Berlins Bildungssenatorin im Interview: „Ich kann es keinem recht machen“

Wie sieht Schule in Corona-Zeiten aus? SPD-Senatorin Scheeres über Konzepte, digitales Lernen, Noten und Unterricht in den Sommerferien.

Schüler sitzen getrennt von einander im klassenzimmer

„Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt, dass Krisen wirklich eintreffen können“ Foto: dpa

taz: Frau Scheeres, wenn Schüler Sie jetzt fragen, ob es schlimm sei, dass sie wegen Corona ein knappes Drittel des Schuljahres verpasst haben: Was sagen Sie ihnen?

Sandra Scheeres: Wir sind in einer Extremsituation. Keiner von uns hat so etwas wie die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen bisher erlebt: Wer hätte sich je vorstellen können, dass Schulen und Kitas geschossen werden!? Und natürlich wünsche ich mir, dass sich die Situation schnell wieder ändert und wir in einen normalen Alltag zurückkehren können. Aber leider weiß derzeit niemand, wann das sein wird. Auch die Bildungssenatorin nicht.

Und auf die Frage, ob es schlimm sei, dass so viel Unterricht verpasst wurde?

Die Schülerinnen und Schüler haben in dieser Zeit andere Dinge gelernt: Etwa, dass Krisen wirklich eintreffen können. Das hört man oft ja nur, oder liest es. Aber es ist eine ganz, ganz wichtige Erfahrung, dass man sich nie sicher sein kann – in allen Lebensbereichen. Darüber hinaus glaube ich, dass viele Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Wochen beim selbstständigen Lernens und im Umgang mit digitalen Medien einen großen Schub gemacht haben.

In der Schule geht es aber auch um Noten. Was, wenn jemand Angst hat vor seiner Bewertung, etwa weil es um den Abschluss geht?

Ich habe gegenüber den Lehrkräften sehr deutlich gemacht, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Corona-Krise keine Nachteile erfahren sollen, insbesondere was die Benotung angeht. Sie können sich also nur verbessern. Die während der Schulschließungen erbrachten Leistungen etwa in Projektarbeiten werden nur gewertet, wenn sei eine Verbesserung darstellen. Für die Schülerinnen und Schüler gilt allerdings, dass es weiterhin wichtig ist, intensiv zu lernen, und dabei die Angebote der Lehrkräfte anzunehmen, wenn sie zusätzlichen Unterstützungsbedarf haben. Wir haben – als einziges Bundesland – dafür ein eigenes Programm aufgelegt. Dennoch gilt derzeit für ganz Deutschland: Es wird weniger Stoff unterrichtet. Wir müssen uns deshalb stärker auf die Kernfächer konzentrieren. Das liegt ja auf der Hand.

Kein Nachteil heißt auch, dass dieses Jahr niemand, egal in welcher Schulform, sitzen bleiben darf?

Sitzenbleiben gibt es in Berlin an mehreren Schultypen ja gar nicht mehr. Ansonsten kommt es auf den Einzelfall an.

Sandra Scheeres

50, ist seit 2011 Senatorin für Bildung, Jugend und Familie

des Berliner Senats. Bis 2016 war die SPD-Politikerin auch für den Bereich Wissenschaft zuständig. Die gebürtige Düsseldorferin Scheeres ist gelernte Erzieherin und Diplom-Pädagogin.

Mit dem Extraprogramm meinen Sie das Lernbrückenprogramm für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bedarf. Gibt es schon Rückmeldungen, ob es angenommen wird?

Es gibt jetzt schon mehr als 70 Kooperationen zwischen Schulen und freien Trägern. Wir haben dieses Programm innerhalb von nur zwei Wochen erarbeitet – schließlich lebt in Berlin leider immer noch jedes dritte Kind in Armut. Indem wir freie Träger hinzugezogen haben, entlastet das auch unsere Lehrkräfte. Generell ist unser Ziel, die Lernlücken so klein wie möglich zu halten. Deswegen werden wir auch Sommerschulen anbieten, die gerne in den Herbstferien fortgesetzt werden können.

Das heißt, während der Sommerferien können Kinder und Jugendliche Schulangebote annehmen?

Richtig. Es geht vor allem um Schülerinnen und Schüler, die eine besondere Förderung benötigen. Etwa in Mathematik und Sprachen.

Greifen Sie damit die Debatte um eine Verkürzung der Sommerferien auf?

Nein. Wir kürzen die Sommerferien nicht. Das ist ein Angebot für sozial benachteiligte Kinder, für das wir mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen.

Wird es weitere Angebote für alle Schüler geben?

