: Am See
In einer alten Bungalowanlage nördlich von Berlin lebten seit vielen Jahren Menschen für wenig Geld am Wasser. Die neuen Eigentümer wollen hier ein Feriendorf für gestresste Großstädter errichten. Die alten Bewohner:innen passen da nicht mehr ins Bild
Aus Canow und Waren Sophie Fichtner (Text und Fotos)
Noch ist das ihr Ausblick: der Canower See, die Wiese, das Beachvolleyballfeld, Kiefern ragen in den Himmel, am Ufer lagern Kanus zum Trocknen. Cornelia Senftleben und Jens Gallinge stehen vor ihrem Bungalow an der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Wasser ist keine 50 Meter weit entfernt. Senftleben deutet auf den Steg, den sie in einem Winter gebaut hat, als der See zugefroren war. „Als Normalsterblicher kommt man an so was nicht mehr ran“, sagt Gallinge, „ohne den passenden Geldbeutel.“
Im Winter, wenn die meisten weg sind, mögen sie es am liebsten am See. Dann trauen sich die Rehe aus dem Wald und stehen auf dem zugefrorenen Wasser. Wenn Gallinge nachts vor die Tür geht, staune er auch nach all den Jahren noch. Seine Partnerin legt den Kopf in den Nacken und macht ihn nach: „Boah, hier sieht man die Sterne.“ Aber wahrscheinlich war das ihr letzter Winter am Canower See.
Vor drei Jahren schickte die Für Freunde Immobilien GmbH ihnen ein Grußschreiben. Sie seien drei Freunde und die neuen Eigentümer des Bungalowparks. Sie hätten sich in das Gelände „verliebt“. Rund ein Jahr später kündigten sie ihren Mieter:innen, die teilweise seit der Wende im ehemaligen DDR-Bungalowpark ihre Freizeit verbringen. Sie sollen den Canower See verlassen.
In Städten ist Verdrängung ein bekanntes Phänomen. Der Wohnraum ist knapp, Investoren wittern hohe Renditen. Alteingesessene Mieter:innen werden gekündigt und müssen wegziehen, weil sie sich keine neue Wohnung in ihrem alten Kiez leisten können. Hier in Canow, knapp 100 Kilometer nördlich von Berlin, mit seinen 160 Einwohner:innen und der Schiffschleuse, war Verdrängung bisher ein urbanes Problem – und damit weit weg. Doch mit Verkauf des Bungalowparks siedelte sich das Problem an dem abgelegenen Seeufer an.
Neben ihrer Liebe zum Seegelände teilen die drei Freunde, Frank Sippel, Sven-Oliver Pink und Rolf Schrömgens, ihren Hang zum Gründen und Investieren. Sippel ist ein Schweizer Immobilienunternehmer, dem unter anderem die Malzfabrik gehört, ein hipper Veranstaltungsort im Süden Berlins. Pink gründete noch im Studium eine Firma für Finanzdienstleistungen und danach den erfolgreichen Schulranzenhersteller Ergobag. Schrömgens ist Mitgründer der globalen Hotelsuchmaschine Trivago. Was wollen diese Männer mit einem Bungalowpark an der Mecklenburgischen Seenplatte?
Die rund 80 Bungalows wurden Ende der 1950er Jahre gebaut. Sie haben typische Flachdächer, sind kaum gedämmt und aus Holzbalken und Asbestplatten gebaut. Angestellte eines DDR-eigenen Betriebs sollten sich hier erholen, ihren Urlaub verbringen. Mit der Wende wurde der Bungalowpark aufgekauft. 10 Jahre lang gehörte er einem Paar, das selbst in einem großen Bungalow am See wohnt. Bis sie das Grundstück 2023 für einen Millionenbetrag an die Freunde verkauften.
Seitdem wird am See gestritten, auch vor Gericht. Der Konflikt handelt von Senftleben und ihrem Partner, die ihr Zuhause nicht einfach so aufgeben wollen. Von Senftlebens Bruder, der eine Behinderung hat, auf die Pflege seiner Schwester angewiesen ist, aber auch ausziehen soll. Von Investoren, die von modernen Ferienunterkünften träumen. Und damit von einem Dilemma, das touristische Regionen immer wieder trifft: Der Tourismus bringt zwar Geld und schafft Arbeitsplätze, gleichzeitig finden Einheimische kaum noch Wohnungen.
Auf dem Instagram-Account des Bungalowparks beschreiben die Investoren das Projekt als „inclusive village community“ – eine inklusive Dorfgemeinschaft. Das erste Bild zeigt die Kiefern am Ufer, der Himmel strahlt blau, sie verkünden, dass das Land jetzt heilig sei. Ein indigener Medizinmann des mexikanischen Huichol-Volkes habe das Gelände gesegnet. „May we always be reminded never to take more than we need and to always give back more than we take“, steht unter dem Foto auf Englisch. Sie hoffen, dass sie immer daran erinnert werden, nicht mehr zu nehmen, als sie brauchen und stattdessen mehr zurückzugeben.
Welche Vision die neuen Eigentümer vom Bungalowpark haben, sah man im Winter auf der Wiese am Ufer stehen. Wo früher Lagerfeuer gemacht wurden, parkte ein Tiny House auf Rädern, 11 Quadratmeter, holzverkleidet, mit einem großen Fenster Richtung Wasser. Auf Airbnb wird die Unterkunft schon von einer Frau angeboten. Zwei Übernachtungen am Wochenende kosten auf der Plattform 317 Euro – deutlich mehr als die Monatsmiete für einen Bungalow.
Zwei Instagram-Posts später lehnt Sippel im weißen Oberhemd an einem Kanu am Ufer. „Nur ein paar Seen weiter von der Havelfabrik“ – einem seiner anderen Immobilienprojekte – „entsteht hier das 100 Seelen Dorf, eine Dorfgemeinschaft der Zukunft.“ Auf der Webseite seiner Immobilienfirma Real Future, die bis vor wenigen Monaten für den Bungalowpark zuständig war, wird das Vorhaben näher skizziert: Zwischen Eden und Arkadien, also zwischen dem biblischen Paradies und dem Traumland der griechischen Mythologie, entstehe in Canow ein Communityprojekt für kurzzeitiges Wohnen.
Sie wollen den Bungalowpark wiederbeleben und „neue Impulse für kollektive Besitzstrukturen und alternative Wohnformen im ländlichen Raum setzen“, heißt es in der Projektbeschreibung. Die DDR-Bungalows sollen zu modernen Tiny Houses umgebaut und stilvoll aber reduziert ausgestattet werden, damit sich die Gäste „von der omnipräsenten Reizflutung des Alltags“ abkoppeln können. Außerdem in Planung: Nutzgärten, ein Freiluftkino, Naturpfade, Raum für Seminare und Retreats, ein Wellnessbereich. Ziel sei es, dem Leerstand der bisher nur saisonal genutzten Bungalows entgegenzuwirken.
Cornelia Senftleben, eine große Frau mit graublondem Bob und rauer Stimme, wohnt seit 2013 in ihrem Bungalow – nicht nur saisonal, sie hat keine andere Wohnung. Nachdem der ehemalige Besitzer ihr schriftlich versicherte, dass sie hier dauerhaft wohnen dürfe, legten sie und ihr Partner mit der Renovierung los. Die 66-Jährige war damals noch Dachdeckerin, das war vor ihrer Herzkrankheit. Also erneuerte sie das Dach, den Boden, das Bad. Sie baute einen Ofen ein, auf dem heute Porzellanelefanten stehen, und steckten Tausende Euro in das kleine Häuschen.
Dann kam ihr Bruder dazu. „Mit dem Tod meiner Eltern habe ich Matthias geerbt“, sagt sie halb lachend, halb ernst. Er hat bei seiner Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen und muss im Alltag unterstützt werden. Senftleben holte den heute 72-Jährigen zu sich, als ein Bungalow etwas höher am Hang für ihn frei wurde. Senftleben und ihr Partner bereiten Matthias Kubusch das Frühstück, Mittag- und Abendessen zu, sie heizen seinen Ofen, fahren ihn zum Arzt.
