Anhaltende Kritik an Fußballbverbänden: Geht es der Uefa etwa ums Geschäft?

Jetzt bezichtigt auch Altkanzler Gerhard Schröder die Uefa der Geschäftemacherei. Er scheint da einem ganz großen Ding auf der Spur zu sein.

Fans hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Uefa-Mafia"

Nicht nur Gerhard Schröder übt Kritik an der Uefa: Gladbacher Fans bei einem Europa-League-Spiel Foto: Fotostand / imago

Wer in diesen Tagen auf der Moralleiter ein paar Stufen erklimmen will, der hat es leicht. Man braucht nur irgendetwas gegen die Uefa zu sagen, schon befindet man sich auf der Höhe der Guten und kann sich vor Zustimmung kaum retten. Innen- und Sportminister Horst Seehofer, den sonst ja kaum mal einer lobt, hat das gerade erlebt, als er kritisiert hat, dass mitten in einer Pandemie so viele Zuschauer nach Wembley ins Stadion gelassen werden. Der Kommerz sei schuld.

Und nun ist auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder zu einer erschütternden Erkenntnis gelangt. „Das hat nichts mehr zu tun mit der Freude am Fußball oder der vorgeblichen Stärkung des europäischen Gedankens. Das ist pure Geldmacherei!“, hat er bei t-online.de gesagt.

Weise Männer haben da gesprochen. Die ganze Fußballrepublik fragt sich schon seit Urzeiten, woran es wohl liegen könnte, dass die Uefa so ist, wie sie ist. Jetzt wissen wir endlich warum. Der Uefa geht es ums Geldverdienen. Da wären wir nie draufgekommen. Vielen Dank also den wackeren Antikapitalisten Horst Seehofer und Gerhard Schröder!

Die Europäische Fußballunion unterwirft sich diktatorischen Regimen und macht sich gleichzeitig demokratisch regierte Länder zum Untertan. Und so strömen Fans in die Stadien und verbreiten möglicherweise das Virus, dessentwegen wir seit über einem Jahr das öffentlichen Leben meiden sollen. So wahr, so schlimm. Aber kann es wirklich sein, dass der Verband so handelt, weil es gut für das Geschäft ist? Das wäre ja Wahnsinn!

Des Fußballs unschuldige Tage

Was war das WM-Turnier in Russland 2018 doch noch für eine schöne Veranstaltung. Der Weltverband Fifa hatte einen sportlichen Wettstreit fußballbegeisterter Nationen auf die Beine gestellt, der die touristische Jugend der Welt in ein wunderbares Land geführt hat. Gerhard Schröder, der das Land kennt, weil er mit dessen Präsidenten befreundet ist und seine knappe Zeit gerne dafür opfert, den Aufsichtsrat eines russischen Ölkonzern zu leiten, konnte nie verstehen, warum es Menschen gab, die seinerzeit gefordert haben, die WM in Russland zu boykottieren. „Das ist eine unsinnige Debatte. Sie wird und muss dort stattfinden“, sagte er. Es war die Zeit, da der Fußball noch unschuldig war. Niemand hätte ahnen können, dass er innerhalb kürzester Zeit moralisch derart abbaut. Es ist ein Trauerspiel.

Nie und nimmer hätte sich der DFB um die Ausrichtung der EM 2024 beworben, wenn damals schon bekannt gewesen wäre, dass es im Profifußball um Kommerz geht. Die Bundesregierung hätte doch nie im Leben gewollt, dass ein Sportevent, bei dem es um das Geschäftemachen geht, ins Land kommt. Sie hätte der Uefa die Tür gewiesen und hätte ihr nie die Staatsgarantien gegeben, die der Verband von ihr gefordert hat. Wäre nur ansatzweise zu ahnen gewesen, dass ein Fußballverband nicht aus reiner Gutherzigkeit ein Sportfest in Deutschland veranstaltet, keiner im Land wäre je auf die Idee gekommen, der Fifa oder der Uefa Steuerprivilegien zuzusichern. Das wäre ja noch schöner!

Der arme Horst Seehofer hat sicher schlaflose Nächte verbracht, nachdem ihm dieses Licht aufgegangen war. Nachdem man den Deutschen 2018 das Recht zugesprochen hat, die EM 2024 auszurichten, da schrieb er in einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung „Wir dürfen uns stolz und glücklich schätzen, im Jahr 2024 Gastgeber für die besten Fußballer Europas und viele internationale Fans und Gäste zu sein.“ Was muss es ihn plagen, einmal einen solchen Satz gesagt zu haben!

Längst hat er sicher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dieses Event, von dem er dachte dass es so gut sei, doch noch zu verhindern. Und recht hätte er. Geschäftemacherei hat schließlich nichts zu suchen im Fußball. Unfassbar, was diese Europameisterschaft zutage gefördert hat.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de