Sietas-Werft ist insolvent: Die Zukunft ist verschlickt

Die Hamburger Traditionswerft Pella Sietas konnte wegen eines verschlickten Hafenbeckens keine Schiffe ausliefern. Dann kam auch noch die Pandemie.

Großes Schiff in der Sietas-Werft, die Arbeiter davor sehen ganz klein aus

Wie nur sollen die Schiffe in die Elbe kommen? Das Hafenbecken vor der Werft ist verschlickt Foto: Carsten Rehder/dpa

HAMBURG taz | Die an der Estemündung gelegene Werft Pella Sietas ist einer der ältesten aktiven Schiffbaubetriebe weltweit. Nun steht sie zum zweiten Mal in zehn Jahren vor der Insolvenz. Das seit 1635 in Hamburg ansässige Unternehmen, das Eisbrecher, Baggerschiffe oder Fähren baut, hat Probleme mit einem verschlickten Hafenbecken und konnte deshalb nur mit großer Verzögerung ausliefern. Außerdem ist die Werft durch die Pandemie in eine finanzielle Krise geraten. Betroffen waren insgesamt 350 Festangestellte sowie etwa 300 Leih- und Werkvertragsarbeiter*innen.

Für sie kam die Insolvenz nicht allzu überraschend. Aber trotzdem: „Für die Belegschaft ist das ein Schock“, sagt Emanuel Glass von der Gewerkschaft IG Metall Hamburg. „Die komplette Belegschaft hat seit Ende April kein Geld mehr bekommen“, sagt Glass: „Für die Angestellten ist das eine Katastrophe.“ Die IG Metall kritisiert vor allem die Geschäftsführung: Die Angestellten hätten früher darüber aufgeklärt werden sollen, wie lange sie kein Geld bekommen, meint Glass – sie seien immer wieder vertröstet worden.

Die Werft ist in einer vertrackten Situation: Das Hafenbecken verschlicke zusehends, könne aber aufgrund rechtlicher Bestimmungen in der Sturmflutzeit nicht gespült werden, sagt Glass. Dadurch könne die Werft bestellte Schiffe weder sicher zu Wasser lassen noch ausliefern.

Mittlerweile arbeiteten auch viele Kol­le­g*in­nen nicht mehr. Sie hätten sich andere Jobs gesucht oder ab Ende Juni vom sogenannten Zurückbehaltungsrecht Gebrauch gemacht. Das bedeute, dass sie, nachdem sie die Werft dazu aufgefordert haben, ihr Gehalt zu überweisen, die Arbeit niedergelegt hätten, um Arbeitslosengeld zu bekommen, erklärt Glass. Selbst wenn das Schlickproblem gelöst wäre, fehlen also Arbeiter*innen, um die Schiffe zu bauen.

Nischen werden immer kleiner

Ralf Marquardt, Geschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik, sieht ein strukturelles Problem: Die Pandemie habe vor allem Marktsegmente getroffen, die von Deutschland besonders bedient würden, wie etwa Fahrgastschiffe. „Nischen werden immer kleiner und international härter bekämpft“, sagt Marquardt. Diesen Kampf müsse Sietas nun vor dem Hintergrund bereits bestehender Probleme austragen.

Glass hofft, dass viele Arbeitsplätze erhalten werden können: Die Werft sei nicht durch einen Mangel an Aufträgen in die Insolvenz gerutscht. „Wir haben ein gutes Portfolio an Aufträgen für die nächsten Jahre“. Vielleicht sei die Insolvenz ein Neuanfang.

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