Ärger über arrogante Hamburger: Senat hält Antwort für unnötig
Die Gemeinde Jork sorgt sich um Hochwasser und eine Werft und schrieb deshalb an Hamburg. Dass von dort keine Antwort kam, sei enttäuschend.
Foto: Markus Scholz/dpa
In der kleinen Gemeinde Jork im Alten Land macht sich der Eindruck breit, vom großen Nachbarn Hamburg nicht ernst genommen zu werden. Er sei „enttäuscht“ von der Reaktion – oder eigentlich Nicht-Reaktion – der Hamburger Behörden auf ein Schreiben der Gemeinde, in dem es um so wichtige Themen wie den Hochwasserschutz und Arbeitsplätze ging, sagte Bürgermeister Matthias Riel (parteilos) dem Stader Tageblatt. CDU-Fraktionschef Michael Eble bezeichnete das Verhalten gegenüber der taz als „absolut arrogant“.
Ihren Brief hat die Gemeindevertretung Mitte Oktober einstimmig beschlossen und wartet nach neun Monaten noch immer auf eine Antwort. Es geht darin um das Este-Sperrwerk, welches das Hinterland vor den Sturmfluten der Elbe schützt und zugleich eine Zufahrt zu der kurz dahinter liegenden Pella-Sietas-Werft mit 600 Arbeitsplätzen ermöglicht.
Die Gemeinde hat festgestellt, dass die Este in den vergangenen Jahren zunehmend versandet und verlandet ist – eine Folge mehrfacher Vertiefungen der Elbfahrrinne. Das gefährdet die Zufahrt zu der seit Kurzem insolventen Werft und somit deren Zukunft. Ohne Baggerei oder regelmäßige Spülungen können die fertigen Schiffe die Werft nicht mehr verlassen. In der Este-Mündung blockierte Schlick zudem das Sperrwerk, sodass es vom 10. bis 19. November 2019, mitten in der Sturmflutsaison, nicht geschlossen werden konnte.
Der Rat der Gemeinde Jork richtete deshalb an die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die Hamburger Wirtschaftsbehörde und die Hafenbehörde HPA die „dringende Bitte, die nötigen Unterhaltungsbaggerungen durchzuführen“. Als eine Antwort aus dem rot-grün regierten Hamburg ausblieb, bat CDU-Mann Eble seine Hamburger Kollegen, eine parlamentarische Anfrage zu stellen.
Der Hamburger Senat antwortete mit dem Verweis auf bekannte Zuständigkeiten und dem Standard-Hinweis, dass er hypothetische Fragen nicht beantworte. Die Jorker hatten vor „absehbaren negativen Folgewirkungen in wirtschaftlicher und touristischer Hinsicht“ gewarnt.
„Aufgrund des Drucks von Hamburg ist die Elbe vertieft worden“, so Eble. „Dass Hamburg jetzt sagt: ‚Das geht uns nichts an‘, ist eine ziemliche Unverschämtheit.“ Es fehle ein nachhaltiger Lösungsansatz, wie mit der Verschlickung im Bereich des Este-Sperrwerks umzugehen ist, sagte Bürgermeister Riel der taz.
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