piwik no script img

Bewegungstermine in BerlinGegen den Höhenflug der Rechten

An­ti­fa­schis­mus ist heutzutage multidimensional. Aufklären über Antifeminismus hier, protestieren gegen Schwur­b­le­r*in­nen da. Auch diese Woche.

W ehret den Anfängen“ lautet ein geflügeltes Sprichwort, wenn es darum geht, eine neue faschistische Gewaltherrschaft in Deutschland zu verhindern. Wer am Wochenende mal für ein paar Minuten beim AfD-Parteitag in Magdeburg den Reden der Kandidaten zugehört hat, dem ist klar: Über die Anfangsphase sind wir in Deutschland längst hinaus.

Ob Forderungen nach massenhaften völkerrechtswidrigen Abschiebungen, Abtreibungsverboten oder rechtlichen Schikanen gegen trans* Personen – in Magdeburg bediente die AfD fast das gesamte Spektrum der neurechten Menschenfeindlichkeit.

In weiten Teilen der Bevölkerung kommt die Hetze gut an. In Umfragen holt die AfD über 20 Prozent, im Kreis Sonneberg in Thüringen konnte die Partei zum ersten Mal eine Kommunalwahl gewinnen.

Klar ist, auf den Höhenflug der Rechten braucht es eine entschlossene antifaschistische Antwort. Doch vielerorts sind Antifa-Gruppen eingeschlafen. Auch lassen sich zu antifaschistischen Gegenprotesten selten die Massen mobilisieren, die noch Anfang der 2010er Jahre Nazi-Aufmärsche wie in Dresden effektiv verhindert hatten. Der gesellschaftliche antifaschistische Konsens, der auch viele Bürgerliche auf die Straße brachte, scheint zu bröckeln.

tazplan

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Gegen LGBTIQ-Feindlichkeit und Verschwörungstheorien

Diese Entwicklung hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass es der Rechten in den letzten Jahren zunehmend gelungen ist, ihre menschenfeindlichen Diskurse salonfähig zu machen. Statt auf klassischen Antisemitismus, NS-Verherrlichung und biologischen Rassismus zu setzen, schießen sich neurechte Thinktanks lieber auf Migrant:innen, Trans*­per­so­nen und Fe­mi­nis­t:in­nen ein – und das in einem möglichst intellektuellen Gewand. So finden in der Bibliothek des Konservatismus (BdK) regelmäßig antifeministische Veranstaltungen statt.

Um über das Treiben der BdK zu informieren und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, veranstaltet das Berliner Register in der Zwille einen Workshop zu LGBTIQ-Feindlichkeit und Antifeminismus. Vor der Teilnahme wird um Anmeldung gebeten. (Mittwoch, 2. August, 17. Uhr – 20.00 Uhr, Fasanenstraße 1.)

Ein weiterer Grund ist, dass die extreme Rechte durch Pegida, Corona und nun die Friedensdemos tief ins bürgerliche Lager vordringen konnte. Besonders in den letzten Jahren hat sich eine unheilvolle Allianz aus realitätsverweigernden Esoteriker:innen, Wutbürgern und Rechts­ex­tre­mis­t:in­nen gebildet. Zwar sind die Nazis hier nur eine kleine Minderheit, doch die wohlwollende Ignoranz der verpeilten Masse ermöglichte es ihnen, sich ungestört durch Berlin zu bewegen.

Am Samstag mobilisiert das verschwörungstheoretische Spektrum zu einer Großdemonstration Berlin unter dem vielsagenden Motto „Frieden, Freiheit, Wahrheit, Freude“. Gegenprotest gibt es in Form eines Fahrradkorsos der antiverschwurbelten Aktion (Samstag, 5. August, 13.30 Uhr, Holocaust-Mahnmal).

Bereits am Montag geht der rechte Spuk weiter, und zwar in Teltow, wo die AfD mal wieder einen „Bürgerdialog“ im Stubenrauchsaal mit dem besonders stramm rechten Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier veranstaltet. Die Antifa Teltow ruft zum Gegenprotest in Form einer Grillparty auf dem Marktplatz auf (Montag, 7. August, 18 Uhr, Marktplatz, 14513 Teltow).

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jonas Wahmkow

Jonas Wahmkow

Schreibt Geschichten aus dem Spätkapitalismus. Redakteur für Arbeit, Wirtschaft und Care im Berlin Ressort.
Mehr zum Thema
Stilisierter Packshot der wochentaz mit Handy daneben, in dem das wochentaz-Logo und die taz-tazze zu sehen ist. Daneben die Abbildung der Prämie: ein Jockstrap in Weiß und Rot mit taz-Logo

10 Wochen wochentaz + limitierter taz-Jockstrap

Fest an der Seite der queeren Community seit 1978: Mit unserem Pride-Abo der wochentaz gibt's jede Woche progressiven taz-Journalismus in den Briefkasten.

  • Seit ihrer Gründung nimmt die taz kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, für die Belange von queeren Menschen einzustehen
  • Unser Pride-Abo bietet dir diesen taz-Journalismus jede Woche neu in der wochentaz, unserer progressiven Wochenzeitung
  • Du bekommst 10 Ausgaben der gedruckten wochentaz und eine einmalige Prämie als Dankeschön
  • Unser Dankeschön: Der streng limitierte taz Jockstrap – elegant, minimalistisch und ausdrücklich für alle Geschlechter gestaltet

Probeabo & Prämie für nur 25 Euro

Jetzt Angebot sichern

0 Kommentare