Atommüll

Strahlende Löcher

Im Atomkraftwerk Brunsbüttel sind weitere beschädigte Fässer mit radioaktivem Material entdeckt worden. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch unklar.

Vollständig zerfressen: Das 2012 im AKW Brunsbüttel entdeckte Fass. Bild: dpa

HAMBURG taz | Immer mehr beschädigte Behälter mit radioaktivem Abfall werden in den unterirdischen Lagern des Atomkraftwerks Brunsbüttel gefunden. Das bestätigte am Mittwoch Nicola Kabel, Sprecherin des schleswig-holsteinischen Energieministeriums. Über die genaue Anzahl wollte sie keine Angaben machen. „Es sind einige beschädigte Fässer entdeckt worden, die Auswertung läuft aber noch“, sagte sie.

Dazu gebe es auch Gespräche mit Vattenfall, dem Betreiber des stillgelegten AKW. Erst nach Vorliegen aller Informationen stünden der Umfang der Schäden und die daraus zu ziehenden Konsequenzen fest, so Kabel. Dann werde die Öffentlichkeit umfassend informiert.

Am Dienstag war in einer der unterirdischen Kavernen des Atomkraftwerks bei einer Inspektion mit Kameras ein verrostetes Fass mit radioaktivem Abfall entdeckt worden. Von den etwa 70 dort gelagerten Behältern weisen einige Beschädigungen unterschiedlicher Art auf, zumeist Roststellen. Die Überprüfung dieser ersten von sechs Kavernen wurde inzwischen abgeschlossen. Insgesamt lagern 631 Stahlfässer mit radioaktiven Abfällen in den sechs Kellerräumen des Atommeilers. Die Inspektionen hatten Anfang Januar begonnen.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel ging am 9. Februar 1977 in Betrieb. Am 6. August 2011 wurde es im Zuge des Atomausstiegs stillgelegt:

Die Kavernen: Sie sind Teil der Betriebsgenehmigungen aus den 1970er-Jahren.

Der Zweck: Die unterirdischen Kavernen sind vorgesehen zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen.

Die Fässer: Eingelagert wurden 631 Fässer dicht an dicht in mehreren Reihen, bis zu sechs Fässer übereinander. Das macht es schwierig, den Zustand der Fässer zu beurteilen. Überwachungskameras gibt es nicht.

„Die Kameraaufnahmen lassen erkennen, dass es in der Kaverne weitere Fässer mit Korrosionserscheinungen gibt“, sagte Kabel. In den Kavernen herrsche eine erhöhte Strahlung, Radioaktivität sei aber nicht ausgetreten. Es bestehe keine Gefahr, die Strahlung innerhalb der Lager werde kontinuierlich überwacht.

Nach Einschätzung von Frank Scharlaug, kommissarischer Leiter der Atomaufsicht im Ministerium, sind die Sicherheitsgefahren nicht hoch: „Das ist beherrschbar.“ Ungeklärt sei aber noch, wie die beschädigten Fässer zu behandeln seien. Da sie in den Kavernen dicht an dicht gestapelt seien, könnten sie nicht „in Überfässern versiegelt“ werden. Das werde nach Abschluss der Untersuchungen der weiteren Kavernen zu klären sein.

Geplant war, die im Wesentlichen mit verseuchten Filtermaterialien gefüllten Fässer im niedersächsischen Endlager „Schacht Konrad“ bei Salzgitter einzulagern. Dafür müssten sie aber geborgen und transportsicher gemacht werden. Möglicherweise werden sie zunächst im Atommüll-Zwischenlager auf den Gelände des AKW eingelagert werden.

Anfang 2012 war in einer der Kavernen ein erstes, vollständig von Rost zerfressenes Atommüll-Fass entdeckt worden. Vattenfall musste daraufhin einräumen, dass die Kavernen seit über 30 Jahren nicht kontrolliert worden waren, auf eine Videoüberwachung war beim Bau verzichtet worden. Zwei Jahre lang wurde nun ein Kontrollkonzept erarbeitet. Danach wurde am 8. Januar der 110 Zentimeter starke Stahlbetondeckel der ersten Kaverne ferngesteuert angehoben und eine neu entwickelte Mini-Kamera hineingelassen. Diese ist horizontal und vertikal um 360 Grad schwenkbar und kann in den nur 15 Zentimeter breiten Zwischenräumen zwischen den Fässern eingesetzt werden.

Bis Ende Februar, hofft Kabel, werde ein vollständiger Überblick über die Lage im Brunsbütteler Untergrund vorliegen.

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