„Die Vorstellungen gehen total auseinander: Die einen Eltern wollen sofort wieder komplette Ganztagsbeschulung, andere sind sehr ängstlich.“

Wir haben schon lange ein Programm mit dem Profisport – etwa mit Alba Berlin – und dem Landessportbund. Zusammen werden wir jetzt Konzepte entwickeln, wie wir Bewegungsangebote auf dem Schulhof anbieten können. Und ich habe die Landeszentrale für politische Bildung beauftragt, Online-Angebote für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Denn natürlich mache ich mir Sorgen angesichts der aktuellen Konjunktur von Verschwörungstheorien. Auch werden die Schulen verstärkt mit Jugend- und Familienzentren kooperieren, um etwa Möglichkeiten zum Musizieren oder für Kunstprojekte zu schaffen.

Trotzdem wird es Lernlücken geben, wie Sie ja selbst sagen. Wie umfangreich sollte denn der Präsenzunterricht nach den Sommerferien aussehen?

Wir sind immer noch in der Pandemiephase, und es kann in dieser Phase noch kein Gesamtkonzept geben. Ich weiß nicht, wie die Lage nach den Sommerferien ist, welche Beschränkungen gelten, wie sich die Zahlen entwickeln. Wir erarbeiten verschiedene Szenarien.

Sie können den Eltern und Schülerinnen und Schülern nicht versprechen,ab August wird es wieder – sagen wir – drei Schultage pro Woche geben

Das kann ich so nicht versprechen, richtig. Aber wir sind weiter als viele andere Bundesländer. Wir haben angekündigt, dass alle Schülerinnen und Schüler bis Ende Mai wieder ein schulisches Angebot bekommen. Konkreter geht das nicht. Denn dahinter steckt zum einen eine Riesenorganisation auf allen Ebenen. Und zum anderen haben die Schulen uns gesagt, dass sie innerhalb eines Rahmens Flexibilität wollen, wie sie die Vorgaben umsetzen. Schließlich ist die Situation an allen Schulen ein bisschen anders, etwa was die Zahl der einsetzbaren Lehrkräften betrifft...

chinesische Schüler sitzen eng beisammen

Schön getrennt: Unterricht in China Foto: dpa

... die dauerhaft fehlen, etwa weil sie krank sind oder zur Risikogruppe gehören.

Landesweit gehen wir dabei von 25 bis 30 Prozent aus, an manchen Schulen sind es aber nur 5 Prozent. Auch die Räumlichkeiten unterscheiden sich. Altbau, Neubau oder Schulcampus beispielsweise. Und da sage ich mir: Wenn die Schulen – die die Praxis vor Ort kennen – das sagen, dann machen wir das so. So entstehen schließlich die Konzepte. Es bringt nichts, dass ich die Dinge alleine durchpeitsche. Es muss ja auch praktikabel sein.

Wie lange können Sie es sich noch leisten, die älteren Lehrerinnen und Lehrer, die über 60 und also Risikogruppe sind, zu Hause zu lassen?

Es wird ja überhaupt niemand gezwungen, zu Hause zu bleiben. So eine Regelung gibt es gar nicht. Es gibt da kein Verbot. Und es gibt durchaus auch Lehrkräfte, die über 60 sind und jetzt in den Schulen arbeiten.

Dass wir nicht wissen, wie die Lage in zwei Monaten ist, dürften die meisten Menschen teilen. Trotzdem müssen sich die Schulen vorbereitenaufs nächste Halbjahr. Die brauchen doch Vorgaben.

„Wir sind bereits dabei, 9.500 Tablets an benachteiligte Schüler und Schülerinnen zu verteilen.“

Das ist gerade Thema in der Kultusministerkonferenz. Wir wollen ja abgestimmt vorgehen. Und natürlich planen wir nicht nur mit einer Vollbeschulung – das wäre fahrlässig. Wir brauchen also wie gesagt unterschiedliche Pläne. Das ist ja auch das anstrengende. Unser Krisenstab kommt täglich zusammen, wir haben ständig Telefon- und Videokonferenzen mit den Beteiligten. Vor den Ferien wird dann kommuniziert werden, wie es nach den Ferien aussehen soll.

Also kriegen die Schulen in den nächsten Wochen eine Ansage?

Klar. Keinesfalls erst am letzten Tag vor den Ferien. Die Schulen müssen ja wissen, was sie tun müssen. Das sind wir unseren Lehrkräften und Erzieherinnen und Erzieher schuldig, die sich in der Corona-Krise in außerordentlichem Maße engagieren.

Das heißt aber auch, dass nicht feststeht, ob etwa die Einschulungsfeiern stattfinden werden?

Wir befassen uns schon damit, wie sie ermöglicht werden könnten. Aber das sind oft Riesenveranstaltungen, die in der bisherigen Art wohl so nicht möglich sein werden wegen des Abstandsgebots. Wir wollen den Kindern aber einen netten Schuleinstand möglich machen.

