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Bücher über ApokalypseDer Weltuntergang ist nicht das Ende

Die Philosophin Alenka Zupančič und der Theologe Florian Baab betrachten die Apokalypse in Gegenwart und Geschichte.

Das Warten auf den großen Knall hat Konjunktur. In der einen oder anderen Form. Für den hauptberuflichen Pessimisten E. M. Cioran wäre das größte Unglück gewesen: „Das Weltende zu verpassen.“

Da das Thema ansonsten weniger gelassene Reaktionen hervorruft, kann ein nüchterner Blick auf Theorien des Weltuntergangs etwas helfen, sich darüber zu verständigen, was für Weltbilder hinter diesen Vorstellungen stehen, was für einen Zweck die Untergangstheorien erfüllen und was da im Einzelnen überhaupt endet.

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Zwei neue Bücher zum Thema widmen sich diesen Fragen aus unterschiedlicher Perspektive und in unterschiedlicher Form. Das Buch „Das Ende.“ der Philosophin Alenka Zupančič versammelt Essays zu meist aktuellen Fragen von Politik bis Kunst. Der Philosoph und Theologe Florian Baab legt mit „Weltuntergang“ eine „Meditation“ vor, die ein historisches Panorama von Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute bietet. Beide Bücher ergänzen sich sehr gut.

Das Buch

Alenka Zupančič: „Das Ende.“ Aus dem Englischen von Jan Philipp Weise. Neue Deutsch-Französische Jahrbücher, Frankfurt am Main 2026, 208 Seiten, 18 Euro

Zupančič, die zur „Laibacher Lacan-Schule“ um den Philosophen Slavoj Žižek gehört, nähert sich Fragen des Endes in oft dialektischen Denkfiguren. So steht für sie etwa der Satz „Ich kann es beenden, wann immer ich will“ für ein Muster, bei dem die Möglichkeit, eine Sache zu beenden, zur Bedingung wird, sie ständig zu wiederholen. Das kann für Liebesbeziehungen wie für das Rauchen gelten. Zupančič spricht daher von einer „paradoxen Komplizenschaft zwischen Wiederholung und Ende“. Die auch vor dem Ende der Welt nicht haltmacht.

Bei der Angst vorm Weltuntergang sieht sie einen „komischen Fatalismus“ am Werk, den ihr Kollege Frank Ruda auf die Formel gebracht hat: „Handle so, als hätte die Apokalypse schon stattgefunden!“ Was nicht auf schlichtes Ignorieren hinausläuft. Der Umgang mit der Apokalypse bekommt für Zupančič gerade da, wo man sich bewusst mit ihr als Möglichkeit beschäftigt und beständig von ihr spricht, etwas von magischem Denken.

Sie bringt diese ideologische Verdrängungsleistung auf Formeln wie: „Wir können uns leichter das Ende der Welt vorstellen als das Ende des Kapitalismus.“ Dies dient zugleich als Seitenhieb auf den Philosophen Francis Fukyuama, der in seinem Buch „Das Ende der Geschichte“ von 1992 den Kapitalismus und die liberale Demokratie als Endpunkte historischer Entwicklungen beschreibt.

Bücher zum Weltuntergang

Alenka Zupančič: „Das Ende.“. Aus dem Englischen von Jan Philipp Weise. Neue Deutsch-Französische Jahrbücher, Frankfurt am Main 2026, 208 Seiten, 18 Euro

Florian Baab: „Weltuntergang. Eine Meditation“. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2026, 138 Seiten, 19,90 Euro

Für die Weigerung, das Ende der Welt als reale Möglichkeit zu akzeptieren, erinnert Zupančič an eine Einsicht Sigmund Freuds, laut dem gilt: „Unser Unbewusstes glaubt nicht an den eigenen Tod, es gebärdet sich wie unsterblich.“ Dass diese Einsicht weiter aktuell ist, demonstriert Zupančič an Beispielen wie der schwarzen Komödie „Don’t Look Up“ (2021) von Adam McKay, in der ein Komet auf die Erde zurast und das Leben auf ihr auszulöschen droht.

Das Verhalten der Figuren dient ihr als Beleg für die These, dass das Reden über das Ende der Welt es einem ermöglicht, so weitermachen wie bisher und de facto so zu tun, als bleibe alles beim Alten. Im Film wird das auf den Punkt gebracht durch fiktive Nachrichtenschlagzeilen wie diese: „Das Ende naht – Wird es einen Super Bowl geben?“

Untergangsrhetorik ist Zupančič selbst fremd. Sie sieht das Ende auch nicht als „Endpunkt“, zugleich verwahrt sie sich vor allem in politischer Hinsicht gegen ein „Weiter so“. Das Ende geht sie konsequent aus schrägem Blickwinkel an, wobei sie sich eine Anleihe bei Samuel Beckett gestattet, wenn sie ein vorläufiges Fazit zieht: „Statt als Endpunkt sollten wir über das Ende eher als Sackgasse (dead end) nachdenken, zu der wir immer wieder zurückzukehren gezwungen sind …, um besser zu sterben…“.

Das Buch

Florian Baab: „Welt­untergang. Eine Meditation“. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2026, 138 Seiten, 19,90 Euro

Auch Florian Baab ist in „Weltuntergang“ weit davon entfernt, Weltuntergangsstimmung zu verbreiten. Sein Blick auf Theorien der Apokalypse im 20. Jahrhundert führt ihn vielmehr zu der abschließenden Einsicht: „Der Weltuntergang ist, wie wir gesehen haben, Geschichte.“ Was er bis dahin an Gedanken anderer präsentiert, ist, gelinde gesagt, weniger beruhigend.

