Bulgariens Botschafter in Berlin

Zuwanderungsdebatte kritisiert

„Populistisch“ sei die deutsche Diskussion über bulgarische und rumänische Migranten, so Radi Naidenov. Der DGB spricht von „brandgefährlichem Verbal-Aktionismus“.

Arbeiten auf'm Bau und andernorts – wollen bloß viele nicht so genau wissen: rumänische Migranten. Bild: dpa

Berlin (dpa) - Bulgariens Botschafter Radi Naidenov hat die deutsche Debatte über mögliche Armutszuwanderung aus seinem Land und Rumänien kritisiert. „Wer Vorurteile bedient und populistisch argumentiert, schadet der europäischen Idee insgesamt und damit uns allen“, sagte er der Zeitung Die Welt. Die CSU, die den Zugang zum deutschen Sozialsystem erschweren will und die Diskussion angestoßen hatte, nannte Naidenov aber nicht direkt.

Mit der Öffnung des EU-Arbeitsmarkts für die beiden Länder am 1. Januar werde keine große Welle an bulgarischen Zuwanderern auf Deutschland zurollen, sagte der Botschafter. Bulgarien und Rumänien hätten bei der Aufnahme in die EU 2007 alle Eintrittsvoraussetzungen erfüllt und lange Übergangsfristen von sieben Jahren akzeptiert. „Jetzt müssen für uns die gleichen Rechte und Pflichten gelten wie für alle anderen EU-Mitgliedsstaaten.“

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warf der CSU dumpfen und brandgefährlichen „Verbal-Aktionismus“ vor. „Für Horrorszenarien gibt es keinen Grund“, sagte sie der Zeitung Neues Deutschland. Sie verstehe aber die Sorgen einzelner Kommunen. „Doch das Problem ist meist, dass dort die Beschäftigungslage insgesamt besonders problematisch ist und gleichzeitig Integrationsmaßnahmen der Sparpolitik zum Opfer gefallen sind.“

Laut Bundesfamilienministerium ist eine Koppelung des Kindergeldes an den Schulbesuch aus verfassungs- und europarechtlichen Gründen nicht möglich. Dies habe eine Prüfung auf Bitten der Arbeits- und Sozialminister der Länder ergeben, teilte ein Sprecher von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in Berlin mit.

Das Ministerium reagierte damit auf einen Bericht der Bild-Zeitung, in dem aus dem Länderbeschluss von Ende November zitiert worden war. „Das Kindergeld dient dem Ziel, die verfassungsrechtlich gebotene Steuerfreistellung von Einkommen in Höhe des Existenzminimums eines Kindes sicherzustellen. Dies gilt für Deutsche ebenso wie - aufgrund europarechtlicher Regelungen - für andere Unionsbürger“, heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums.

Über den Prüfauftrag der Länderminister hatte erstmals Zeit Online Mitte Dezember berichtet. Darauf reagierte das Ministerium mit einer ähnlichen Stellungnahme. Ende vergangener Woche hatte auch der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl im Tagesspiegel am Sonntag die Forderung erhoben, kein Kindergeld für Kinder auszubezahlen, die nicht in Deutschland bei ihren Eltern leben.

BDI: Attraktivität Deutschlands stärken

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) muss Deutschland generell für Zuwanderer attraktiver werden. Denn bis 2020 sinke das Potenzial an Erwerbstätigen um 6,5 Millionen Menschen, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn wir stärker wachsen wollen, müssen wir auch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland hereinholen. Und diese Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, integriert zu werden.“ Die Attraktivität Deutschlands zu steigern, habe nicht nur mit Geld zu tun.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, sieht noch große Defizite bei der Willkommenskultur für Einwanderer. Das Auswärtige Amt begegne ihnen mit restriktiven Visabestimmungen, von Bundespolizisten würden sie „angeblafft“, ob sie Sozialleistungen beziehen wollten, die Ausländerbehörden verhielten sich abweisend, sagte er der Saarbrücker Zeitung.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben