Boom im Fraueneishockey: Umzug in die großen Arenen
Nach den Olympischen Winterspielen besuchen mehr Zuschauer denn je die Spiele der Frauen-Eishockeyteams. Dabei ist die nordamerikanische Profiliga noch jung.
Hilary Knight hat schon viel erlebt in ihrer langen Karriere als professionelle Eishockeyspielerin. Als sie aber vergangene Woche im Madison Square Garden auf das Eis lief, konnte auch sie ihre Emotionen nicht unterdrücken. Die Tränen schossen dem Star des US-Olympiateams und der Seattle Torrent in die Augen.
Der Garden, die zweifellos berühmteste Arena im US-amerikanischen Sport, war mit 18.000 Zuschauern ausverkauft. So viele Fans hatte es für ein Spiel im Fraueneishockey, abgesehen von den Olympischen Spielen, noch nie gegeben. Das letzte Mal, erinnerte Knight sich, hatte sie im Garden während Covid vor leeren Rängen gespielt.
Ihre Torrent wurden bei dem Spiel im Shootout von den New York Sirens besiegt, doch der Tag im Garden war für alle Spielerinnen, Coaches und Ligaoffiziellen ein besonderes Ereignis.
Doch dieses Spiel war kein Ausreißer. Seit den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina und dem packenden Finale zwischen Kanada und den USA erlebt das Fraueneishockey in Nordamerika einen Boom. Zum ersten Heimspiel der Torrent in Seattle kamen 17.000 Fans. Am ersten Wochenende nach den Spielen sahen beinahe 50.000 Zuschauer Spiele der noch jungen Professional Women’s Hockey League (PWHL). Videos der Spiele wurden um 200 Prozent mehr gesehen als vor Mailand.
Gewagte Kalkulation
Prognostizierbar war dieser Boom für die Liga freilich genauso wenig wie die Tatsache, dass die Spielerinnen aus den USA und Kanada in Mailand einen so mitreißenden Sport zeigen würden. Gehofft hat man allerdings schon darauf. Die Ligaverantwortlichen hatten bewusst die ersten Spiele direkt in den Wochen nach den Winterspielen gelegt, um die Begeisterung mitzunehmen. Dazu setzten sie eine „Takeover Tour“ auf, bei der die Teams aus ihren angestammten Spielstätten heraus in große Arenen wie den Garden gehen, um ein neues Publikum zu locken.
Es war eine gewagte Kalkulation, doch die Rechnung ging auf. Die New Yorker bissen an, nachdem wochenlang U-Bahn-Waggons mit den Bildern der Stars der New York Sirens versehen waren, allen voran die kanadischen Olympia-Teilnehmerinnen Sarah Fillier und Kristin O’Neill. Und die Funktionäre waren außer sich vor Freude. „Es ist schwer, nicht ein Kloßgefühl im Hals zu haben“, sagte Ligabesitzer Mark Walter. „Das haben wir uns nie träumen lassen, nicht im dritten Jahr der Liga.“
Walter hatte 2024 die Eishockey-Liga PWHL neu gegründet, nachdem vorherige Versuche gescheitert waren. Walter, Besitzer der Los Angeles Dodgers und der Atlanta Braves, brachte den langen Atem mit, den der Sport brauchte, um zu wachsen. Er engagierte sich für acht Jahre.
Das Engagement zusammen mit garantierten Profigehältern brachte der Liga die Stabilität, die sie brauchte, um zu wachsen. Und in den ersten beiden Jahren ging es schon stetig voran. Die Popularität des Frauenbasketballs und -fußballs blieb den Eishockeyfrauen jedoch bislang versagt.
Nun sieht es so aus, als stünden sie vor dem Durchbruch. Nachdem mehr als 5 Millionen Menschen das Olympia-Finale gesehen haben, können sie ihre neuen Heldinnen Wochenende für Wochenende vor ihrer Haustür sehen. 30 Prozent der Spielerinnen in der PWHL waren bei Olympia dabei. Die Bühne für die kommenden Playoffs im Mai ist bereitet und Walter hat sich darauf festgelegt, im kommenden Jahr der Liga zwei weitere Teams hinzuzufügen.
Dazu beigetragen haben wohl nicht zuletzt Donald Trumps abfällige Bemerkungen über das Fraueneishockey nach den Olympischen Spielen bei einem Empfang des erfolgreichen Männerteams und das hämische Gelächter der Kollegen, das darauf folgte. Die Sportlerinnen hat das offenbar angespornt. Und die Fans erst recht.
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