piwik no script img

Belarus im UkrainekriegLukaschenko spricht von Deeskalation

Er habe seine Truppen von der Grenze zur Ukraine teils zurückgezogen, sagt der belarussische Präsident. Kyjiw fordert er zu Verhandlungen auf.

Bernhard Clasen

Aus Kyjiw

Bernhard Clasen

Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko sieht Anzeichen einer Entspannung zwischen Belarus und der Ukraine. Bei einem Besuch in der Grenzregion erklärte er, Nachrichtendienste hätten ihm berichtet, dass die Ukrainer „nach unserer Arbeit“ Truppen in einer Stärke von mehreren Tausend Personen von der Grenze abgezogen und sich generell aus dem Grenzgebiet zurückgezogen hätten. In der Folge habe auch er die belarussischen Truppen, die wegen der Spannungen zusätzlich in die Region disloziert worden seien, zurückgezogen.

Diese Entwicklung an der Grenze, so zitiert ihn das russische Portal lenta.ru, hätte gezeigt, dass man sich einigen könne. Lukaschenko betonte, wie wichtig es sei, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Auch in der Ukraine gebe es, selbst unter den Militärs, viele vernünftige Menschen. Auch die Russen, so Lukaschenko, seien zu Verhandlungen bereit. Doch die Ukrainer kämpften, weil sie von der Nato angestachelt würden.

Beim ukrainischen Grenzschutz sieht man allerdings wenig Grund für Euphorie. Lukaschenko habe eine Bedrohungslage entschärft, die er selbst geschaffen habe, meinte ein Sprecher. Beim staatlichen ukrainischen Zentrum gegen Desinformation sieht man derweil nach wie vor Gefahren an der ukrainisch-belarussischen Grenze. Diese würden von Belarus ausgehen, hielten sich dort doch russische Sabotagetrupps auf.

Während Lukaschenko von Deeskalation spricht und Verhandlungen fordert, gehen die Angriffe auf die Ukraine weiter. Allein vergangene Woche habe Russland auf die Ukraine mehr als 700 Gleitbomben, 170 Kampfdrohnen und fast 80 Raketen abgefeuert, teilte der ukrainische Staatschef Selenskyj mit.

Indes besuchte am Wochenende Wjatscheslaw Gladkow, Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod, zum Teil schwerverletzte Ein­woh­ne­r:in­nen seines Gebietes, die ukrainischen Angriffen zum Opfer gefallen waren.

Unterdessen haben sich 51 Nobelpreisträger, unter ihnen die belarussische Schriftstellerin Switlana Alexejewitsch, Elfriede Jelinek und mehrere Friedensnobelpreisträger, in der russischen Zeitung Nowaja Gaseta für einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine sowie im Gazastreifen ausgesprochen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • "Kyjiw fordert er zu Verhandlungen auf."



    Moskau nicht? Nee, wieso auch.

  • In der internationalen Diplomatie wird es sicher eine andere Bedeutung haben als in der Bewertung lokaler Einsatzkräfte, wer wann und wie Truppen verschiebt und dadurch für eine etwaige Entflechtung oder gar eine initiale Deeskalation sorgt. Vielleicht ist im Hintergrund ein "Hinterzimmer-Orbán-Faktor" nicht ganz unbegründet zu unterstellen. Die Ergebnisse zählen, auch wenn einige Protagonisten hierzulande weniger Sympathien genießen, Gesprächskanäle offenhalten ist eine besondere Aufgabe.