Eine schwierige Lage...

Es ist im Moment nichts normal. Das ist schwierig für alle und sehr anstrengend. Und die Vorstellungen gehen auch total auseinander: Die einen Eltern wollen am liebsten sofort wieder komplette Ganztagsbeschulung, andere sind sehr ängstlich. Man kann es im Moment keinem recht machen. Und wir als Schulverwaltung müssen schauen, was die besten Konzepte sind zwischen bester Förderung und bestem Gesundheitsschutz.

Kommen wir zum Thema Digitalisierung. Es gibt Lehrer, die sind längst auf Zoom und machen Video-Konferenzen mit ihren Schülern. Andere haben nicht mal eine eigene Emailadresse. Wie wollen Sie es schaffen, da ein Konzept und einigermaßen einheitliche Standards hinzubekommen?

Wir haben ja bereits eine ganz klare Anweisung formuliert: Mindestens einmal die Woche müssen die Lehrkräfte Kontakt zu ihren Schülern aufnehmen. Wir geben jetzt auch einen Leitfaden heraus zum Thema digitales Arbeiten und Lernen zu Hause. Da sind wir in den Endabstimmungen, auch mit den Datenschutzexperten.

Was wird drin stehen im Leitfaden?

Es wird zum Beispiel die Empfehlung geben, dass die Klassenlehrer zweimal die Woche Kontakt zu ihren Schülern aufnehmen sollen, sie ansprechbar sein und Rückmeldungen geben sollen und gerne strukturierte Wochenpläne erstellen können. Und wenn Lehrer nicht ihre private Telefonnummer rausgeben wollen, sage ich: Die Lehrkräfte sind im Dienst, und dann kann man auch mal in die Schule gehen, da gibt es auch ein Telefon und dann telefoniert man die Schülerinnen und Schüler eben von dort aus ab. Ich erlebe aber gerade auch sehr viel Engagement der Lehrkräfte, gerade auch die älteren bauen teilweise noch bestehende Berührungsängste zum Digitalen ab.

Wird es eigentlich auch Sommerschulen für die Lehrkräfte geben, zum Beispiel zum Thema digitaler Unterricht?

Jeder hat die Möglichkeit, sich zu qualifizieren. Da brauche ich keine Sommerschulen anzubieten.

Naja, der Bedarf nach Wissen ist gerade riesig. Alleine das Thema Datenschutz ist groß…

Wie gesagt, ich habe kein Problem damit, in den Sommerferien Seminarangebote zu machen. Sie müssen natürlich angenommen werden.

„Unsere Krisenstabssitzungen dauern jeden Tag eineinhalb, zwei Stunden Minimum.“

Warum machen Sie das nicht verpflichtend?

Wir haben in den Sommerferien verpflichtende Präsenztage an den Schulen. Und wenn eine Schulleitung merkt, dass es in einem Bereich – zum Beispiel beim digitalen Lernen – schwere Defizite gibt, dann kann sie sich die Präsenztage genau dafür nehmen.

Die Eltern müssten eigentlich auch qualifiziert werden fürs Homeschooling – gerade wenn jetzt immer klarer wird, was für eine Langstrecke diese Krise ist. Was können Sie den Eltern anbieten?

Das schon angesprochene Lernbrücken-Programm der freien Träger bezieht sich auch auf die Eltern, da gibt es Angebote. Und auch ein eigener Leitfaden wird sich in verständlicher Sprache an Eltern richten.

Leitfäden sind schön. Aber was ist mit den ganz praktischen Dingen wie Internetzugang, Tablets – welche Unterstützung wird es da geben?

Hände waschen ist jetzt fast so eine Art Unterrichtsfach Foto: dpa

Wir sind da ja schon vorangeschritten in Berlin, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern. Wir sind bereits dabei, 9.500 Tablets an benachteiligte Schüler und Schülerinnen zu verteilen. Es wird die Sommerschulen geben. Das sind alles jeweils Millionen-Beträge im Haushalt. Und dann werden noch 500 Millionen Euro kommen vom Bund aus dem Digitalpakt, der für Corona ergänzt wird – um noch weitere digitale Endgeräte anzuschaffen. Und die Bundesländer werden noch eigene Mittel geben. Da werde ich nicht nachlassen.

Bis jeder Schüler ein Tablet hat?

Ich habe zunächst mal die im Blick, die nicht so gut ausgestattet sind.

Wie viele sind das?

Wir haben eine Abfrage in den Schulen gemacht, das sind nach jetzigem Stand mindestens 10.000.

Dann brauchen Sie ja gar keine Tablets mehr, dann sind ja alle versorgt.

