: „Authentizität ist für’n Arsch“
Für Schriftsteller Feridun Zaimoglu bedeutet Schreiben einen Bruch mit der Wirklichkeit, jedes Buch einen Neuanfang. Ein Gespräch über türkische Trauer, einfache Antworten und warum er nichts auf Identität gibt
Von Amanda Böhm (Gespräch) und Kaja Grope (Foto)
Feridun Zaimoglu bietet an einem kalten Vormittag in seiner Kieler Wohnung Kaffee, Wasser und warme Socken an. Und Weingläser, die er aussortiert hat, weil er keinen Alkohol mehr trinkt. Zaimoglu lebt alleine, an jede Wand hat er Bücherregale montiert. Wir setzen uns in sein Arbeitszimmer, auf dem Schreibtisch steht eine Schreibmaschine mit einem Text, der noch nicht fertig ist. Zaimoglu hat im vergangenen Jahr den Roman „Sohn ohne Vater“ veröffentlicht, in dem der Ich-Erzähler den Tod des Vater verarbeitet. Ich frage ihn, wie viel Zeit er für das Interview hat. „Wir reden, bis wir fertig sind“, sagt er. Es werden vier Stunden.
taz: Herr Zaimoglu, haben wir verlernt zu trauern?
Feridun Zaimoglu: Ach, in der deutschen Gesellschaft haben wir schon ein sehr gesundes Verständnis von Trauer. In Deutschland zeigt man sich selbst und anderen, dass man am Leben hängt. Man ist so tapfer, dass man mit seiner Trauer die Menschen nicht belästigen möchte. Das ist eine besondere Form der Tapferkeit, finde ich.
taz: In Ihrem Buch „Sohn ohne Vater“ geht es um einen Mann aus Kiel, der nach dem Tod seines Vaters in die Türkei reist, um an dessen Grab zu beten. Der Protagonist sagt, Trauer mache ihn türkisch. Was ist damit gemeint?
Zaimoglu: Oft beginne ich das Schreiben mit einzelnen Sätzen, die mir so in den Sinn kommen. Dieser Satz war einer davon. Der Ich-Erzähler will den Tod seines Vaters nicht wahrhaben. Er ist ein Mensch, der von emotionalen Anwandlungen nichts wissen möchte. Doch jetzt trauert er und diese Trauer macht ihn türkisch: Er wird dramatisch, muss schluchzen, verliert jede Orientierung. Es ist vorbei mit der Stabilität. Er wird herauskatapultiert aus dem eigenen Leben. Aber er möchte wieder untürkisch werden. Das Südländische ist ihm nicht ganz geheuer. Oft genug aber auch aus Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in dem südländischen Land, in dem er sich dann aufhält.
taz: Die Reise in die Türkei ist eine Reise ins Ausland für ihn, oder?
Zaimoglu: Genau. Es ist das Land seiner Eltern. In dieser Hinsicht ist mir der Ich-Erzähler sehr ähnlich, weil er diese Reise nicht missversteht als die Suche nach den eigenen Wurzeln. Bäume haben Wurzeln, Menschen nicht. Ich gebe gar nichts auf Identität. Das halte ich wirklich für sehr langweiligen Kram. Für Zeitvergeudung.
taz: Anlass des Romans war der tatsächliche Tod Ihres Vaters vor dreieinhalb Jahren. Wie haben Sie damals getrauert?
Zaimoglu: So eine Trauer ist anstrengend, es brennt in einem ein kaltes Feuer. Ich kam mir vor wie eine Kunstfigur. Die Trauer wollte und wollte nicht verklingen. Und das war nicht gut. Ich hatte das Gefühl, mir fällt vom vielen Heulen echt das Gesicht ab, es fällt mir vor die Füße und zerspringt. Alles war mir verleidet. Ich dachte: Was ist, wenn mein Vater nicht mehr da ist? Ich bete jeden Tag für seine Seele, weil ich gläubig bin. Ich bin linksradikal und Moslem. Ich frage mich selbst, wie das zusammenpasst. Es ist seltsam.
taz: Sie betonen in Interviews, dass das Schreiben des Buches keine Trauerbewältigung war. Gleichzeitig haben Sie ja sehr real um Ihren Vater getrauert.
Zaimoglu: Es ist mir unmöglich zu schreiben, wenn ich traurig werde. Ich bin dann rausgegangen, bin durch die Straßen geirrt und habe mich mit Büchern belohnt. Es gibt hier in Kiel so einige Antiquariate. Hauptsache, weit weg von der eigenen Geschichte. Gefühle sind beim Schreiben kontraproduktiv, sie sind schlimm.
taz: Machen Gefühle Texte nicht authentisch?
Zaimoglu: Authentizität ist für’n Arsch. Die Wirklichkeit ist wirklich öde. Ich brauche neben dem wirklichen Leben ein zweites: das Schreiben. Im Grunde genommen ist es das, was mich erlöst, was mich befreit. Ich kann niemals, niemals nur über mich schreiben. Diese ganze sogenannte Selbstverwirklichung ist mir ein Gräuel. Eine Wurst verwirklicht sich und wird zu Wurst. Aber ich, ich will mich nicht selbst verwirklichen, ich muss weg von mir, so weit weg wie möglich. Realität verengt die Räume.
taz: Sie kann auch inspirieren.
Zaimoglu: Die deutsche Gegenwartsliteratur leidet so in der Gegenwart. Schriftsteller, die ihre Wirklichkeit zu Papier bringen wollen: Wen interessiert das? Ich lese das und denke: Junge, echt Scheiße. Wirklich langweilig. Sprache stimmt nicht, Rhythmus stimmt nicht, kein Klang, kein Gefühl. Gar nichts stimmt. Aber du wolltest unbedingt irgendwie deine Geschichte erzählen. Für mich ist das Schreiben ein radikaler Bruch mit der Wirklichkeit. Das Schreiben bringt die Dekadenz, bringt den Schmutz mit.
taz: Das klingt anstrengend.
Zaimoglu: Schreiben ist ein tagtäglicher Kampf. Ich muss alles vergessen. Jedes Buch ist ein Neuanfang. Ich muss eine neue Sprache erfinden, sonst drehe ich durch.
taz: In Ihrem ersten Buch, „Kanak Sprak“ haben Sie eine Kunstsprache erfunden. Das Buch ist eine Sammlung von Interviews mit migrantischen jungen Männern. Sie betonen im Vorwort, dass vieles davon fiktiv ist und Sie nicht den Anspruch haben, die Realität wiederzugeben. Trotzdem wurde das Buch als Zeugnis migrantischer Wirklichkeit gelesen.
Zaimoglu: Lustig, oder? Und das nicht nur von Literaturkritikerinnen und -kritikern. Sondern auch von Türkisch- und Kurdischstämmigen, die sagten: Ja, stimmt, so sind wir.
taz: „Kanak Sprak“ wurde 1995, vor über 30 Jahren, veröffentlicht. Damals wurde es nicht nur gefeiert, sondern auch massiv kritisiert.
Zaimoglu: Man war mir böse, weil ich die zweite oder dritte Generation kritisierte, die türkischen und kurdischstämmigen Identitären, die auf die Herkunft gesetzt haben und sich als Diasporatürken oder Diasporakurden begriffen haben. Obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sind. Das Label „Kanak“ bedeutet eben nicht mehr Türke oder Kurde. Es bedeutet eine großstädtische Ausprägung. Doch man warf mir fehlende Authentizität vor.
taz: Und – wie authentisch sind Sie?
Zaimoglu: Gar nicht. Ich bin überhaupt nicht authentisch. Darum geht es ja. Ich wurde zum Apostel einer harten Wirklichkeit, und das gefiel mir.
taz: Warum gefiel Ihnen das?
Zaimoglu: Weil diese überzuckerte Gastarbeiterliteratur mit dieser angeblichen Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen eine einzige widerwärtige, stinkende Lüge war. Und es gefiel mir, dass man mich als Spielverderber sah. Als hätte ich gewissermaßen einen donnernden Darmwind entlassen: Ich kritisierte den Multikulturalismus. Multikulturalismus, das ist die friedliche Koexistenz der Speisekarten. Es steckt nichts dahinter.
taz: Was ist gegen die friedliche Koexistenz von Speisekarten zu sagen?
Zaimoglu: Diese Multikulturalisten, die Zugehörigkeit nach einem vermeintlichen Kulturkreis erklären, können beim Karneval der Kulturen am Straßenrand stehen und grinsend Fähnchen schwenken. Der Karneval der Kulturen, was für eine kitschige Veranstaltung! Aber jeder nach seiner Fasson. Ich würde eher zum Punkkonzert gehen.
taz: Warum hat Ihre Kritik am Multikulturalismus und an der Identitätspolitik Menschen so wütend gemacht?
Zaimoglu: Die Konservativen waren sauer, denn was liebt der Konservative? Er liebt starre Bilder: der Türke, der Kurde, der Russe, der Deutsche. Und ich wurde den Konservativen zum Albtraum, sowohl den deutschen als auch den identitären Türken oder Kurden. Weil ich auf Identität pfiff. Man hat mich beschimpft, meine Bücher haben sich überhaupt nicht verkauft. Meine armen Verleger sind auf Buchmessen gegangen, aber ich wurde nicht eingeladen.
taz: Das hat sich dann geändert.
Der Autor
Zaimoglu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren und verbrachte die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens in München, Berlin und Bonn. Sein Studium in Kiel brach er ab, um Schriftsteller zu werden. Sein Debütroman „Kanak Sprak“ (1995) wurde erst ignoriert und dann breit medial diskutiert.
Die Texte
Er hat etliche Preise für seine Bücher, Essays und Theaterstücke bekommen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Leyla“ (2006), „Liebesbrand“ (2008) und „Evangelio“ (2017). Sein letzter Roman „Sohn ohne Vater“ (2025) stand auf der Longlist des deutschen Buchpreises.
Zaimoglu: Ja, irgendwann lud man mich ein ins Fernsehen. Ich war so naiv zu glauben, ich gehe zu dieser Talkshow und es geht um die Sache. Aber man hat jedes Mal Kleinholz aus mir gemacht.
taz: Die SPD-Politikerin Heide Simonis hat Ihnen 1998 bei „3 nach 9“ vorgeworfen, Sie würden mit dem Buch der Integration schaden. Wolf Biermann hat in derselben Talkshow die Befürchtung geäußert, Sie seien gar kein „echter“ Kanake.
Zaimoglu: Ein Mann, den ich nie überschätzt habe. Ich war fix und fertig nach jeder Talkshow. Ich habe das viel zu lange mitgemacht. Habe zu spät begriffen, dass ich im Grunde genommen zum Ethno-Trottel geworden bin. Ich war lange Zeit der Prügelknabe, eine Klischeefigur. Das war natürlich pure Berechnung der Talkshows: Man braucht Figuren, auf die man eindrischt.
taz: Wird Ihre Literatur noch immer instrumentalisiert?
Zaimoglu: Hunderte Male hat man mich, einen Moslem, mit meinem Buch „Evangelio“ in Kirchen, Klöster, Kapellen eingeladen. Das ist eine schräge Geschichte, die ich mag. Man hat mich dann nach den Lesungen immer für einen radikalen Evangelisten, für einen radikalen Christen gehalten. Ich habe da nichts zu gesagt. So sollte es bleiben. Mit dem Hitlerbuch sind Nazis gekommen, mit „Kanak Sprak“ Kriminelle, die gesagt haben „Bro, so sind wir“. Ich denke da: Ich bin nicht Hitler, ich bin nicht Luther, ich bin kein Kanakenkrimineller …
taz: Sie sind auch keine Frau. Trotzdem haben Sie das Buch „Die Geschichte der Frau“ geschrieben.
Zaimoglu: Da zum Beispiel war ich ein bisschen verletzt. Es kamen Vorwürfe von Radikalfeministinnen, dass ich als Mann nicht das Recht einer solchen kulturellen Aneignung habe. Ich sei ein Wolf im Schafspelz. Wie bescheuert ist das denn, dass man das auch noch als progressiv verkauft? Die Selbstbeschränkung! Also ein Türke hat nur über seine türkischen Belange zu schreiben? Mit den Mitteln der Sprache und der Literatur kann man entweder gut oder schlecht mit seiner Identität auf dem Papier brechen. Und das ist nicht nur zulässig, das sind die Gesetze der Literatur. Nur so geht’s.
taz: Sind Sie es nach drei Jahrzehnten nicht irgendwann müde, diese Debatten zu führen?
Zaimoglu: Niemand zwingt mich, Bücher zu schreiben. Ich könnte auch sagen: keine Lust, ich verweigere mich dem Gespräch. Aber das will ich nicht. Der Kampf geht halt weiter. Ich werde bei anderen Sachen müde.
taz: Zum Beispiel?
Zaimoglu: Zum Beispiel, wenn ich als Leser wieder ein identitätspolitisches Buch aufschlage und eine langweilige Türkengeschichte lese. So brutal langweilige Geschichten von jungen Menschen, die sich als Rächer und Rächerinnen der ersten Generation aufführen. Völlig privilegiert, hier lebend. Ich werde erst müde und dann wütend, wenn sich diese Leute inszenieren als Supertürken, obwohl sie Deutsche sind. Sie sollen sich nicht mit fremden Federn schmücken, den Federn der ersten Generation. Denn wenn diese Supertürken in das Land ihrer Eltern gehen, fallen sie so was von auf. Da heißen die dann Deutschländer.
taz: Identität wird auch durch die gesellschaftliche Brille konstruiert, durch die man betrachtet wird. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft macht sie zu Türken.
Zaimoglu: Für einen Moment, ja. Aber wenn man plötzlich anfängt zu faseln von der türkischen Identität, obwohl man hier geboren und aufgewachsen ist, obwohl die Empirie dagegenspricht, ist das eine ideologische Festlegung. Eine sehr plumpe Selbstinszenierung, ein Schauspiel. Wenn ich sage: „Ich bin deutsch“, dann rümpfen verschiedene Leute die Nase. Die echten Deutschen lachen darüber. Nach dem Motto: Du doch nicht. Und ich muss dann selber auch grinsen. Mit dem Gesicht, mit dem Namen, mit der Biografie? „Nein, eben wegen dieser Biografie“, sage ich dann. Die Türken sagen: „Du nennst dich zwar deutsch, aber die echten Deutschen pfeifen auf dich.“ Als würde ich meine sogenannte Zugehörigkeit vom Urteil anderer Menschen abhängig machen. Wo kämen wir denn da hin? Mir ist die soziale Kontrolle so was von scheißegal. Dann würde ich nette Bücher schreiben.
taz: Der Diskurs um Migration und Identität hat sich seit „Kanak Sprak“ verändert. Die Rechten sind stärker geworden.
Zaimoglu: Sie werden immer stärker. Der Diskurs aber ist so, wie er ist, weil die linken und linksalternativen Linksliberalen so bescheuert sind, bei jeder Wahl auf die rechte Partei einzudreschen. Statt sich die Frage zu stellen: Wieso sind uns unsere Wählerinnen und Wähler abhandengekommen? Ganz klare Antwort: wegen der Scheißakademisierung. Wenn du so redest, wie du redest, Mädchen oder Junge, dann will kein Angestellter, kein Arbeiter deinem Geschwafel zuhören. Du fühlst dich zwar mit deinesgleichen, mit Latte-macchiato-Säufern, aber du lebst in einer Blase. Multikulturalisten leben in einer Blase, weil die Arbeiterklasse stinkt.
taz: Das klingt abwertend.
