BUND-Chef künftig in Umweltbehörde: Die Seiten gewechselt

BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch ist der wohl bekannteste Kritiker der Hamburger Umweltpolitik. Nun wechselt er in die Umweltbehörde.

Manfred Brraasch bei Anti-Kohle-Protest vor Hamburger Rathaus, hinter ihm ein rotes Transparent

Künftig mehr im Rathaus als vor dem Rathaus: Manfred Braasch Foto: Christian Charisius/dpa

HAMBURG taz | Es ist für ihn eine „persönliche Lebensentscheidung“. Manfred Braasch, der langjährige Geschäftsführer des Hamburger BUND, wechselt die Seiten. Der profilierte Kritiker der Umweltpolitik des Senats und speziell der Umweltbehörde wechselt in dieselbe. Ab Juli leitet der 57-Jährige die Geschäftsstelle des neu berufenen wissenschaftlichen Klimabeirats.

Das 15-köpfige Expertengremium hat sich im April konstituiert und soll den Senat beim Erreichen seiner Klimaziele unterstützen, indem er ihn bei der Umsetzung der rund 400 Maßnahmen berät, die im Hamburger Klimaplan festgelegt sind. Braasch soll nun Grundsatzfragen des Klimaschutzes beackern, die Arbeit des Klimabeirats koordinieren und auch öffentlich bekannt machen.

Sein neuer Chef, Umweltsenator Jens Kerstan (Die Grünen), freut sich bereits über die personelle Verstärkung: „Manfred Braasch ist ein engagierter Klimaschützer mit Herz, ein hervorragender Kenner der Klimapolitik, der in Hamburg alle wesentlichen Akteure kennt.“

Das tut der gelernte Drucker und Ökotrophologe. Als Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz, dem er in Hamburg seit 25 Jahren vorsteht, war er das Gesicht und einer der Sprecher der erfolgreichen Volksinitiative für den Rückkauf der Energienetze („Unser Hamburg – unser Netz“) und unterstützte aktiv den ebenfalls durchschlagenden Protest gegen die Ausrichtung Olympischer Spiele in Hamburg.

Der heimliche Oppositionsführer

Die Welt bezeichnete ihn deshalb wechselweise als „mächtigsten Gegenspieler des Bürgermeisters“ oder als den „wahren Oppositionsführer“.

Zudem initiierte Braasch, der in Lüneburg wohnt und in seiner Freizeit Krimis mit Hamburger Lokalkolorit schreibt, Verbandsklagen gegen die Elbvertiefung, die er damit verzögern konnte. Er stritt für die Luftreinhaltung, kritisierte die Hafen- und die Flughafenerweiterung aber auch die Verkehrspolitik des Senats.

Auch sein Engagement gegen das Kohlekraftwerk Moorburg war letztendlich erfolgreich. Den Hamburger Klimaplan, zu dessen Umsetzung er jetzt beitragen soll, bezeichnete Braasch als „unzureichend“. Er forderte „Nachbesserungen“.

Für die kann er jetzt selber mit sorgen. „Da ist Musik drin“, sagt er heute und bewertet den Klimaplan damit etwas positiver als noch vor Monaten. Nachdem er sich seit 1996 als Öko-Generalist beim BUND an jedem Thema abgearbeitet habe, das der Umweltschutz so biete, freue er sich „nun vertieft am Klimaschutz, der mir sehr am Herzen liegt, zu arbeiten“.

Braasch reizt es, bei der Umsetzung des Klimaplans „was zu reißen“

Wer beim BUND seine Aufgaben übernimmt, steht noch nicht fest – die Stelle wird erst noch ausgeschrieben. Beim Landesverband der Umweltorganisation haben die Mitglieder Ende vergangenen Jahres die frühere Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Blömeke zur neuen Vorsitzenden gewählt, die in der Öffentlichkeit wesentlich aktiver wirkt als ihre Vorgängerin Maren Jonseck-Ohrt.

Dass das Zusammentreffen zweier Alpha-Tierchen an der BUND-Spitze etwas mit seinem Abgang zu tun habe, dementiert Braasch allerdings. Ihn reize es, bei der Umsetzung des Hamburger Klimaplans „was zu reißen“.

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