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Bilanz der Silvesternacht in BerlinWenigstens nicht wieder ganz so schlimm

Trotz erneuter Attacken auf Beamte und aggressiver Situationen sehen Innensenatorin, Polizei und Feuerwehr eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Nicht überall stiegen Feuerwekrskörper auf diese Art in die Luft. Stellenweise wurden auch Polizei und Feuerwehr damit beschossen Foto: Britta Pedersen/dpa

Aus Berlin

Stefan Alberti

Nicht so verheerend wie vor einem Jahr, aber immer noch gewalt- und gefahrenbeladen – so lassen sich die Vorgänge in der Silvesternacht und Reaktionen darauf zusammenfassen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zog dabei eine verhalten positive Bilanz für Polizei und Feuerwehr in Berlin. Die Deutsche Umwelthilfe wiederum sprach von einer „Horrornacht“: Allein acht Kinder hätten schwerste Handverletzungen erlitten und Finger verloren. Auch führende Berliner Grünen wiederholten ihre Forderung nach Verbot. Insgesamt registrierte das vor allem für schwere Fälle zuständige Unfallkrankenhaus in Marzahn 30 Verletzungen durch Feuerwerkskörper.

Aus Sicht von Senatorin Spranger hat die Polizei Schlimmeres verhindert: Die Pyroverbotszonen sowie ihr entschiedenes Vorgehen gegen illegales Feuerwerk hätte sich als richtig erwiesen, erklärte die SPD-Politikerin am Neujahrsmorgen. „Dennoch haben wir auch diesmal Gewalt und einen unverantwortlichen Umgang mit Feuerwerk erlebt, bei dem Unbeteiligte und Einsatzkräfte zu Schaden kamen.“ Verletzte Feuerwehrleute oder beschädigte Einsatzwagen gab es aber nach Angaben der Feuerwehr nicht. „Solche schweren Geschehen wie im vergangenen Jahr sehen wir jetzt nicht mehr“, sagte ihr Sprecher Vinzenz Kasch.

Mit Blick auf die Polizei warnte deren Gewerkschaft DPolG am Donnerstag vor einer zu positiven Einschätzung der Silvesternacht: Wer sage, die Nacht sei „weitestgehend friedlich“ verlaufen, „der verschweigt die vielen gezielten Angriffe auf unsere Einsatzkräfte“, sagte ihr stellvertretender Landesvorsitzender Frank Teichert der Nachrichtenagentur AFP. Weil größere Zusammenstöße aber ausgeblieben seien, kam auch er zu dem Schluss: „Insofern war es im Großen und Ganzen eine gute Silvesternacht.“

Aufgeladene Situationen gab es durchaus. Laut einem Berlicht des RBB etwa kam deshalb bei einem Brand ein Wasserwerfer der Polizei zum Einsatz: Damit seien brennende E-Scooter und andere Gegenstände auf der Beusselstraße gelöscht worden. Dort hatten demnach mutmaßliche Randalierer eine Barrikade errichtet und angezündet. Mehrere Hundert Menschen hätten danebengestanden. Dem wie sonst üblich mit einem Feuerwehrauto und Löschschlauch zu begegenen, war der Beschreibung nach nicht möglich: Weil die Feuerwehr aggressiv bedroht worden sei, habe man den gepanzerten Wasserwerfer der Polizei eingesetzt.

Klares Ziel für den nächsten Jahreswechsel

Nach Zahlen der Innensenatorin gab es in der Silvesternacht in Berlin 420 Menschen kurzzeitige Festnahmen, 30 Polizistinnen und Polizisten seien in der Nacht verletzt worden. Bei der Polizei, mit 3.200 Leuten im Einsatz, soll es 2.340 Einsätze gegeben haben, bei der Feuerwehr mit 1.600 Leuten etwa 1.830 Einsätze – das entspreche ungefähr dem Aufkommen des vorangegangenen Jahreswechsels. Im Vorfeld seien über zweihundertausend Böller beschlagnahmt worden, die gut die Hälfte davon illegales Feuerwerk.

Für die Silvesternacht 2026/27 gab SPD-Politikerin Spranger aus: „Mein klares Ziel ist, dass beim nächsten Jahreswechsel niemand zu Schaden kommt.“ Sie setzt auf eine sogenannte Länderöffnungsklausel im Sprengstoffrecht, das derzeit noch alleiniges Bundesrecht ist. Kommt es dazu, könnte Berlin selbst Feuerwerksverbote festlegen.

Darauf drängten in einer Stellungnahme am Neujahrsmorgen auch die Grünen-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf und Bettina Jarasch. „Damit wir nicht im kommenden Jahr wieder dieselbe Diskussion führen müssen, muss sich der Senat im Bund endlich ins Zeug legen“, hieß es von den beiden. „Auch zum Jahreswechsel sollten sich alle ohne Angst in unserer Stadt bewegen können. Privates Feuerwerk gehört in ganz Berlin endlich beendet.“

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