Berliner SPD startet in den Wahlkampf: Steffen Krach sucht das Berlingefühl
Wieder Berlin. Das ist der Claim, mit dem die Berliner SPD das Rote Rathaus zurückerobern will. Vor drei Jahren hat sie es ohne Not geräumt.
Es muss eine wirklich tolle Stadt gewesen sein, die Steffen Krach vorgefunden hat, als er 2002 nach Berlin zog. „Eine unglaubliche Dynamik war da, Berlin war ein Zentrum der Kreativen und Mutigen. Jeder wollte dort hin.“
Krach, der nach seiner Zeit als Staatssekretär für Wissenschaft Berlin 2021 Richtung Hannover verlassen hat, will nun wieder zurück. Will für seine SPD das Rote Rathaus zurückerobern. „Wieder Berlin“, heißt der Wahlkampfclaim, den die SPD am Mittwoch im Kreuzberger Lido vorgestellt hat.
Für das Berlingefühl, das Wegner als Regierender Bürgermeister verantwortet, findet Steffen Krach wenig freundliche Worte. Berlin sei eine Stadt, in der sich Verzagtheit breit gemacht habe. „Der Mut und die Dynamik sind der Stadt abhandengekommen“, sagt der 46-Jährige. „Deshalb wollen wir dahin wieder zurück.“
Ein „Wieder“ also. „Wieder Berlin mit Steffen Krach“ oder, wahlweise, „Wieder handeln statt hadern“, „Wieder Eintracht statt Egoismus“ oder „Wieder Zukunft ohne Zaudern“. Ein Claim mit viel Gestaltungsspielraum für Plakatkünstlerinnen auch. Warum nicht ein „Nie“ vor das „Wieder“? Oder ein „Schon“?
Fragen wie diese muss sich auch Steffen Krach gefallen lassen, auch wenn er als Weggezogener, der nach Berlin zurückkommen möchte, nicht in sozialdemokratische Sippenhaft genommen werden kann. Dennoch die Frage: Herr Krach, warum wieder ins Rote Rathaus, wo die SPD es 2023 ohne Not selbst geräumt hat?
Noch mehr Haustürwahlkampf
Steffen Krach lächelt, sagt dann, dass die CDU 2023 zehn Prozent vor der SPD und den Grünen gelegen habe. Der Wählerwille also. Deshalb Große Koalition mit der SPD als Juniorpartnerin. „Aber das ist drei Jahre her“, sagt Krach und versucht Zuversicht auszustrahlen. „Wir wollen nicht nur vor der Linken und den Grünen liegen. Wir wollen auch vor der CDU sein.“
Vor allem Kai Wegner geht der Spitzenkandidat der SPD an. Als einer, der kein Senatorenamt innehat, muss er keine Rücksicht nehmen. Spricht von „Ambitionslosigkeit“ im Roten Rathaus, zum Beispiel bei der Bewerbung Berlins um die Expo oder die Olympischen Spiele. „Wer soll ins Rote Rathaus einziehen, um den Mut in diese Stadt zurückzubringen?“, fragt Krach. „Darum geht es in den nächsten 190 Tagen.“
„Ab jetzt ist Crunchtime, jetzt geht es um alles“, beendet Krach die Veranstaltung, bei der auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (die das Rote Rathaus geräumt hat), Fraktionschef Raed Saleh und Krachs designierte Co-Landesvorsitzende Bettina König etwas sagen durften.
Und dann macht Krach, der von sich behauptet, alles, was er als Politiker in Berlin und Hannover versprochen hat, auch eingelöst zu haben, ein neues Versprechen. „Wir werden die Linken beim Haustürwahlkampf übertrumpfen“, kündigt er an. „Wir werden am Ende des Wahlkampfs 500.000 Haustüren besucht haben.“
Schon jetzt weiß Krach angeblich, was bei diesen Gesprächen auf die Genossinnen und Genossen zukommen wird. „Ich habe bereits alle 78 Wahlkreise besucht“, sagt er nicht ohne Stolz. „Und dabei habe ich das gespürt, dass viele dieses Gefühl wieder zurückhaben wollen. Der Mut soll wieder zurück nach Berlin und der Aufbruch.“
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