piwik no script img

Unter Polizeischutz gestellt

BRAND-ANSCHLAG

Von der 150 Jahre alten Scheune stehen nur noch die Grundmauern. Das Gebäude auf dem Hof von Birgit und Horst Lohmeyer im mecklenburgischen Jamel brannte in der Nacht zu Donnerstag vollständig nieder. „Wir hatten Glück“, sagt Birgit Lohmeyer dennoch. Wäre der Wind stärker gewesen, hätten die Funken auch das knapp sechs Meter von der Scheune entfernte Wohnhaus erreichen können. Über den Hintergrund der Tat in dem von Rechtsextremen dominierten Ort besteht für das Ehepaar kein Zweifel: „Die Brandstiftung hat einen rechtsextremen Hintergrund“, sagt Birgit Lohmeyer. Ein Feriengast habe kurz vor dem Brandt jemanden auf dem Hof bemerkt.

Von vorsätzlicher Brandstiftung geht mittlerweile auch die Polizei aus. Sie entschied, das Künstlerehepaar unter Schutz zu stellen. „Der Tatort spricht für sich“, sagt auch Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek. Einen rechtsextremistischen Hintergrund will auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nicht ausschließen. Dafür spräche auch das Engagement des Ehepaares Lohmeyer, sagt er.

Seit 2004 leben die Lohmeyers in Jamel, und sie treten dort offen gegen die rechte Szene auf. Auf ihrem Grundstück richten sie etwa das Rockfestival „Jamel rockt den Förster“ für Demokratie und Toleranz aus. Seit Jahren werden sie von den Rechten offen bedroht. Seit Jahren werden sie für ihr Engagement ausgezeichnet, und das geht den Rechten gegen den Strich. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine direkte Reaktion auf die kürzlich bekanntgegebene Verleihung des Georg-Leber-Preises für Zivilcourage an uns handelt“, sagt Birgit Lohmeyer. Die NPD reagierte prompt, der Brand reiche sicher „für mindestens zehn neue Preise“.

Aber die Lohmeyers wollen bleiben. „Wir denken gar nicht daran, wegzuziehen“, sagen sie. Durch die Brandstiftung fühlen sie sich nur noch bestätigt in ihrem Engagement. Das nächste „Rock den Förster“ findet am 28. und 29. August statt. Ein Besuch wäre auch ein Zeichen. AS

Links lesen, Rechts bekämpfen

Gerade jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt, braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit Polylux. Das Netzwerk engagiert sich seit 2018 gegen den Rechtsruck in Ostdeutschland und unterstützt Projekte, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Noch bis zum 31. Oktober gehen 50 Prozent aller Einnahmen aus den Anmeldungen bei taz zahl ich an das Netzwerk gegen Rechts. In Zeiten wie diesen brauchen alle, die für eine offene Gesellschaft eintreten, unsere Unterstützung. Sind Sie dabei? Jetzt unterstützen