Ausfall auch ohne Schneesturm: Ein völlig verlorener Schultag
Erst spät am Donnerstag setzt auch Berlins Schulsenatorin für Freitag die Präsenzpflicht für Schüler*innen aus. Das war komplett unnötig.
B erlin blieb am Freitag zwar vom Schneechaos verschont. Berlins Schulen hingegen versanken trotzdem im Chaos. Grund war allerdings nicht der drohende Schneesturm Elli, sondern die Unentschiedenheit der Bildungsverwaltung.
Erst am Donnerstagnachmittag teilte die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) im Bildungsausschuss mit, dass Schüler*innen für Freitag von der Präsenzpflicht freigestellt seien. Es war eine Ankündigung, die sie zum eigentlich ungünstigsten Zeitpunkt tätigte. Zu spät für die Schulen, um noch sinnvoll mit den Schüler*innen zu kommunizieren. Zu früh für die Wetterlage, weil bereits gegen Abend schon langsam absehbar war, dass es in Berlin eventuell gar nicht so dicke kommen würde mit dem Schnee.
Das Argument, dass Berlin hier hinterhergezogen habe, weil auch Brandenburg die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt hatte, ist sehr schwach. Denn gerade bei Schneeverwehungen ist der Unterschied zwischen Flächenland und Stadtstaat so groß, dass die Situation nicht zu vergleichen ist – und somit auch niemand mit dem Nachbarn mitziehen muss. Und, wo wir schon beim Vergleich mit anderen Bundesländern sind: Selbst Schleswig-Holstein, wo die Schule teilweise ausfiel, hatte sich keine flächendeckende Regelung gegeben.
Das Resultat? An einigen Schulen waren am Freitag mehr Lehrer*innen als Schüler*innen anwesend. Einige Medien berichteten von Schulen, an denen weniger als ein Prozent der Schüler*innen in der Schule erschien. Lehrer*innen, die vor nur eine*r Schüler*in standen, schickten dann diese teils auch einfach mit Aufgaben nach Hause.
Richtig kompliziert war es dann für die Lehrer*innen, die eigentlich Klassenarbeiten oder Klausuren schreiben wollten. Die meisten werden diese wohl ausfallen gelassen haben und sie verschieben. Das ist ausgerechnet am Ende des Halbjahres extrem ungünstig.
Für Lehrer*innen galt die Aussetzung der Präsenzpflicht selbstredend nicht, so dass sie alle komplett vorbereitet zum Unterricht kommen mussten – den sie dann meist nicht sinnvoll durchführen konnten. Anstatt mit einer spät und zögerlich herausgebrachten Aussetzung der Präsenzpflicht den Schultag allgemein für fast alle zu verunmöglichen, hätte die Senatorin ruhig abwarten können.
Wenn die Stadt wirklich im Schnee versunken wäre, wenn niemand der ja im Idealfall gar nicht so weit von der Schule wohnenden Kinder und Jugendlichen sich durch den Schnee hätte kämpfen können, hätte sie auch im Nachhinein noch verfügen können, dass eine Abwesenheit an dem Tag nicht gezählt wird. So war es einfach ein verlorener Tag.
Hinweis: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, die Verwaltung habe die Schulpflicht ausgesetzt. Richtig ist allerdings, dass die Verwaltung die Präsenzpflicht ausgesetzt hatte, wir haben den Fehler daher korrigiert.
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