Bremer „Klimawerkstadt“ braucht Geld: Spende als Geschäftsmodell

Die Förderung für die Klimawerkstadt in der Neustadt läuft bald aus. Statt aufs immer nächste Förderprogramm will der Verein nun auf Spenden setzen.

Die KlimaWerkStadt in der Westerstraße in der Bremer Neustadt von der Straße aus

Reduce, Re-use, Recycle – das Motto der Klimawerkstadt ist zur Westerstraße hin sichtbar Foto: Lena Braun

BREMEN taz | Der Industriestaubsauger läuft wieder – am Ende war es nur ein Kabelbruch, den Wilfried ­Hogrefe hier ausmerzen musste. Ein paar Euro wandern in die Spendenkasse, die Besitzerin kann mit dem Gerät und noch etwas mehr technischer Erfahrung nach Hause gehen. Und Hogrefe macht sich nun daran, die Messer eines Pürierstabs geradezuziehen. „Bloß nix abbrechen“, sagt der gelernte Elektriker und wechselt die Zange.

Jeden Mittwochabend ist Reparaturwerkstatt in der „Klimawerkstadt“, Ehrenamtliche helfen dort, Fahrräder, Elek­trogeräte oder kleine Möbel zu reparieren. Die Einrichtung in der Bremer Neustadt hat es sich zum Ziel gesetzt, die Möglichkeit nachhaltiger Nutzung in den Köpfen zu verbreiten – Dinge wiederzuverwenden und zu reparieren, Waren zu tauschen und im Umlauf zu halten.

Die Regale an zwei Wänden des großen Hauptraums füllen Bastelmaterial und gebrauchte Ersatzteile. Filz und Fahrradschläuche, Korken, Stromstecker und Schrauben können gegen eine Spende mitgenommen werden. „Nachhaltiger Konsum ist das eine“, so Geschäftsführerin Uta Bohls, „aber es bleibt Konsum. Wir wollen weg davon.“

Die Einrichtung trifft damit den Geist der Zeit. Trotzdem hat die Klimawerkstadt ein Problem: Ab Januar fällt eine Förderung durch die „Deutsche Postcode-Lotterie“ weg, auch die Unterstützung durch den Neustädter Beirat ist dann aufgebraucht. Statt sich nun auf die nächste Förderung zu bewerben, versucht das Haus einen anderen Weg: Zumindest die Kosten für Miete und andere Fixkosten, etwa 2.000 Euro monatlich, sollen in Zukunft durch Spenden hereinkommen.

Fördergelder sind meist projekt- und damit zeitgebunden

Schon jetzt spenden Dauerspender*innen monatlich etwa 500 Euro. Insgesamt 200 bis 300 Leute, die jeden Monat fünf bis zehn Euro geben, brauche der Verein in Zukunft, hat Projektleiterin Uta Bohls ausgerechnet – „klingt doch machbar“.

Dass sich für die Klimawerkstadt keine andere Finanzierung finden würde, scheint zwar zunächst unwahrscheinlich – EU, Bund und Land vergeben Fördermittel für Klimaschutzprojekte, dazu kommen Programme von Stiftungen –, doch ganz so leicht ist es nicht: Viele Mittel sind für zeitlich und inhaltlich klar begrenzte Projekte ausgelegt; es fehlt an langfristiger institutioneller Förderung.

Auch beim Verein „Klimazone Findorff“, der alle Klimaschutzaktivitäten im Stadtteil bündelt, ist das Problem bekannt – für die Miete des nächsten Jahres muss man auch dort sammeln gehen.

Die Entscheidung, feste Kosten von privaten Bremer*innen tragen zu lassen, findet Bohls aber auch vorteilhaft: „Wir sind dann von den Menschen abhängig, die das Projekt toll finden“, sagt sie, „ein Ort von vielen für viele.“ Das gemeinsame Spenden, so hofft die gelernte Sonderpädagogin, könne das Gefühl von Solidarität noch erhöhen.

Auf Fördermittel für Personalkosten wird die Klimawerkstadt trotzdem angewiesen sein. Und schon jetzt ist die personelle Lage prekär: Nur 20 Stunden in der Woche, eine halbe feste Stelle also, bekommt die Klimawerkstadt finanziert – die Stelle von Bohls selbst. Alles andere läuft über bis zu 50 Ehrenamtliche. „Ohne unseren Bundesfreiwilligendienstler wären wir aufgeschmissen“, stellt Bohls fest. „Dafür gibt es viel zu viel zu organisieren.“

Denn das Kerngeschäft der Klimawerkstadt sind mittlerweile Veranstaltungen. 4.000 Besucher*innen jährlich kommen in Nicht-Coronazeiten hierher: Klimaaktivist*innen nutzen die Räume für ihre Plena, auch Workshops und Kleidertauschpartys finden statt.

Und natürlich die Reparaturcafés. Hogrefe hat den Pürierstab mittlerweile gerichtet. Das ständige Wegwerfen von Dingen hält er für „Wahnsinn“. Er bleibt noch etwas sitzen, obwohl gerade niemand mehr etwas Kaputtes auf seinen großen Arbeitstisch legt. „Es geht mir ja vor allem um den sozialen Austausch hier.“

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