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Atomkraftwerk in BelarusGefährliche Gigantomanie

Bernhard Clasen

Kommentar von

Bernhard Clasen

Belarus hat sein AKW in Betrieb genommen. Dadurch braucht das Land weniger russisches Gas, macht sich aber von russischen Gläubigern abhängig.

I n den Tagen, in denen das neue belarussische AKW Strom eingespeist habe, habe das Land schon eine Million Dollar eingespart, die es ansonsten Russland für den Import von Erdgas bezahlt hätte, verkündete das belarussische Energieministerium stolz. Und schiebt nach, dass man sich pro Jahr Einsparungen von 500 Millionen US-Dollar durch das AKW erwarte.

Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache, legen nahe, dass die Gründe für den Bau woanders liegen. Mag sein, dass Belarus mit dem neuen AKW weniger abhängig von russischen Energielieferungen ist. Doch das Land hat nur eine Abhängigkeit gegen eine neue Abhängigkeit getauscht. Das AKW wurde mit russischen Krediten gebaut, die Brennstäbe kommen aus Russland, und die Rücknahme abgebrannter Brennstäbe wird Russland übernehmen.

Der Hang zur Gigantomanie ist gefährlich, in undemokratischen Staaten besonders. Wer meint, die Inbetriebnahme eines technischen Großprojekts wie eines AKWs solle man von politischen Fragen wie Wahlfälschungen und Menschenrechtsverletzungen trennen, möge bitte erklären, wie eine gesellschaftliche Kontrolle von ökologisch gefährlichen Projekten in einem Land möglich ist, in dem Jagd auf Journalisten, Demonstranten und eben auch Umweltschützerinnen gemacht wird.

Gefährlich an dem Projekt ist auch der Umstand, dass Lukaschenko nicht zwischen militärischer und ziviler Nutzung von Atomenergie zu unterscheiden versteht. Seine Bemerkung, nun sei man Atomstaat, sollte zu denken geben. Niemand käme auf die Idee, Staaten wie Finnland oder Belgien als Atomstaaten zu bezeichnen, nur weil sie AKWs haben. War da vielleicht der Wunsch der Vater von Lukaschenkos Gedanken? Mit Rosatom hat Belarus, in dem zu Zeiten der Sowjetunion Atomwaffen stationiert waren, einen Partner, der auch Atomwaffen entwickelt.

Europa sollte die Balten, allen voran die Litauer, nicht im Regen stehen lassen. Es sollte sich an Lettland ein Beispiel nehmen. Dort verlangt man von Russland Herkunftszertifikate für importierten Strom.

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Bernhard Clasen

Bernhard Clasen Journalist

Jahrgang 1957 Ukraine-Korrespondent von taz und nd. 1980-1986 Russisch-Studium an der Universität Heidelberg. Gute Ukrainisch-Kenntnisse. Schreibt seit 1993 für die taz.
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