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Vorschau auf Eiskunstlauf-WMAlles auf der Kippe

Bei der WM in Prag wollen Minerva Hase und Nikita Volodin noch einmal glänzen. Ihre Zukunft hängt auch von jener des Berliner Stützpunkts ab.

Ausdrucksstark: Hase und Volodin bei den Olympischen Winterspielen in Mailand Foto: Claudia Greco/reuters

Es könnte ihr letzter Tanz sein, wenn Minerva Hase und Nikita Volodin diese Woche bei den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf in Prag um die Goldmedaille kämpfen. Zumindest der letzte Tanz mit Preisrichtern an der Bande. Denn im Interview mit der ARD ließ es Hase offen, ob sie und ihr Partner nach dem Ende der Saison weiterhin ein Eislaufpaar bleiben. „Wenn es weitergehen soll, dann in einem professionellen und guten Rahmen“, sagte Hase. Der Bundesstützpunkt Berlin stehe auf der Kippe. „Da müssen wir mal sehen, ob Berlin Bundesstützpunkt bleibt und ob unser Trainerteam weitermachen möchte.“

In Prag jedenfalls sind die beiden 26-jährigen Bronzemedaillengewinner von Olympia Topmedaillenkandidaten. Da in der Olympiasaison etliche Spitzenduos wie die japanischen Olympiasieger gar nicht zur WM antreten, dürften Hase/Volodin den Kampf um Gold lediglich mit den georgischen Vizeolympiasiegern Anastasiia Metelkina/Luka Berulava ausfechten.

Wobei die Olympischen Spiele gezeigt haben, dass im Eiskunstlauf immer Überraschungen möglich sind. Vielleicht ja durch die jungen Chinesen Jiaxuan Zhang/Yihang Huang oder die Amerikaner Alisa Efimova/Misha Mitrofanov? „Unser Ziel ist es, zwei fehlerfreie Programme zu zeigen“, sagt Minerva Hase. „Es war eine sehr fordernde Saison, daher liegt der Fokus darauf, konzentriert zu bleiben, aber auch die Freude auszustrahlen, nochmal beide Programme vor einem großen Publikum, Familie und Freunden laufen zu können.“

Das Kurzprogramm steht am Mittwoch an, die Kür am Donnerstag. Eurosport überträgt. Mit dabei in Prag sind auch die Berliner Annika Hocke/Robert Kunkel, die bei Olympia nach einer von Verletzungen geprägten Saison Zehnte wurden und das Publikum durch innovative Flugelemente begeistern konnten.

DOSB benennt strukturelle Defizite

Diese beiden Paare sind derzeit Ausnahmeerscheinungen im deutschen Eiskunstlauf, wo sich das Niveau, besonders im Einzellauf, immer weiter von der Weltspitze entfernt. So konnte sich zum zweiten Mal in Folge keine deutsche Frau für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Hocke/Kunkel haben angedeutet, wohl weiterzulaufen. Doch auch für sie wäre wichtig, dass Berlin über 2026 hinaus Bundesstützpunkt bleibt. Der Verlust dieses Status hätte weniger finanzielle Mittel und weniger Eiszeiten für die Berliner Talente zur Folge.

Sportdirektor Jens ter Laak hält indes eine Verlängerung für realistisch. „Die Entscheidung liegt aber am Ende beim Staat.“ Der DOSB hätte für Berlin „strukturelle Defizite angepinnt, die wir abzuarbeiten haben. Daran arbeiten wir mit dem DOSB, dem Senat in Berlin und dem Landessportbund und Olympiastützpunkt zusammen.“ Mit Hase/Volodin sei nach der WM ein Gespräch vereinbart, um „verschiedenen Optionen für professionelle Trainingsumfelder zu analysieren und gemeinsam zu besprechen“. Als Olympiakader seien sie nicht auf Berlin angewiesen, so der Sportdirektor.

Dabei war gerade Berlin noch vor zehn Jahren die wichtigste Kaderschmiede für den deutschen Eiskunstlauf. Kostenlose Eisnutzung, eine Talententwicklung ab dem Kindergartenalter und nicht zuletzt ein professionelles Trainerteam trugen dazu bei. Doch dann kam der Generationswechsel bei den Trainern und bei der Auswahl neuer Trainerinnen und Trainer hatte der Berliner Stützpunkt nicht immer das beste Händchen. Hingegen hat der Stützpunkt Alexander König, der immerhin die Olympiasieger Aljona Savchenko/Bruno Massot trainierte, regelrecht aus Berlin vergrault.

Dazu kommt: Der Stützpunkt hat Chancen nicht genutzt, sich international aufzustellen. Mit der Coronapandemie mussten zahlreiche europäische Spitzenläufer ihre Trainingsorte in Nordamerika verlassen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine vertrieb wiederum jene aus Russland. Viele von ihnen haben jetzt in Norditalien und der Schweiz eine neue sportliche Heimat gefunden, wo die Weltspitze sich gegenseitig im Training puscht. In Berlin ist hingegen die Zahl internationaler Spitzenläufer überschaubar. Auch das Miteinander von Trainern, Sportlern, Eltern und Verband ist schwierig. Konflikte werden gern gerichtlich ausgetragen, eine Klage liegt derzeit sogar beim Kammergericht.

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