Das war jetzt eine erste Schnellabfrage. Es kann durchaus sein, dass die Schulen da noch Bedarf nachmelden.

Haben die 10.000 Kinder keinen Internetzugang? Oder keine Endgeräte? Oder beides nicht?

Also Internet haben viele. Alleine schon, um Computerspiele wie Fifa zu spielen oder so etwas. Aber wir haben von den 9.500 Tablets auch 1.000 angeschafft, die internetfähig sind. Natürlich denken wir auch das mit.

Sie sind ja auch Jugendsenatorin. Diese Woche wurde im Senat der Stufenplan für die weitere Kita-Öffnung beschlossen. Die Kitas sind sauer, weil sie sagen: Wie sollen wir das schaffen, bis zum Sommer allen Kindern vier Stunden Betreuung pro Tag anzubieten, den Kindern von Eltern in systemrelevanten Berufen je nach Bedarf auch mehr, und dann auch noch die Hygieneregeln einhalten.

Stühle stehen auf den tischen in einem Klassenzimmer

Die meisten Schülerinnen und Schüler haben mehrere Monate Unterricht verpasst Foto: dpa

Also, zunächst mal: Das ist ja kein neuer Plan. Die Träger wissen schon lange, dass wir einen Stufenplan und dass man sich darauf vorbereiten kann. Und was die systemrelevanten Berufe angeht: Das war von Anfang an klar, dass die einen höheren Anspruch haben werden als vier Stunden.

Das hat man in den Kitas zwischenzeitlich nicht so verstanden.

Wie soll denn ein Arzt im Krankenhaus oder wie soll denn eine Verkäuferin im Schichtdienst das auch sonst anders machen? Hier muss man eine Lösung finden, damit die Eltern arbeiten können und die auch für die Kitas machbar sind. Das muss man individuell und vor Ort klären. Auch der Anspruch auf einen Halbtagsplatz mit vier Stunden war besprochen mit den Kitas. Es gibt den ganz klaren Wunsch, auch seitens der Eltern, ein Angebot für alle zu ermöglichen. Dem Wunsch sind wir nachgekommen. Und auf der anderen Seite müssen wir natürlich auch den Gesundheitsschutz der Beschäftigten im Blick haben. Das ist ein ganz schwieriger Spagat. Und das ist jetzt ein Kompromiss. Ich weiß, wie schwierig das für Erzieherinnen und Erzieherinnen und auch für die Kita-Träger ist

Kein guter, sagen die Kita-Träger. Die sagen: Wir kriegen diesen Spagat nicht hin.

Woher wissen Sie denn jetzt schon, dass die Träger das nicht hinkriegen? Ich gucke mir jeden Tag die Zahlen an. 40 Prozent der Eltern haben derzeit einen Betreuungsbedarf gegenüber den Kitas angekündigt. 20 Prozent nehmen ihn tatsächlich in Anspruch. Natürlich ist es sehr anstrengend, die stufenweise Öffnung zu organisieren. Aber das muss man gemeinsam hinbekommen. Ich habe erfolgreich dafür stark gemacht, dass die Finanzierung Kitas durchgängig weiterläuft und die Erzieherinnen und Erzieher somit ihr volles Gehalt bekommen können. Ein Grund dafür war auch, dass wir den Betrieb schnell wieder hochfahren können.

Es gibt ja offenbar bei vielen Menschen das Gefühl, die Politik erklärt mir nicht gut genug, wo sie hin will – siehe die wachsende Zahl der Demonstranten gegen die Corona-Verordnungen. Glauben Sie, dass die Menschen da draußen verstehen, was die Politik gerade macht – was Sie machen, in Ihrem Bereich?

Es gibt großes Verständnis dafür, dass wir in einer Ausnahmesituation sind, in der vieles unsicher ist. Gleichzeitig gibt es den Wunsch nach Entscheidungen seitens der Politik. Und wir entscheiden, jeden Tag. Unsere Krisenstabssitzungen dauern jeden Tag eineinhalb, zwei Stunden Minimum. Natürlich versuchen wir das dann auch zu kommunizieren, um möglichst transparent zu handeln.

Kommt das an, zum Beispiel bei den Eltern?

Wir schreiben Elternbriefe, zu Schul- und Kita-Themen. Natürlich ist es schade, wenn das dann hier und da nicht weitergeleitet wird. Wir twittern wahnsinnig viel. Da wird uns dann aber auch mal vorgeworfen, dass wir zu schnell informieren, dass wir erst die Eltern oder erst die Schulleitungen hätten informieren sollen und dann die Öffentlichkeit. Das ist ein Spannungsfeld, klar. Es ist eben alles anders.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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