Was Kubusch braucht, ist Stetigkeit. Um halb acht steht er auf. Um 11 Uhr gibt es Mittag. Um 16 Uhr spielen sie Mensch ärgere dich nicht. Auf dem Couchtisch liegt seine Taschenuhr zur Kontrolle. Früher, als im Sommer noch mehr Fähren den See kreuzten, saß er auf der Terrasse und beobachte, ob die Boote pünktlich waren. Jeden Tag läuft er zwei große Runden ums Feld. Und jedes Jahr, wenn die Eicheln von den Bäumen fallen, sammelt er sie auf seiner Runde ein, für die Ziegen auf dem Bauernhof. Veränderungen seien schwer für ihn. Aber auch Kubusch wurde gekündigt.
Was Senftleben und ihren Partner Jens Gallinge besonders aufregt, ist der Umgang mit ihnen. Vor der Kündigung seien die Freunde nicht auf die alten Mieter:innen zugegangen. Eine Mieterhöhung hätten sie verstanden. Die Monatsmiete für den Bungalow beträgt nur 200 Euro. Gallinge, 57, schmales Gesicht, zopfförmiger Kinnbart, ist gelernter Immobilienfachwirt und sagt, er kenne viele Wege die Miete zu erhöhen. „Aber so am Bestand, an den Mietern vorbei, das habe ich selten erlebt.“ Deshalb, glaubt er, gehe es den Freunden nicht nur darum, Geld zu verdienen, sondern auch mit wem sie es verdienen. „Sie wollen uns alle loswerden, weil wir nicht ins Klischee passen“, sagt er.
Wer die Projektbeschreibung liest, könnte sich die Zielgruppe des 100 Seelen Dorfs so vorstellen: Städter, die remote in einem Tiny House am See ihre letzten Mails der Woche schreiben, bevor sie den Feierabend im Spa beginnen. Die Retreats buchen, um sich vom hektischen Alltag zwischen Calls und Meetings zu erholen. Die raus aufs Land fahren, um zu reconnecten.
Cornelia Senftleben und Jens Gallinge passen da nicht rein. Sie brauchen keine komplette Modernisierung, um sich in Canow wohlzufühlen. „Ich komm ausm Tagebauloch“, sagt Senftleben und meint damit Finsterwalde in Brandenburg. „Das hier ist meine Idylle.“
Und die will sie nicht einfach so aufgeben. Deshalb klagen sie und ihr Bruder gegen die Kündigungen. Außer einem Nachbarn hat der Rest der Mieter:innen den Platz geräuschlos geräumt. Viele haben ihre Bungalows in den 1990ern gemietet und seitdem ihre Sommer in Canow verbracht, erzählt Senftleben. Aber sie seien zu alt gewesen, hatten keine Energie, kein Geld, keine Hoffnung, um sich gegen die Kündigung zu wehren.
Steffen Franz, Bürgermeister von Wustrow
Mit den Kündigungsschreiben ist der Ärger über das Bauprojekt auch beim parteilosen Bürgermeister Steffen Franz angekommen. Er ist für die Gemeinde Wustrow gewählt worden, zu der auch Canow gehört. Die Menschen seien in der Region vernetzt, hätten Freunde, Familie, Jobs. Klar seien sie da enttäuscht, sagt er. „Für die Gemeinde ist es schade, wenn aus Canow immer mehr ein Feriengebiet wird und die Einheimischen wegmüssen.“ Aber der Bungalowpark sei Privatgelände, sie könnten nichts machen. Über zwanzig Menschen hätten dort fest gelebt. Das sei zwar eine rechtliche Grauzone, wenn Leute fest in ihren Freizeitbungalows wohnen, „aber für uns als Gemeinde ist das nicht so wichtig.“
Wichtiger ist dem Bürgermeister, dass Menschen, die fest in Canow wohnen wollen, auch ein Zuhause finden. „Immer wenn in der Nähe ein Haus verkauft wird, geht das Grundstück an Leute mit mehr Geld aus Berlin oder Hamburg“, sagt Franz. In einem Bürgerdialog, der vor drei Jahren im 60 Kilometer entfernten Waren an der Müritz veranstaltet wurde, ging es um die gleichen Probleme: In den Sommermonaten fluteten immer mehr Urlauber die Region, weshalb die Anzahl der Ferienwohnungen steige und Wohnraum knapp werde.
