Auswirkungen von Tempo 30

Vier Prozent sind erst der Anfang

Tempo 30 reduziert gesundheitsschädliche Stickoxide nur im geringem Maß. Dennoch ist es keine gescheiterte Symbolpolitik von AutogegnerInnen.

Fußgänger überquert die Leipziger Straße in Berlin

Bei Tempo 30 kann Mensch auch mal gemütlich über ne Hauptstraße gehen… Foto: dpa

BERLIN taz | Für viele AutofahrerInnen ist die Einführung von Tempo 30, wo sonst 50 Stundenkilometer gefahren werden durften, eine massive Veränderung im Straßenverkehr; manche fühlen sich gar in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Wenn dann eine Studie wie aktuell die der Senatsverwaltung für Verkehr ergibt, dass die damit erwünschten Wirkungen in Sachen Umweltschutz gering sind, wird schnell die Geschwindigkeitsreduzierung an sich infrage gestellt. Doch das Gegenteil ist richtig.

Denn nicht nur für viele AutofahrerInnen stellt Tempo 30 auf Hauptstraßen eine große Veränderung dar, sondern auch für andere, oft marginalisierte VerkehrsteilnehmerInnen wie FußgängerInnen oder RadlerInnen. Für sie bedeuten langsamer fahrende Autos eine fulminante Verbesserung der Stimmung auf der Straße insgesamt. Für alle Verkehrsteilnehmer verbessert sich das individuelle Sicherheitsempfinden.

Wenn also eine Untersuchung der Senatsverwaltung ergibt, dass bei gleichem Verkehrsaufkommen Tempo 30 auf der Leipziger Straße im Jahresschnitt lediglich für vier Prozent weniger gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) sorgt, mag das zuerst nach gescheiterter Symbolpolitik von AutogegnerInnen klingen. In Wirklichkeit ist es jedoch ein Zeichen dafür, dass noch viel härtere Schritte und Schnitte nötig sind.

Denn erstens bedeutet das Ergebnis der Auswertung, dass eine Maßnahme allein nicht ausreicht, um die von der EU vorgeschriebenen und von Gerichten geforderten Grenzwerte einzuhalten. Weiterhin sind viel zu viele Dreck produzierende Autos unterwegs. Daran müssen zweitens offenbar noch viel mehr Menschen als bisher erinnert werden, damit sie auf den öffentlichen Nahverkehr, Fahrgemeinschaften oder das Rad umsteigen.

Schließlich dürfen drittens solche Einschränkungen nicht nur aus Sicht der direkt Betroffenen gesehen werden, sondern auch aus Sicht der indirekt Betroffenen. Und da kann es nur heißen: Tempo 30 stadtweit, plus weniger Parkplätze und mehr Radwege … Vier Prozent sind erst der Anfang.

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Jahrgang 1974, ist Leiter der Berlin-Redaktion der taz. Zuvor war er viele Jahre Chef vom Dienst in dieser Redaktion. Er lebt seit 1998 in Berlin und hat Politikwissenschaft an der Freien Universität studiert.

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