Berliner Landesregierung lockert weiter: Saubere Klos dank Corona

Senat beschließt vollen Schulbetrieb ab 10. August. Die 1,5-Meter-Regel gilt dort dann nicht. Putzkräfte sollen bleiben. Kita-Vollbetrieb ab 22. Juni.

Schüler melden sich mit dem erhobenen Finger

Endlich wieder da! Nach den Ferien sollen es wirklich alle SchülerInnen sein Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

BERLIN taz | Berlins Schüler sollen nach den Sommerferien, also am 10. August, wieder vollen Unterricht wie vor der Coronakrise haben. Das hat der rot-rot-grüne Senat am Dienstag beschlossen. Noch vor den in zwei Wochen startenden Ferien damit zu beginnen, „lohnt sich einfach nicht mehr“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach der Senatssitzung vor Journalisten. Gleiches gilt auch für Brandenburg. Um wieder ganze Klassen und Kurse unterrichten zu können, soll der derzeit vorgeschrieben Mindestabstand von 1,5 Meter in Schulen fallen. Diese Regel wie jetzt in Thüringen gänzlich aufzuheben, ist laut Scheres derzeit nicht geplant: „Das haben wir noch nicht vor.“ In zwei Wochen zuvor wolle der Senat die Lage erneut überprüfen.

„Die Eltern können es nur schwer nachvollziehen, dass wir in vielen Bereichen lockern, aber das Kita- und Schulsystem noch nicht wieder voll am Start ist“, begründete Scheeres den Beschluss. Derzeit gibt es nur stark verkürzten Präsenzunterricht in den Schulen in geteilten Klassen, parallel jeweils nur für bestimmte Jahrgänge. In den Kitas gab es lange nur eine Notbetreuung, die vergangene Woche nach Senatsangaben 73 Prozent der Kinder erreichte.

Draußen vor dem Roten Rathaus hatten zuvor Eltern demonstriert und vollen Schulbetrieb gefordert, in Kreide standen ihre Forderungen vor der Zufahrt, über die später die Senatsmitglieder das Gebäude verließen: Recht auf Bildung für Kinder und für die Eltern die Möglichkeit, wieder arbeiten gehen zu können.

Den Vollbetrieb an den Schulen hält Scheeres auch mit weniger Lehrern als vor der Coronakrise für möglich, weil sie eine Überausstattung mit Lehrern sah. Diese Aussage überraschte angesichts der Lehrer-Notstand-Debatte früherer Monate. Der Senat hat die Vorgabe geändert, pauschal alle über 60-Jährigen Lehrer als Risikogruppe einzustufen und diese nun zurück an die Schule gerufen, falls keine Vorerkrankung per Attest nachgewiesen ist. Aktuell sind laut Scheeres allerdings nur 85 bis 90 Prozent „wieder an Bord“. Die vorerkrankten Lehrer im Homeoffice will Scheeres stärker einbinden, etwa in Tandems mit Schülern, die wegen zu starker Coronagefährdung ebenfalls zu Hause sind.

Plan B für „dramatische Veränderung“

Eher nebenbei erwähnte Scheeres eine positive Nebenwirkung der sonst so gefährlichen Pandemie: Sauberkeit und Hygiene sind durch Corona in den Schulen weit wichtiger als früher geworden, als Schüler oft über dreckige Klos klagten. Und das soll sich nicht erneut ändern. „Die zusätzlichen Reinigungskräfte werden bleiben“, versprach die Senatorin.

Für den Fall einer „dramatischen Veränderung“ der derzeit positiven Corona-Entwicklung, gibt es Scheeres bereit seinen Plan B. Der sieht vor, die Schulen nicht erneut komplett zu schließen, sondern den Präsenzunterricht mindestens zur Hälfte aufrecht zu halten.

In den Kitas soll die Rückkehr zum Normalbetrieb ab dem 15. Juni beginnen, ab dem 22. soll es den vollen Betreuungsanspruch geben, ab dem 1. August erwartet Scheeres, „dass wir wieder ein stabiles Kita-System haben“. Jetzt gehe es darum, „dass sich alles wieder zurecht ruckelt“.

Aus der Wirtschaft gab es spontan Lob für die Senatsentscheidung: „Die Rückkehr zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas ist eine gute Nachricht“, sagte der Chef der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg, Christian Anmsinck, „die Unternehmen und ihre Beschäftigten sind auf verlässliche Betreuungszeiten angewiesen, um sich voll auf den Neustart konzentrieren zu können.“ Auch die sonst höchst Scheeres-kritische FDP-Fraktion begrüßte den Senatsbeschluss.

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