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Ausfall auch ohne SchneesturmEin völlig verlorener Schultag

Uta Schleiermacher

Kommentar von

Uta Schleiermacher

Erst spät am Donnerstag setzt auch Berlins Schul­se­na­to­rin für Freitag die Präsenzpflicht für Schü­le­r*in­nen aus. Das war komplett unnötig.

Sieht doch ganz gemütlich aus, und der Schnee liegt auch nicht zu hoch: Schule am Abend vor dem Doch-Nicht-Schneesturm in Berlin Foto: Fernando Gutierrez-Juarez / dpa

B erlin blieb am Freitag zwar vom Schneechaos verschont. Berlins Schulen hingegen versanken trotzdem im Chaos. Grund war allerdings nicht der drohende Schneesturm Elli, sondern die Unentschiedenheit der Bildungsverwaltung.

Erst am Donnerstagnachmittag teilte die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) im Bildungsausschuss mit, dass Schü­le­r*in­nen für Freitag von der Präsenzpflicht freigestellt seien. Es war eine Ankündigung, die sie zum eigentlich ungünstigsten Zeitpunkt tätigte. Zu spät für die Schulen, um noch sinnvoll mit den Schü­le­r*in­nen zu kommunizieren. Zu früh für die Wetterlage, weil bereits gegen Abend schon langsam absehbar war, dass es in Berlin eventuell gar nicht so dicke kommen würde mit dem Schnee.

Das Argument, dass Berlin hier hinterhergezogen habe, weil auch Brandenburg die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt hatte, ist sehr schwach. Denn gerade bei Schneeverwehungen ist der Unterschied zwischen Flächenland und Stadtstaat so groß, dass die Situation nicht zu vergleichen ist – und somit auch niemand mit dem Nachbarn mitziehen muss. Und, wo wir schon beim Vergleich mit anderen Bundesländern sind: Selbst Schleswig-Holstein, wo die Schule teilweise ausfiel, hatte sich keine flächendeckende Regelung gegeben.

Bei Schneeverwehungen ist der Unterschied zwischen Flächenland und Stadtstaat groß

Das Resultat? An einigen Schulen waren am Freitag mehr Leh­re­r*in­nen als Schü­le­r*in­nen anwesend. Einige Medien berichteten von Schulen, an denen weniger als ein Prozent der Schü­le­r*in­nen in der Schule erschien. Lehrer*innen, die vor nur ei­ne*r Schü­le­r*in standen, schickten dann diese teils auch einfach mit Aufgaben nach Hause.

Richtig kompliziert war es dann für die Lehrer*innen, die eigentlich Klassenarbeiten oder Klausuren schreiben wollten. Die meisten werden diese wohl ausfallen gelassen haben und sie verschieben. Das ist ausgerechnet am Ende des Halbjahres extrem ungünstig.

Für Leh­re­r*in­nen galt die Aussetzung der Präsenzpflicht selbstredend nicht, so dass sie alle komplett vorbereitet zum Unterricht kommen mussten – den sie dann meist nicht sinnvoll durchführen konnten. Anstatt mit einer spät und zögerlich herausgebrachten Aussetzung der Präsenzpflicht den Schultag allgemein für fast alle zu verunmöglichen, hätte die Senatorin ruhig abwarten können.

Wenn die Stadt wirklich im Schnee versunken wäre, wenn niemand der ja im Idealfall gar nicht so weit von der Schule wohnenden Kinder und Jugendlichen sich durch den Schnee hätte kämpfen können, hätte sie auch im Nachhinein noch verfügen können, dass eine Abwesenheit an dem Tag nicht gezählt wird. So war es einfach ein verlorener Tag.

Hinweis: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, die Verwaltung habe die Schulpflicht ausgesetzt. Richtig ist allerdings, dass die Verwaltung die Präsenzpflicht ausgesetzt hatte, wir haben den Fehler daher korrigiert.

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Uta Schleiermacher
Redakteurin für Bildung und Feminismus in der taz-Berlin-Redaktion
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