Der ultimative Teamvergleich III: Die Iglesia Maradoniana
Die Fußballhistorie zeigt: Argentinien und Deutschland waren meist zur selben Zeit erfolgreich. Doch Argentinien hat Diego Maradona.
Fans: GER – ARG 5:3
Auf die Statik des Maracanã wartet eine Belastungsprobe: Zehntausende argentinische Fans werden wie bei allen Auftritten der Albiceleste frenetisch hüpfend ihr Team anpeitschen. Trikots und Schals werden sie über ihren Köpfen kreisen lassen, Masken von Gott (genauer: Papst Franziskus) und seinem Stellvertreter auf Erden (noch genauer: Maradona) tragen und singen: „Ihr werdet Messi sehen, wie er uns den Pokal zurückbringt.“ Ob die mindestens zehntausend deutschen Fans, trotz der zu erwartenden Unterstützung durch die Brasilianer, dagegen ankommen werden, ist fraglich. Ebenso, ob sie wieder ihre Böhse Onkelz-WM-Hymne „Mexiko“ aus dem Sombrero zaubern – entstand der Song doch zur WM 1986. Kein gutes Omen also. (ERIK PETER)
Götter: GER – ARG 5:4
Einerseits: Deutschland hatte früher mal Toni „Du bist ein Fußballgott“ Turek. Und auch Jürgen Kohler war schon mal überirdisch. Aber so richtig hat dieses Land noch niemand in die fußballerische Erlöserliga geschickt. Und den besten Libero der 70er Jahre nannte man lieber „Kaiser“ – so irdisch wie Willem Zwo und überhaupt nicht abgehoben. Argentinien andererseits: Der Entschwebteste unter allen Göttern ist Diego Maradona. Der glaubt sogar selbst daran, dass er vom Himmel gesandt ist. Nicht nur wegen seines auf richtigen Kontinenten längst vergessenen Hand-Gottes-Tors. Er ist eine echte Ikone einer echten Kirche: der Iglesia Maradoniana, die für sein Heil betet. (MARTIN KRAUSS)
Historisch: GER – ARG 6:5
Deutschlands letzter WM-Titel liegt 24 Jahre zurück. Finalsieg gegen Argentinien. Dessen letzter WM-Titel liegt 28 Jahre zurück. Finalsieg über Deutschland. Als die beiden Teams zuvor das letzte Mal den Titel holten, lagen sie auch nur vier Jahre auseinander: 1974 gewann Deutschland, 1978 Argentinien. Das legt den Schluss nahe, dass große Phasen des deutschen mit solchen des argentinischen Fußballs zusammenfallen. Und 2006, beim deutschen Sommermärchen, was beidseitig nicht in den Titel mündete, galt auch Argentinien als Favorit, ohne den Anspruch untermauern zu können: Ein dramatisches Elfmeterschießen gewannen die Deutschen. Es ist also keinesfalls eine doofe Folgerung, dass guter Kick in diesen zwei Ländern immer in der gleichen historischen Phase stattfindet – schließlich stehen die Teams ja auch diesmal zu Recht im Finale. (MARTIN KRAUSS)
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