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Ausgezeichnete Autorinnen Eine gute Woche für die Literatur

Dirk Knipphals

Kommentar von

Dirk Knipphals

Der Nobelpreises für Literatur geht an Anne Carson, der Deutsche Buchpreis an Shida Bazyar. Beides ist großartig. Die Literatur lebt.

D ie großen Literaturpreise haben gewiss etwas Fragwürdiges. Es gibt so viele Autor*innen, die Anerkennung (und das Preisgeld) verdienen – aber dann konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit doch auf einzelne Namen. Und trotzdem, es ist schlicht ein schönes Gefühl, wenn sich der Eindruck einstellt, dass es die richtigen Au­to­r*in­nen getroffen hat. So wie gleich zweimal in dieser Woche. Am Montag erhielt Shida Bazyar den Deutschen Buchpreis, nun wurde also die Kanadierin Anne Carson als Nobelpreisträgerin für Literatur verkündet. Beides ist großartig.

Es handelt sich hier um zwei ganz unterschiedliche Schreibansätze, realistisch bei Bazyar, kaum auf einen Begriff zu bringen bei Carson, bei der sich nicht umsonst die Bezeichnung „hybrides Schreiben“ eingespielt hat. Während sich Bazyar mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt, tritt man bei Carson lesend gleich in einen Dialog mit der gesamten Menschheitsgeschichte, soweit sie Schrift geworden ist. In ihren Texten stößt man auf aktuelle Literaturtheorien wie auf antike Dichterinnen, auf jahrtausendealte Liebeskonzepte wie auf Klassiker wie Proust. Die überkommene Formenaufteilung in Prosa, Lyrik und Essay hat diese Autorin hinter sich gelassen.

Anne Carson als Geheimtipp zu bezeichnen trifft es dabei überhaupt nicht. Längst ist sie eine Klassikerin aus eigenem Recht. In der englischsprachigen Welt findet sie sich auch auf populären Empfehlungslisten, mag sein, dass dort weniger Berührungsängste mit avancierten Schreibweisen existieren als leider immer noch hierzulande. Aber auch wenn sie in Deutschland auftritt, mehrmals etwa in Berlin, sind die Zuschauerräume voll, und im Publikum ist der Eindruck mit Händen zu greifen, einem Ereignis beizuwohnen, das nur die Literatur herstellen kann.

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Es gab zuletzt Sorgen um die Lesefähigkeit in Deutschland, die aktuelle Pisa-Studie fiel ungünstig aus. Feststellen kann man aber auch, dass es lesend viel zu entdecken gäbe – die Literatur lebt, in ihren unterschiedlichen Formen. Auch dank des Nobelpreises war es eine gute Woche für die Literatur.

Dirk Knipphals

Dirk Knipphals Ressortleiter Kultur

Dirk Knipphals, Jahrgang 1963, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Kiel und Hamburg. Seit 1991 Arbeit als Journalist, von 1994 bis 1996 bei der taz.hamburg, seit 1999 in Berlin.
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3 Kommentare

  • zartbitter

    ""Während sich Bazyar mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt, ....""



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    Shida Bazyar ist bekannt im Ort Hermeskeil. ""Die Leute gehen auf sie zu, sie ist hier noch verwurzelt«, hieß es in der Stadt. Ihre im Oktober geplante Lesung in Hermeskeil sei schon vor der Preisverleihung ausverkauft gewesen. Bazyar sei immer mal wieder im Hunsrück, habe auch noch Familie dort und sei erst vor rund einem Monat bei der Verlegung von elf Stolpersteinen für zwei jüdische Familien dabei gewesen, berichtet die Frau vom Tourismusbüro.



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    Der Verleger Kiepenheuer & Witsch formuliert es so : "" In einer präzisen Tiefenbohrung der Provinz stellt sie die radikale Frage: Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat?"



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    Dem SWR erklärte Bazyar ""Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei nicht bequem. Über die NS-Zeit zu schreiben und im Dreck zu wühlen, damit macht man sich nach wie vor unbeliebt.“



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    Es ist toll das eine Frau mit Migrationshintergrund - die Eltern sind aus dem Iran - das Thema aufgreift zu einem Zeitpunkt an dem über ermordete Juden in Deutschland nicht mehr gesprochen wird.



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    Noch toller wäre es gewesen wenn da ein palästinensischer Hintergrund gewesen wäre.......

  • Dirk Knipphals , Autor des Artikels, Ressortleiter Kultur

    Danke für die Anmerkung, sie zielt genau auf den interessanten Punkt. Meine Idee war in etwa: Das Angebot an guten Texten ist immerhin da, ergreifen müssen es aber die Leserinnen und Leser. Schöne Grüße!

  • Ignaz Wrobel

    Was der Buchpreis und der Nobelpreis, verliehen durch die Boomer-Genration, mit der zunehmenden Unlust und Unfähigkeit der Generation Z, alpha und wie sie alle heißen werden, Texte zu lesen und zu verstehen, zu tun hat und warum das Erstere uns über das Letztere hinweghelfen soll, bleibt leider das Geheimnis des Autors. Vielleicht folgt ja ein klärender Folgeartikel?