Arbeiten im Journalismus

Elementar für die Gesellschaft

Die Arbeitsbedingungen im Journalismus verschlechtern sich. Warum sollten sich junge Leute für diese Karriere entscheiden?

Ein junger Mann spricht in ein Megaphon

Junge Menschen, die was sagen wollen, sind super für den Journalimus Foto: unsplash/ Melany Rochester

Ein freudiger Tag ist der 3. Mai, der internationale Tag der Pressefreiheit, traditionell nicht. Ein Blick auf die Zahlen genügt, um das nachzuvollziehen: Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen befinden sich weltweit gerade immer noch 334 Journalistinnen, Blogger und Medienmachende in Haft, allein 2018 sind 80 Menschen im Zuge ihrer journalistischen Arbeit ums Leben gekommen.

Nicht nur diese Situation weltweit, sondern auch der strukturelle Wandel, der die Glaubwürdigkeit und Seriosität des Journalismus auf die Probe stellt, bringen die nächste Herausforderung mit sich. Warum sollten sich junge Menschen überhaupt noch diesen Bedingungen stellen und versuchen, im klassischen Journalismus Fuß zu fassen?

Verlagshäuser, Verbände und Redaktionen organisieren typischerweise Aktionen zum Tag der Pressefreiheit. Auch Künstlerinnen und Künstler nutzen die Möglichkeit, die Unterdrückung und Einschränkung journalistischer Arbeit anzuprangern. So stellte beispielsweise der Künstler Georg Baselitz 2018 der Presse sein Werk „Frau am Abgrund“ zur Verfügung, das an jenem 3. Mai zahlreiche Titelseiten in Deutschlands Printlandschaft zierte.

Begleitet wurde das Bild von einer Mahnung des Künstlers: „Presse und Kunst gehören nicht in die Obhut des Staates. Wer anderes propagiert, manövriert die freie Gesellschaft ins Verderben.“ Schade nur: Wenn es um die Arbeitsbedingungen von Journalisten weltweit geht, dann scheint diese Mahnung Baselitz’ nicht anzukommen.

Morde blieben ungestraft

„Besonders Online-Journalisten und -Journalistinnen sind aktuell gefährdet, Opfer von Repression zu werden“, sagt Juliane Matthey, Pressesprecherin der Organisation Reporter ohne Grenzen. Länder wie China, Ägypten, Iran und Saudi-Arabien arbeiteten bereits an neuen „Unterdrückungsstrategien, die es ihnen erleichtern, gegen Online-Journalistinnen und -Journalisten vorzugehen.“ Die Straflosigkeit nach Gewaltverbrechen und Morden an Journalistinnen und Journalisten in einigen Ländern der Welt prangert Matthey ebenfalls an. So blieben in der Vergangenheit etwa neun von zehn Morden an Medienmachenden ungestraft.

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Auch die Situation für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland habe sich zuletzt nicht zum Besseren gewandt, argumentiert Jonas Gebauer, Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland. Gebauer beobachtet im Umgang mit Reporterinnen und Reportern ein „Sinken der Hemmschwelle“, was etwa Beschimpfungen oder sogar körperliche Gewalt angeht.

Bedrohungen auf Demonstrationen bis hin zu Verletzungen seien für eine erschwerte Berichterstattung in der jüngsten Vergangenheit verantwortlich. ROG-Pressereferentin Juliane Matthey hat die Gründe dafür ausgemacht: „Eine große Gefahr geht von der medienfeindlichen Rhetorik seitens einer wachsenden Zahl von Politikerinnen und Politikern weltweit aus, die auf weite Teile der Bevölkerungen übergreift und vielfach in Online-Attacken oder auch körperliche Gewalt gegen Medienschaffende mündet.“

Andererseits gibt es bei allen Bedrohungen auch positive Trends zu beobachten. Zu nennen wäre das wachsende Bewusstsein für Diversität. Dass dort noch viel zu tun ist, darüber sind sich auch Juliane Matthey und Jonas Gebauer einig: „Eine größere Vielfalt wäre zu befürworten“, sagt Matthey.

Gerade im Bereich Diversity besteht die Chance, noch viel zu verbessern – das wäre schon mal ein guter Grund

Eine elementare Aufgabe in der Gesellschaft

Denn das erhöhe nicht nur die Chance, dass die in der journalistischen Berichterstattung vertretenen Blickwinkel vielfältiger würden, sondern auch, „dass manche Themen mehr berücksichtigt würden, als sie es jetzt werden“. Gebauer ergänzt, seinen Eindrücke zufolge habe sich bezüglich Inklusion, Repräsentation aber auch Diversität einiges getan, „sowohl in der Berichterstattung als natürlich auch in den Besetzungen der Redaktionen“.

Allein die Chance, die Diversität zu verbessern, ist also schon mal ein Grund für junge Leute, in den Journalismus zu gehen. Gebauer nennt noch einen anderen. „Gerade in Zeiten, in denen wir ein Auseinanderdriften der politischen Debatten erleben und Populismus sich breitmacht, ist es wichtiger denn je, dem entgegenzuwirken.“ Denn: „Journalismus zu machen ist nicht bloß ein Job, sondern eine elementare Aufgabe innerhalb unserer Gesellschaft.“

Immerhin steht die Arbeit der Presse als solche sogar in Artikel 5 des Grundgesetzes. Im Journalismus arbeiten kann bedeuten, Anfeindungen ausgesetzt zu sein, auch wenn in einem Land wie Deutschland die Bedrohung verglichen mit vielen anderen Ländern äußerst klein ist.

Aber: Für eine freie Presse einzustehen und sich für unabhängigen, integren Journalismus einzusetzen ist eben mehr als ein Job. Es bedeutet, für das Grundgerüst unserer Gesellschaft einzustehen: die Demokratie.

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