piwik no script img

Ausschluss vom BuchhandlungspreisDie Jury steht zu allen 118 Buchhandlungen

Die Fachjury des Buchhandlungspreises hat sich zu Wort gemeldet. Sie kritisiert Weimers Entscheidung vehement, drei linke Buchhandlungen zu streichen.

Der Buchladen „Rote Straße“ in Göttingen Foto: Stefan Rampfel/dpa

Der Protest rund um den Buchhandlungspreis geht weiter. In einem öffentlichen Statement hat sich die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 von dem Ausschuss dreier Buchhandlungen distanziert. Diese besteht aus drei Bran­chen­ver­tre­te­r*in­nen vom Wagenbach Verlag, Aufbau Verlag sowie Palomaa Publishing, einem Literaturkritiker, einer Journalistin sowie einer Vertriebsleiterin. Ein siebtes Jurymitglied war bereits im Vorfeld aus persönlichen Gründen von dem Amt zurückgetreten.

Die Jury hatte die 118 in­ha­be­r*in­nen­ge­führ­ten Buchhandlungen vorgeschlagen, da diese „in besonderer Weise eine Verbindung aus kultureller Verantwortung und gesellschaftlichem Engagement“ verkörpern, heißt es in dem Statement. Die Entscheidung, drei Buchhandlungen nachträglich von der Auszeichnung auszuschließen, traf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Die Jury steht nun aber nach wie vor hinter ihrer Auswahl. Sie habe die drei Leerstellen bewusst nicht noch einmal neu besetzt, um „eine sichtbare Lücke zu lassen“. Von dem dabei angewandten Haber-Verfahren distanziere sie sich ausdrücklich.

Von dem angewandten Haber-Verfahren distanziert sich die Jury ausdrücklich

Das 2017 erlassene Haber-Verfahren ermöglicht es sämtlichen Ministerien, den Verfassungsschutz zu konsultieren, bevor Fördergelder an zivilgesellschaftliche Organisationen vergeben werden. Im Falle des Golden Shop und der Buchläden Zur schwankenden Weltkugel und Rote Straße sollen „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorliegen – welcher Art diese sind, wird nicht genauer definiert. Laut eines Berichts von Radio Bremen sollen im Falle des „Golden Shop“ bereits Links auf der Website sowie Sprüche auf der Fassade dafür ausreichen. Gegenüber der taz wollte der Verfassungsschutz dies weder bestätigen noch dementieren.

Der Ausschluss wurde von vielen als Einschnitt in die Kunst- und Kulturfreiheit gewertet. Diesen Diskurs begrüßt die Jury, „da es hier um die Klärung grundsätzlicher demokratischer Belange geht“. Schließlich seien Buchhandlungen „Orte der Meinungsbildung und der gelebten Meinungsfreiheit“.

Mechthild Röttering, eine der In­ha­be­r*in­nen des Göttinger Buchladens „Rote Straße“, freut sich über das öffentliche Statement: „Ich weiß es zu schätzen, dass die Jury eine so klare Position bezieht.“ Die drei betroffenen Buchhandlungen wollen gegen den Ausschluss klagen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

14 Kommentare

 / 
  • Hr Weimer war nach dem Eklat um die Berlinale gewarnt.

    Aber er hat seinen Kulturkampf munter weitergetrieben.



    Weil er es will.



    Weil er es kann.



    Weil er sich sicher fühlt mit der ganzen neurechten deutschen Presse & Parteienlandschaft im Hintergrund.

    Deutschland war mal ein Kulturort, den renommierte internationale Künstler*Innen gerne gesucht haben. Besonders auch Berlin.

    Er hat zweifelsohne seinen Anteil daran, das unser Land zukünftig von eben diesen Künstler*Innen gemieden werden wird.

    Das verpasst uns ein ganz neues, aber altbekanntes Image...

