Afghanische Flüchtlinge in Berlin: Platz nicht nur für Ortskräfte

Die ersten Ortskräfte aus Afghanistan sind angekommen. Bündnisse fordern Ausweitungen der Hilfe und rufen zu einer Demo am Sonntag auf.

Menschen protestieren vor dem Bundestag für die Aufnahme von Geflüchteten

Zivilgesellschaftliche Bündnisse kritisieren, dass nur Ortskräfte aufgenommen werden Foto: Christoph Soeder/dpa

BERLIN taz | Die ersten Ortskräfte aus Afghanistan sind in Berlin angekommen – und wurden laut dem Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf gut versorgt: Bei einer Familie, die bereits vergangene Woche nach der Flucht vor den vorrückenden Taliban in Deutschland angekommen sei, habe alles „wider Erwarten super schnell geklappt“, wie Günther Schulze aus dem Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf der taz sagte. „Die Familie hat bereits einen Status, ist beim Jobcenter angemeldet und hat Geld bekommen. Die Schulanmeldungen sind auf den Weg gebracht.“

Die Familie sei in einer sehr guten Unterkunft untergekommen und könne dort erst mal bleiben, sagte Schulze. In der nächsten Woche würden weitere Familien erwartet. Und: „Es gibt sehr viel bürgerliches Engagement hier. Wir sind gut vorbereitet und haben auch noch deutlich mehr Platz!“

Gleichzeitig fordert das Bündnis, das nach Schulzes Schätzung auf 300 Ehrenamtliche zurückgreifen kann, „umgehend und ohne bürokratische Hindernisse eine effektiv funktionierende Luftbrücke zu schaffen“. Dazu sollten Duldungen, Arbeitsverbote und andere Sanktionen für hier lebende Af­gha­n*in­nen aufgehoben und der Fami­lien­nachzug ermöglicht werden, wie es in einer Mitteilung des Bündnisses heißt. Bis Donnerstag hatte Berlin 120 Ortskräfte aufgenommen.

Die ersten Flüchtlinge aus dem Kabuler Chaos rund um den Flughafen sind unterdessen in Brandenburg eingetroffen. Zwei Busse mit 59 Personen, Ortskräfte der Bundeswehr und ihre Angehörigen, kamen am Freitagmorgen im Landkreis Elbe-Elster an – darunter 29 Kinder und Jugendliche. Sie sind in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain untergekommen – ihre Ankunft aus Frankfurt am Main war schon am Donnerstag erwartet worden und hat sich aufgrund von Registrierungen verzögert.

„Den Umständen entsprechend gut“

Olaf Jansen von der Brandenburger Ausländerbehörde sagte, dass die Menschen müde und erschöpft seien, es ihnen aber „den Umständen entsprechend eigentlich ganz gut“ gehe. In Doberlug-Kirchhain müssen sie zunächst drei Tage in Quarantäne und sollen dann auf die Bundesländer verteilt werden.

Angesichts von Aufnahmekapazitäten von 1.337 Plätzen hat sich der rot-rot-grüne Berliner Senat auf ein Landesaufnahmeprogramm für Af­gha­n*in­nen verständigt, mit dem über Ortskräfte hinaus auch Geflüchtete aus den Nachbarländern Afghanistans aufgenommen werden sollten. Allerdings spricht das Bundesinnenministerium bislang lediglich davon, Ortskräfte und Angehörige aufzunehmen. Die Bundeswehr hat bis Freitagnacht über 1.600 Personen ausgeflogen.

Um die Hilfe auszuweiten, ruft unter anderem das Seebrücken-Bündnis für Sonntag zu einer großen Demonstration im Regierungsviertel auf. Auch der Berliner Flüchtlingsrat fordert, Evakuierungen auszuweiten und dass Deutsche Botschaften in den Nachbarländern afghanischen Geflüchteten unverzüglich Visa austellen sollten.

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