Baab weist eingangs darauf hin, dass das Wort „Apokalypse“ ursprünglich „Offenbarung“, „Offenlegung“ oder „Enthüllung von etwas Verborgenem“ bedeutete und dass es die Bezeichnung „Weltuntergang“ nur im Deutschen gibt. Bevor er sich den von ihm ausgewählten Autoren widmet, legt er zudem einen begrifflichen Rahmen zur Orientierung fest, für den er den er die Konzepte „Erfahrung“ und „Erwartung“ des Historikers Reinhard Koselleck mit dem Begriff der „kurzen Gegenwart“ des Philosophen Hermann Lübbe kombiniert.

Verhielten sich nach Koselleck Erfahrung und Erwartung, also der durch die Erinnerung der Vergangenheit geschaffene „Erfahrungsraum“ einerseits und der im Blick auf die Zukunft offene „Erwartungshorizont“ andererseits, vor der Neuzeit noch einigermaßen ausgeglichen, vergrößerte sich die Erfahrung durch technischen Fortschritt und andere Veränderungen immer stärker und schneller, auf Kosten der Erwartung. Als Ergebnis gibt es eine immer kürzere Gegenwart. Die Warnungen von Klimaforschern vor der Erderwärmung kann man durchaus in diesem Zusammenhang sehen.

Einige der Gewährsleute Baabs für Apokalyptisches sind recht bekannt, allen voran Oswald Spengler, dessen Buchtitel „Der Untergang des Abendlandes“ sprichwörtlich wurde. In seinem Buch von 1918 entwirft er eine Zyklentheorie der Kultur. Die „eigentümliche Mischung von Biologismus und Animismus“ referiert Baab mit deutlichem Befremden.

Andererseits beurteilt er dessen Prophezeiungen als zum Teil zutreffend: „Bei aller Fragwürdigkeit seiner Methoden hatte Spengler die Gabe, sehr früh die problematischen Seiten manch moderner Entwicklungen aufzuzeigen: Soziale Ungerechtigkeit als Produkt des Kapitalismus, ungezügelte Herrschaft als Ergebnis medialer Vermittlung, große Kriege als Konsequenz. Auch heute, in einer Zeit, die vielen wieder als ein Wendepunkt erscheint, bleibt eine Spengler-Lektüre aufschlussreich. Er warnt uns vor dem, was möglich ist.“

Spengler, der als Antidemokrat in der NS-Zeit populär war und für Baab stellvertretend ist für ein geistiges Milieu einzelgängerischer Männer mit konservativer Haltung, die sich damals mit apokalyptischen Ideen herumschlugen, führt als prominente Ausnahme den Philosophen Theodor Lessing an.

Dieser leistete sich in der Zwischenkriegszeit unter anderem eine äußerst scharfe Feuilleton-Debatte mit Thomas Mann. Sein kritisches Denken war den Nazis so verhasst, dass Joseph Goebbels eine Belohnung von 80.000 Reichsmark auf seinen Kopf aussetzte. In Marienbad wurde Lessing darauf 1933 von Attentätern erschossen.

Lessing sah seinerseits in Werken wie „Europa und Asien. Untergang der Erde am Geist“ eine Reihe von Entwicklungen voraus, die ihn im Nachhinein bestätigen. So hat er Solarenergie oder Wasserkraft als Energiequellen ebenso prognostiziert wie Wegwerfprodukte oder die heutige kommunikative Vernetzung, wenn man möchte, bis hin zu Smartphones.

Desgleichen warnte er vor Massenvernichtung, deren nahende technische Möglichkeit er befürchtete, oder Naturzerstörung. Gut hingegen, dass die von ihm erwartete „Diktatur der Vernunft“ bis auf Weiteres nicht eingetreten ist.

Baab schreckt umgekehrt nicht davor zurück, tief in den Giftschrank der Geistesgeschichte zu greifen. Bevor er auf den NS-Ideologen Alfred Rosenberg und dessen Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ eingeht, schickt er eine Warnung voraus.

Rosenbergs „völkische Apokalyptik“, die auf eine „Religion des Blutes“ hinausläuft und deren Sätze oft „keinen logischen Sinn“ ergeben, ordnet Baab wie folgt ein: „Sein Beispiel zeigt, wie die NS-Ideologie in der Untergangsangst ihre Wurzeln hat – einer Angst, ohne die Rosenbergs Pamphlet keine Überzeugungskraft hätte entwickeln können.“ Damit ist Baab, ohne eigens darauf hinweisen zu müssen, in der Gegenwart mit ihren Kampfparolen wie „Überfremdung“ angelangt. In einer Art symbolischer Reinigung erwähnt er zum Abschluss des Kapitels den Song „Schrei nach Liebe“ der Ärzte, der 1993 zur Zeit der „Baseballschlägerjahre“ entstand.

Nach einem Kurzdurchlauf durch die Zukunftsängste, die das Aufkommen der Atombombe in der Nachkriegszeit mit sich brachte, landet Baab am Ende bei Fukuyama, den er wohlwollender liest als Zupančič.

Insbesondere verteidigt Baab an Fukuyama, dass dieser den Fortgang der Geschichte sehr wohl für möglich gehalten habe, wenn auch als Rückfall: „Fukuyama denkt hier etwa an ‚eine gezielt antiliberale, undemokratische Regierungsform, die technokratischen ökonomischent Rationalismus mit patriarchalem Autoritarismus verbindet‘“. Willkommen in der Geschichte der Gegenwart.

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