  • Weimer muss gehen, das ist ja wohl klar. Im Übrigen würde nun passen, mehr Aufklärung zu den NS Kontinuitäten zum VS hin - gerne auch literarisch - zu machen, dafür ist Kultu ja da: für Aufklärung gegen Faschisierung, oder sind wir schon nicht mehr in einer Demokratie ? Weimer möchte gerne Trump gehorchen, aber dazu sollte er in die USA übersiedeln. Merz hat in Davos behauptet der MAGA Kulturkampf sei nicht unserer, das klang gut, war aber zu befürchtenm, dass er es nicht so ganz ernst meinte. Die Buchhändler sind Zivilgesellschaft und die kann sehr wohl Demokratie verteidigen und die Preise solidarisch verteilen, ohne Ausschlüsse! Nun sollte auch mal weiter gedacht werden: wie schaffen wir demokratische Medien, die nicht von Milliardären aufgekauft werden können, wie unterstützen wir die letzten demkratischen und linken Medien und Sender in den USA? Brauchen wir etwas terrestrisches? Wer sponsert, hülfe dazu eine Unterstützung durch die Produzenten von nachhaltigen Energien, die ja medial besser durch demokratische und linke Medien beleuchtet werden - inklusive auch kritischer Aspeckte...???

  • Es gibt eine neue physikalische Maßeinheit:

    Der Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen ist nicht mehr ein Merz, sondern auch ein Weimer

    • @Jürgen aus Nürnberg:

      Nur ist das hier kein Fettnäpfchen über das man lächelnd hinwegsehen könnte. Es ist autoritäres, undemokratisches Gehabe, der Anfang eines genau solchen Gesellschaftssystems: Einer bestimmt allein und nur nach seinem politischen Gusto und alle müssen folgen - ohne Möglichkeit zur Gegenwehr.

  • Wenn die Buchhandlungen klagen, kommt ja vermutlich irgendwann raus warum der Verfassungsschutz die beobachtet hat.



    Dann kann man etwas objektiver beurteilen ob diese Aktion gerechtfertigt war, oder nicht.



    So lange ist alles nur Spekulation.

    • @Thomas2023:

      Es ist keineswegs Spekulation, dass Weimer mit gezinkten Karten spielt, aka: betrügt! Für aufrichtige Demokraten gehört Offenheit, faires Spiel und nicht wischi-waschi-Beschuldigungen ohne jeden Nachweis. Das passt in die neue csdU Strategie.

  • Naja, solange die Rechtsradikalen der AfD munter vom Staat gefördert werden und rechtsextreme Burschenschaften als "gemeinnützig" gelten, kann es mit dem Urteilsvermögen eines Verfassungsschutzes nicht weit her sein.

  • Also es hat wirklich absolut niemand innerhalb der Kulturszene da Verständnis dafür, dass es mindestens mal problematisch ist, "Deutschland verrecke" und "Heimat ist Aufruf zum Mord" als Slogans mit Steuergeld zu fördern und ministeriell zu unterstützen? Und dass bei Leuten, die sowas sagen, der Verfassungsschutz aus Erfahrung und Historie gute Gründe dafür hat, hellhörig zu werden, kann man sich überhaupt nicht vorstellen? Na dann ist ja alles gut. Kulturkrieg sind ja immer die anderen...

    • @Moralapostbote:

      Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich hoch, dass in irgendeinem Buch auch diese beiden Zitate vorkommen. Aber der Deutsche Buchhandlungspreis ist ein Preis für die InhaberInnen einer Buchhandlung, nicht für alle Bücher, die dort angeboten werden.



      Sie sollten also wenigstens eine Quelle nennen, mit der sie diese Zitate den InhaberInnen dieser drei Buchhandlungen persönlich zuordnen können. Das wird wohl nicht gelingen.



      Aber dass Lügen und gewollt böswillig falsche Zuschreiben das Mittel der Wahl im faschistischen Kulturkampf sind, wissen wir ja seit mehr als hundert Jahren; und sie kennen sicherlich ihre geistig moralischen Vorfahren sehr gut und genau.

  • Dieser Jury gebührt großer Respekt. Weimer praktiziert ganz offen und unverblümt Zensur. Dieser Mann ist gefährlich für unsere Demokratie und wenn er nicht von seinem Kanzler gebremst wird, dann beteiligt sich auch der an dieser Sabotage. Das Trump-Regime scheint ein gutes Vorbild zu sein....

    • @Perkele:

      Merz bremst Machenschaften, die absolut in seinem Sinn sind - so weit kommts noch....

    • @Perkele:

      Von Merz wird da gar nichts kommen (weil er sowas feiert), außer er sollte sich daraus irgendwie einen Vorteil erhoffen. Der Herr Kanzler ist bereits trumpesker, als es je ein deutscher Kanzler war (vielleicht neben Kohl)

      • @PetePietPeetz:

        Leider ist das genau so!!