlin nicht verstecken. Rund 33 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren betätigen sich freiwillig, teilte Julia Wendt, Referentin für Engagement- und Demokratieförderung bei der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, der taz mit. Hochgerechnet entspricht das über einer Million Menschen. Bundesweit liegt die Engagementquote bei etwa 27 Millionen Menschen.
Die wichtigsten Gebiete sind Wendt zufolge Sport und Bewegung, gefolgt vom sozialen Bereich. Auch Kultur und Musik, Schule und Kindergarten sowie kirchliche und religiöse Engagements gehören dazu. Hinzu kommen Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz sowie Umwelt- und Naturschutz.
Ohne Ehrenamtliche nicht arbeitsfähig
Allein bei der Caritas im Erzbistum Berlin gibt es 5.000 Ehrenamtliche. Sie unterstützen junge und alte Menschen, betreuen Familien oder engagieren sich in der Hospizarbeit. „Ohne sie wären viele soziale Angebote in Berlin nicht möglich“, so Caritas-Sprecher Björn Trautwein.
Auch auf die Berliner Tafel trifft das zu. „Ohne die Ehrenamtlichen wären wir nicht arbeitsfähig“, sagte Antje Trölsch, Geschäftsführerin der Berliner Tafel, schon bei anderer Gelegenheit zur taz. 660 Tonnen Nahrungsmittel verteilt die Tafel jeden Monat an armutsbetroffene Berliner. Gestemmt wird das von 3.700 Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit, viele sind bereits im Ruhestand. „Wir sind eine der größten Sozialbewegungen in Deutschland geworden“, sagte Trölsch.
Grundsätzlich sind es nach Angaben von Julia Wendt aber eher Jüngere sowie die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen, die sich ehrenamtlich betätigen. Frauen und Männer seien nahezu gleich häufig engagiert. „Frauen engagieren sich häufiger im sozialen Bereich, während Männer häufiger im Sport oder in leitenden Funktionen aktiv sind.“
Nach der Entwicklung gefragt, ist das Niveau des Engagements in Berlin Wendt zufolge „stabil hoch“. Aktive Engagierte investierten heute teilweise sogar noch mehr Zeit als früher. Allerdings werde es immer schwerer, geeignete Räume zu finden, in denen Engagement stattfinden könne. „Dies wird gerade für kleine Vereine und Initiativen zu einem großen Problem, da sie sich die teuren Mieten nicht leisten können.“ Auf engagiertes.berlin gibt es eine Raumbörse.
„Den Ehrentag finden wir gut“, lässt die Berliner Tafel die taz wissen. „Schließlich geht es dabei um Anerkennung und Wertschätzung. Ehrenamtliche verdienen genau das.“ Wer Lust hat, sich zu beteiligen, könne sich noch für eine Schicht am Samstag eintragen lassen. Auch eine Führung durch das Logistikzentrum, „das Herz der Berliner Tafel“, wird angeboten.
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