Abschied von Stephen Colbert: Last „Late Show“
Nach mehr als elf Jahren verschwindet einer der bekanntesten US-Comedians aus dem Fernsehen. So verlief seine letzte Sendung.
taz/afp/dpa | Am Ende wird Colbert von einem grünen Loch aufgesogen. Ruhe gibt er dann aber immer noch nicht. Das wäre auch wirklich nicht sein Stil. Stattdessen singt er mit Paul McCartney „Hello, Goodbye“ – bis das Loch die ganze Sendung verschluckt. Ist er jetzt doch einfach weg?
Rund 1.800 Sendungen hat Stephen Colbert, einer der berühmtesten Satiriker der USA, abgerissen. 11 Jahre lang. Am Donnerstagabend begrüßte der 62-Jährige nun zum letzten Mal Gäste in seiner „Late Show“. Zwar nicht den Papst, auch wenn Colberts Crew ihm zuerst weismachen wollte, dass der sein letzter Gast sein sollte. Stattdessen waren unter anderem Paul Rudd („Ant-Man“), Ryan Reynolds („Deadpool“) und Bryan Cranston („Malcolm mittendrin“) dabei und ebenjener besagte Ex-Beatle Paul McCartney, mit dem er später noch musizieren durfte. Vor dem Theater versammelten sich zahlreiche Fans, um sich zu verabschieden, in Sketchen huldigten andere Late-Night-Moderatoren dem unfreiwillig Scheidenden. Ein Zeichen nicht nur an ihn.
Colbert hatte die „Late Show“ 2015 von David Letterman übernommen, der sie schon 1993 gestartet hatte. Warum diese bekannte und auch erfolgreiche Sendung absetzen? Laut CBS aus „rein finanziellen Gründen“. Branchenkenner*innen vermuten auch politische. Tatsächlich fiel die Entscheidung letzten Sommer, kurz nachdem Colbert Paramount, den Mutterkonzern von CBS, dafür kritisiert hatte, dass er einen Vergleich mit Donald Trump geschlossen hatte. 16 Millionen Dollar zahlte ihm Paramount wegen eines Rechtsstreits um ein Interview mit der Demokratin Kamala Harris. Für Colbert eine „fette Bestechung“. Zeitgleich wollte Paramount damals die Zustimmung der Regierung zu einer Fusion mit Skydance Media. Und Trump begann verstärkt gegen Satire und Medien vorzugehen. Er begrüßte sogar öffentlich das Ende der „Late Show“.
Colbert selbst erwähnte das alles in seiner letzten Sendung nicht direkt. Er sagte dem Publikum, Ziel der Sendung sei es über Jahre gewesen, gemeinsam mit den Zuschauer*innen die Nachrichtenlage zu verarbeiten. „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe es auf jeden Fall gespürt.“
Politische Spitzen platzierte Colbert zu Beginn der letzten Folge jedoch nicht. Stattdessen bedankte er sich. Es habe ihm Freude bereitet, die Show präsentiert zu haben, sagte er in die Kameras. „Tatsächlich nennen wir diese Show die Freude-Maschine.“ Dann ging es weiter wie sonst auch: Colbert am Schreibtisch, Kaffeetasse drauf, Spitzen über aktuelle Nachrichten, und zwischendrin gibt’s Live-Musik. Stoische, sich weiterhin sträubende Normalität angesichts des Endes.
Zu seinen Zukunftsplänen scherzte Colbert, viele fragten ihn, was er nun tun werde: „Die Antwort ist: Drogen.“ Bekannt ist bislang, dass er am Drehbuch eines künftigen „Herr der Ringe“-Films mitschreiben soll.
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Mit McCartney plauderte Colbert dann noch über frühere Auftritte und es wurde tatsächlich ein Stück weit politisch. McCartney sagte auf Colberts Frage, wie der Brite Amerika vor Jahrzehnten bei Auftritten wahrgenommen habe: „Als das Land der Freiheit, die größte Demokratie.“ Er schob nach: „hoffentlich ist es das immer noch“.
Und dann kam eben das Loch, verschluckte erst Colbert, dann die Sendung, bis nur noch eine kleine Schneekugel von ihr übrig blieb.
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