Zaimoglu: Die Arbeiterklasse stinkt. Das sage ich als einer, der der Arbeiterklasse entstammt. Diese schiefen Bilder der Multikulturalisten, damals kam man mit noch bescheuerteren Wörtern wie „Weltbürger“ und ,„kosmopolitisch“. Hauptsache, nicht in die Ebenen der vielen Wirklichkeiten begeben, die spannender waren. Das ist die Lieblingsbeschäftigung der Linksalternativen: auf die Nazikacke, auf die Rechten eindreschen, um sich nicht mit dem eigenen Blödsinn zu beschäftigen. Man möchte sich nicht hässlichen Verhältnissen aussetzen.
taz: Sondern?
Zaimoglu: Linksliberale Multikulturalisten erzählen einer Kik-Kassiererin, wieso sie, wenn sie die rechte Partei wählt, falsch liegt. Und hören sich nicht die viel interessanteren Worte an. Nämlich die der Kassiererin, die ihnen erzählen würde, warum sie falsch liegen. Damit wollen sie sich nicht befassen. Vielfalt statt Einfalt, was ist das denn für eine hohle Scheiße? Sie gehen immer noch mit diesen völlig abgehalfterten Parolen hausieren und wundern sich über den Zuwachs von rechten Parteien.
taz: Sie meinen, dass zu wenig über Klasse gesprochen wird?
Zaimoglu: Die Linke hat sich von der Klassenfrage verabschiedet. Also verabschieden sich die einfachen Menschen auch von der Linken. So einfach ist es. Beschäftige dich doch mal mit der Mikroökonomie in einem Türkenviertel. Beschäftige dich doch mit denen, die in Hochhäusern wohnen. Mit der deutschen Kik-Verkäuferin. Scheiß auf „Kanak Sprak“, das sind doch die viel spannenderen Geschichten! Diese Leute wählen aus Trotz die rechte Partei, weil die sich der Klassenfrage stellt.
taz: … und sehr fragwürdige Antworten gibt.
Zaimoglu: So sind die Rechten halt. Lesen Sie doch mal die völlig hirnrissigen Auslassungen von Uwe Tellkamp. Auf rechte Literatur ist Verlass. Wenn man so ideologisch festgelegt ist, verliert man das Gefühl für die Sprache. Aber das sind keine dämlichen Leute. Es ist so eine stumpfe Angewohnheit, den Rechten Blödheit zu unterstellen, weil man selber ja so klug ist. Nein, man ist noch dämlicher, weil man sich der Klassenfrage entzieht. Rechte geben einfache Antworten, ja. Aber wenn man sich bei den Linken umhört, sind das auch nicht hochkomplexe Sachverhalte. Das sind auch hohle, einfache Antworten.
taz: Sie kritisieren Intellektualismus und Akademisierung. Das ist gar nicht so weit weg von rechter Kulturtheorie.
Zaimoglu: Man muss auf die Verhältnisse schauen und den Missstand benennen. Ich habe nichts gegen Intellektualismus, ich könnte ohne Bücher nicht leben. Aber ich habe was gegen Leute, die ihren Intellekt ausspielen, die politische Parolen schmettern. Ich helfe den Armen, obwohl ich nicht zu den Reichen gehöre. Oft genug stehe ich da und mache mir große Sorgen um den nächsten Monat. Aber ich muss helfen, denn sonst ist man ein Schwätzer.
taz: Auf Ihrer Website steht: „Die Türkei ist das Heimatland seiner Eltern. Für ihn, Feridun Zaimoglu, ist es jedoch Deutschland – und seine Heimatstadt ist Kiel.“ Warum Kiel?
Zaimoglu: In Kiel wird einem nichts geschenkt. Man muss sich selber seine Utopie erkämpfen. Und das gefällt mir daran. Es gibt schönere Städte. Aber mir geht es nicht um Schönheit. Hier geht meine Unruhe nicht verloren. Ich bin ein unruhiger Mensch, und ich möchte nicht zur Ruhe kommen.
Amanda Böhm, Jahrgang 1997, schreibt als freie Autorin für die taz. Sie kannte Kiel vor dem Treffen nicht, aber die Trauer um den verstorbenen Vater. Sie besitzt einige von Zaimoglus Büchern und seit Neuestem auch einige seiner Weingläser.
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