Artemis 2: Der Mond im Mann
Nach 54 Jahren fliegen Menschen wieder zum Mond. Doch wir sollten uns von den spektakulären Bildern nicht trügen lassen. Dabei gewinnt nur ein Mann.
W as für schöne Bilder! Wir sehen eine fröhliche Besatzung, wunderbare Aufnahmen vom Mond und von der Erde, auch ein paar lustige Selfies der vier Astronauten der Artemis 2 sind dabei. Sie wollen zeigen: Wir haben aber mal so richtig Fun!
Klar, die Freude ist groß. Es ist der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972. Anders als damals ist jedoch keine Landung auf dem Mond geplant. Also auch kein Ausstieg, kein Spaziergang, keine Wanderung.
Näher als 6.400 Kilometer kommt man dem Erdtrabanten bei diesem insgesamt neun Tage dauernden Ausflug nicht, jedoch brummt man auch an der Rückseite des Mondes vorbei. Das macht die Weltraumspritztour zu dem bemannten Flug mit der jemals größten Entfernung zur Erde.
Doch während wir mit kindlicher Freude ins All blicken, freut sich besonders ein mondsüchtiger US-Präsident über die Umrundung.
Eis am Südpol
Doch fangen wir vorne an: Die Reise hat das Ziel, sich den Südpol des Mondes anzuschauen. Denn es ist die einzige Region, wo Wassereis nachgewiesen wurde, was vor allem für diejenigen Kinder von Bedeutung ist, die sich kein Milchspeiseeis leisten können.
Die tiefen Krater auf der Südseite ermöglichen zum einen das Vorkommen von Wassereis, doch auf der anderen Seite herrscht hier das ganze Jahr über Sonneneinstrahlung. Und das wäre theoretisch relevant für die Energiegewinnung, gerade wenn, wie es aussieht, die Straße von Hormus noch länger gesperrt bleiben sollte.
Donald Trump trieb schon in seiner ersten Legislaturperiode die Entwicklung des Artemis-Projekts voran. Und zwar als reine Notlösung. Denn sein ursprüngliches Ziel, eine bemannte Reise zum Mars, war bis Ende 2024, seiner zum damaligen Zeitpunkt anschließenden geplanten zweiten Amtszeit, nicht realisierbar.
Na dann eben zum Mond – scheißegal, ist auch rund, irgendwo am Himmel, und fängt ebenfalls mit M an. Zusätzliche Mittel dafür sollten einem Förderprogramm für einkommensschwache Studenten entnommen werden. Das Vorhaben wurde wieder einkassiert, da 2019 noch ein paar demokratische Strukturen funktionierten.
Alle schmeißen zusammen
Denn was der teure Spaß überhaupt soll, haben sich außer ein paar Wissenschaftsnerds und verrückten Diktatoren schon immer alle gefragt. Solarpaneele in der Wüste kommen billiger, und wahrscheinlich sogar Wasser aus der Wüste.
Die US-Weltraumbehörde Nasa bezahlt nun mal den Löwenanteil, auch wenn die Europäer, Japaner und Kanadier mitbeteiligt sind. Wenn die nur Mond hören, würden sie wohl auch mit Putin fliegen.
Jetzt ist Trump wieder da. Was er auf dem Mond will? Vermutlich das Übliche; eine Mischung aus Irrsinn, frühkindlichen Träumen und erratischen Allmachtsfantasien: Käsegewinnung, den Mann im Mond entführen und ohne Anklage einsperren, seinen eigenen Namen unsterblich machen, von den Epstein-Files, den Kriegsverbrechen und generell dem allumfassenden Losertum ablenken, und dann noch irgendwas Siebtes, was auf der Pressekonferenz keiner verstanden hat.
Erst mit Artemis 4 sollen im Jahr 2028 wieder Menschen per Landefähre auf dem Mond aussteigen. Da sich der König sicher noch die eine oder andere, nach jetziger Gesetzeslage illegale, zusätzliche Amtsperiode gönnen wird, wird er auch das noch von seinem Thron aus miterleben, gewindelt und gesalbt.
Nicht nach Trumps Geschmack
Wie wir längst gelernt haben, kann man alles, was Trump will, automatisch und unbesehen in die Tonne kloppen. Also eigentlich auch diese Mondmission. Trotzdem, oder gerade deswegen, wundert man sich, wie man es nun geschafft hat, alles, was Trump hasst und verachtet, in diese eine Mondrakete zu schmuggeln: So ist ein Kanadier dabei, eine Person of Color und eine Frau. Da fehlt jetzt im Grunde nur noch eine Dragqueen, eine Klimaaktivistin und jemand von der Antifa.
Ende der Woche soll die bunte Crew wieder auf der Erde landen – wir drücken der Besatzung auf jeden Fall bis dahin weiter die Daumen.
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