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Ungarn rechts liegen lassen

FLUCHTROUTEN Nach der Abriegelung der serbisch-ungarischen Grenze suchen Flüchtlinge neue Wege über Kroatien und Slowenien. Kanzlerin Merkel verteidigt ihre hilfsbereite Haltung und fordert EU-Sondergipfel

Bloß schnell weg hier: Hinterlassenschaft von inzwischen weitergereisten Flüchtlingen im ungarischen Grenzort Röszke Foto: Christopher Furlong/getty

BERLIN taz | Da geht so gut wie nichts mehr: Ungarn hat seine Grenze zu Serbien abgeriegelt und angekündigt, auch an der Grenze zu seinem östlichen EU-Nachbarland Rumänien einen Zaun zu errichten. Einige von Ungarn abgewiesene Flüchtlinge machten sich deshalb am Dienstag bereits auf den Weg zu Ungarns westlichem Nachbarland Kroatien. Von dort aus könnten sie über Slowenien nach Österreich und Deutschland gelangen. Doch wie weit sie kommen, ist unklar. In Deutschland und mehreren anderen EU-Ländern werden die Grenzkontrollen seit Tagen verstärkt.

Die EU-Innenminister konnten sich bei ihrem Treffen nicht über das weitere Vorgehen einigen. Nun, endlich, sollen die Regierungschefs persönlich auf einem Sondergipfel über die Flüchtlingskrise beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Österreichs Regierungschef Werner Faymann forderten einen EU-Dringlichkeitsgipfel „in der kommenden Woche“. Das Problem der Flüchtlingsaufnahme könne „nur gesamteuropäisch gelöst werden“.

Mit deutlichen Worten wies Merkel Kritik aus dem In- und Ausland zurück, sie hätte mit ihren Entscheidungen in der Asylpolitik Menschen geradezu nach Deutschland eingeladen. „Wenn wir uns jetzt noch entschuldigen müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land“, erklärte Angela Merkel zur Kritik vor allem aus der CSU, die ihre vorübergehende Grenzöffnung für Flüchtlinge aus Ungarn als „Fehler“ bezeichnet hatte. LKW

taz.fluchthilfe

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