Steffen Franz befürchtet, dass die Preise an der mecklenburgischen Seenplatte weiter steigen. Durch den Tourismus würden zwar viele Arbeitskräfte gesucht, die in Restaurants, Supermärkten oder Hotels arbeiten, aber die Menschen müssten in die nächstgrößere Stadt ziehen. „Noch ist die Verdrängung nicht so schlimm wie an der Ostsee, aber es wird mehr“, sagt Franz. Im März stimmte die Gemeindevertretung gegen den Plan der Investoren, in Canow weitere Bungalows in den Park zu bauen.
Der Dreierbungalow, der wie ein Riegel in der ersten Reihe am Ufer liegt, gehörte Anneliese, Jahrgang 1940. Sie wohnte im mittleren Teil, links und rechts ihre Tochter und ihr Sohn. „Mein Canow“, sagt sie, als sie ans Telefon geht. 33 Jahre habe sie am See verbracht, die letzten 25 Jahre als Rentnerin habe sie sogar von März bis Oktober „draußen“ gewohnt, im Bungalow. „Man hat sich nie was zu Schulden kommen lassen und wird dann einfach so rausgeworfen“, sagt sie. „Klar, gab’s da Tränen.“ Aber sie wollte ihre Nerven nicht darauf verwenden.
Früher gab es immer was zu feiern, erinnert sich Anneliese. Es wurden Lagerfeuer gemacht, manchmal, als sie noch jünger waren, wurde es auch mal lauter. Harry, Rentner aus Berlin-Spandau, sei im Herbst immer Pilze suchen gegangen. Seine Beute habe er dann stolz auf dem Terrassentisch ausgebreitet und rübergerufen, was er gefunden hat. Wenn er nicht im Wald war, stand er am Ufer und hat geangelt.
Im November packt Harry seine Erinnerungen aus den Jahren am See zusammen, trinkt Bier, hört Radio. Er schlappt aus dem Bungalow. Auf die Frage, wie es ihm mit seinem Auszug geht, bringt er nur ein „traurig“ hervor. Mehr sagt er nicht und starrt auf seine Füße. Seine Angeln liegen schon säuberlich aufgereiht im Kofferraum.
Aber der Bungalowpark ist eben auch so alt wie manche Erinnerungen. Auf Anfrage der taz antwortet Investor Sven-Oliver Pink, dass die Bungalows aus den 1970ern vor allem wegen ihres schlechten Zustands umgebaut werden müssten. Viele der Häuschen seien sanierungsbedürftig, teilweise mit Schimmel und Asbest belastet. Auch Elektrik und Kläranlage stammten von damals und müssten grundlegend erneuert werden, um das Gelände in den nächsten Jahrzehnten betreiben zu können. Oberhalb der Bungalows werde eine Pflanzenkläranlage gebaut, die auch von Nachbargrundstücken genutzt werden soll.
Im Februar ziehen sich breite Spuren der Baufahrzeuge über das Gelände. Annelieses Bungalow wurde entkernt und mit Sperrholzplatten verkleidet, zum Wasser wurden drei große Fensterfronten eingesetzt. Der Bungalow in der Reihe dahinter ist schon mit Holzpanelen verkleidet, die an skandinavische Ferienhäuser erinnern. Durch die Fenster sieht man ein großes Doppelbett mit Seeblick, einen runden Tisch, eine Kochnische. Im Regal stehen Orakelkarten der Firma Seelchen. Ein weiteres Unternehmen von Sven-Oliver Pink. Sie verkaufen esoterische Gegenstände: Schutznetze, gegen negative Energien, Ritualboxen zum Einschlafen, Kerzen im Keramikkelch für 44 Euro. Und die Orakelkarten, die laut Onlineshop einen spielerischen Umgang mit dem Unterbewusstsein ermöglichen sollen.
Matthias Kubusch sitzt ein paar Bungalows weiter auf seinem Sofa, die Taschenuhr zeigt fünf vor 11. „Gleich gib’s Mittach“, schreit Senftleben beinahe über den Couchtisch. Ihr Bruder hört schlecht. „Ja“, antwortet er nur, reden mag er auch nicht wirklich gerne. Gleich wird er die sauren Eier mit Kartoffeln und Möhren in der Mikrowelle aufwärmen, die Senftleben ihm gestern gekocht hat. Auf der Mikrowelle ist mit einem Strich markiert, wie weit er den Regler aufdrehen muss.
