Angriff auf Umspannwerk in Brandenburg: Spurensuche nach Kurzschlüssen läuft
Beim Sabotageversuch in Brandenburg sei „leitfähiges Material“ eingebracht worden, erklärt Innenminister Redmann. Die Tat unterscheide sich von den Stromanschlägen in Berlin.
Foto: Axel Schmidt/reuters
dpa | Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg fordert Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur. „Wir sichern diese Bereiche nicht ausreichend, weil sie in einer Zeit errichtet wurden, in der es eine andere Bedrohungslage gab“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. „Und wir müssen hier schnell nachrüsten.“
Die kritische Infrastruktur in Deutschland sei vielgestaltig, sagte Redmann. Er nannte Flughäfen, Tausende Kilometer Stromleitungen, Telekommunikationsinfrastruktur sowie Gas- und Wasserversorgung. „Und wir sind in all diesen Bereichen zu gefährdet.“
„Wir müssen schnell dafür sorgen, dass die Betreiber ihre eigenen Einrichtungen besser sichern können. Auch mit Befugnissen, die gegenwärtig nur die Polizei hat“, sagte Redmann. Etwa die Befugnis, Drohnen abwehren zu können oder intelligente Videoüberwachung einzusetzen. Man könne nicht neben jeden Hochspannungsmasten einen Polizisten stellen.
Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte versucht, nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde Kurzschlüsse zu erzeugen. „In zwei Fällen ist es gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung einzubringen“, so der Minister. „In einigen weiteren Fällen ist das glücklicherweise nicht gelungen.“
Wie spezialisiert war das Wissen der Täter?
Die Polizei sucht vor Ort weiter nach Spuren, um die Täter ermitteln zu können. Bis Dienstagabend sei eine zweistellige Zahl an „Vorrichtungen“ gefunden worden.
Klar sei: Es habe sich um ein systematisches Vorgehen gehandelt. Zunächst blieb unklar, ob es sich um selbst gebastelte Flugkörper oder hergestellte Raketen handelte.
Im Fokus der Ermittler steht nun unter anderem, wie spezialisiert das Wissen der Täter gewesen ist. „Ob es beispielsweise Bauanleitungen für solche Geräte auch im Internet gibt“, sagte Redmann. Das sei „kein Kinderstreich“ gewesen. Es gebe Unterschiede in der Tatbegehung zu den Anschlägen auf das Tesla-Werk oder zum Stromausfall in Berlin, sagte Redmann. Das sei möglicherweise ein anderes Vorgehen.
Redmann spricht von „hybrider Bedrohung“
„Wir können gegenwärtig keine Täterschaft ausschließen“, sagte er. Es handle sich aber um eine wichtige Verbindung in der Nord-Süd-Energieversorgung. Ziel des Anschlags könne daher auch gewesen sein, die Stromversorgung in Deutschland zu destabilisieren und für großflächige Ausfälle zu sorgen. „Das ist hybride Bedrohung, die wir da gegenwärtig erleben, und insofern können wir auch nicht ausschließen, dass fremde Mächte dahinterstecken.“
Auch in Nordrhein-Westfalen wird nach einer Störung an einem Umspannwerk ermittelt. Die Störung in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden.
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