Das Amtsgericht hat Anfang des Jahres entschieden, dass er seinen Bungalow bis Ende Juni räumen muss. Als im Gericht über sein Zuhause verhandelt wurde, war Kubusch nicht anwesend, weil er alles nur schwer verstehen kann. Seine Chancen standen schlecht, weil er keine Bestätigung vom Vorbesitzer hatte, dass er dauerhaft in Canow leben darf. Dass er auf die Pflege seiner Schwester angewiesen ist, die nur ein paar Meter neben ihm im Bungalowpark wohnt, hatte nicht genug Gewicht.
Juristisch gesehen haben die Investoren nichts falsch gemacht. Das Mietrecht bei Ferienbungalows, in denen man eigentlich nicht dauerhaft wohnt, schützt Mieter:innen nicht so stark wie in einer normalen Wohnung. Sie haben das Grundstück gekauft, sie haben den Mieter:innen mit einer ausreichenden Frist gekündigt, sie können mit ihrem Bungalowpark machen, was sie wollen.
Aber warum dürfen Kubusch, seine Schwester und sein Schwager nicht bleiben? Sie würden auch in einen Bungalow am Rand des Geländes ziehen, damit sie weniger im Zentrum des Parks wohnen. Laut eigener Aussage soll 100 Seelen eine inklusive Dorfgemeinschaft werden, warum darf Matthias Kubusch, der eine Behinderung hat und Pflege braucht, nicht zu dieser Gemeinschaft gehören?
Frank Sippel, der vergangenes Jahr noch am Seeufer stand und für eine „wirkungsvolle Dorfgemeinschaft“ warb, die „im Einklang mit der Natur lebt“, ist seit letztem Sommer nicht mehr Geschäftsführer der Für Freunde Immobilien GmbH. Seine Immobilienfirma Real Future, die den Umbau des Bungalowparks verantwortete, hat das Projekt ebenfalls abgegeben. Deshalb möchte er sich der taz gegenüber nicht zu dem Projekt äußern. Neuer Geschäftsführer ist Sven-Oliver Pink. Seine Firma Seelchen, die mit den Orakelkarten, ist nun für die Weiterführung des Bauprojekts verantwortlich.
Aber Pink möchte sich zu einzelnen Mietverhältnissen nicht äußern. Die Mieter seien frühzeitig über die anstehenden Veränderungen informiert worden und hätte auch durch die Verzögerungen lange Zeit gehabt, um sich neu zu orientieren. Ein respektvoller und fairer Umgang mit allen Beteiligten sei ihnen dabei wichtig, sagt er.
Anfang März fragt der Richter im Amtsgericht in Waren an der Müritz, ob sich Senftleben und die Investoren auf einen Vergleich einigen wollen. Cornelia Senftleben würde Geld dafür bekommen, dass sie ihren Bungalow räumt. Die Freunde Immobilien GmbH könnte den Bungalow schneller umbauen.
„Wie viel stellen sie sich vor?“, fragt der Richter Cornelia Senftleben. 30.000 Euro sagt sie. Der Anwalt der Freunde lächelt, 1.000 Euro hätten sie bei einem vergleichbaren Fall zuletzt gezahlt. Senfleben schaut ihn fassungslos an. „Damit kann ich nicht mal eine neue Wohnung für ihn einrichten“, sie zeigt auf ihren Bruder, der teilnahmslos im Saal sitzt. Er ist mitgekommen, damit er nicht allein zu Hause ist.
Bis Ende Juni muss Matthias Kubusch aus dem Bungalowpark ausziehen. Cornelia Senftlebens Prozess läuft noch. Eine Entschädigung wurde ihr von den Investoren nicht angeboten. Stattdessen forderte deren Anwalt, zu prüfen, ob die Bestätigung, dass sie dauerhaft in Canow leben darf, überhaupt echt sei.
Am Canower See wird Kubusch zweimal die Woche von einem Fahrdienst abgeholt und zur Tagespflege gefahren. Wenn er weiter weg von der Einrichtung zieht, muss er lernen mit dem Bus dorthin zu fahren. Einmal haben sie das schon geübt. Cornelia Senftleben gibt ihm dann einen Zettel für den Notfall mit, auf den sie schreibt: „Ich bin Matthias und habe mich verirrt“, darunter steht ihre Telefonnummer.
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